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Baden-Württemberg

Bildungsplanreform 2015: Lenkungsgruppe kommt zur ersten Sitzung zusammen

Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer: "Wir haben die Schulentwicklung durch den Bildungsaufbruch und die neue Gemeinschaftsschule vorangebracht. Durch die umfassende Reform der Bildungspläne wollen wir erreichen, dass das individuelle Lernen in allen Schularten stärker umgesetzt wird."

Mehr zu: Baden-Württemberg, Bildungspläne, Schulentwicklung, Schule
Stuttgart, 17.10.2012 -

(Korrigierte Fassung) - Das Kultusministerium hat die Vorarbeiten abgeschlossen und beginnt jetzt mit der umfassenden Reform der Bildungspläne für die baden-württembergischen Schulen. Die dafür gegründete Lenkungsgruppe ist jetzt zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen gekommen.

"Wir haben die Schulentwicklung durch den Bildungsaufbruch und die neue Gemeinschaftsschule vorangebracht. Durch die umfassende Reform der Bildungspläne wollen wir erreichen, dass das individuelle Lernen in allen Schularten umgesetzt wird", erklärt Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer. Die Lenkungsgruppe wird geleitet von Ministerialdirektorin Dr. Margret Ruep, Amtschefin des Kultusministeriums. Dieses Gremium des Ministeriums wird in Kürze ergänzt durch einen Beirat mit beratender Funktion. Darin vertreten sein sollen die Beratungsgremien des Kultusministeriums (Landesschulbeirat, Landeselternbeirat, und Landesschülerbeirat) sowie Lehrerverbände und renommierte Vertreter aus den Regierungsfraktionen, Wissenschaft, Wirtschaft, Kirchen und Religionsgruppen.

Durch die Reform sollen die in der Koalitionsvereinbarung vorgesehenen Innovationen in den Bildungsplänen verankert werden, betont die Kultusministerin: "Künftig soll der Lernprozess in allen Schularten auf jeden einzelnen Schüler abgestimmt sein, damit jedes Mädchen und jeder Junge den jeweils optimalen Bildungsabschluss erreichen kann." Die grün-rote Bildungspolitik will damit die soziale Gerechtigkeit im Bildungssystem erhöhen und dadurch auch die Leistungsfähigkeit der Schulen verbessern.

Zu den Zielen der Reform gehört auch, die Abstimmungen zwischen dem vorschulischen Bereich und der Grundschule sowie zwischen den allgemein bildenden und den beruflichen Schulen zu verbessern. Damit soll eine größere Durchlässigkeit des Schulsystems erreicht werden. Hier sieht das Ministerium eine Beeinträchtigung durch unterschiedliche Inhalte in den Klassenstufen und Fächerverbünden der einzelnen Schularten. Bildungsgänge, die zum Studium berechtigen, sollen künftig stärker darauf ausgerichtet werden, die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der Hochschulen vorzubereiten. Angepasst werden müssen die Bildungspläne auch an die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Darüber hinaus ist geplant, die Medienkompetenz zu verbessern sowie den Aspekt "Bildung für nachhaltige Entwicklung" in den Schulen stärker zu betonen. Darunter fallen Themen wie Umweltbildung, die Vermittlung von Werten wie Gerechtigkeit, Fairness und Toleranz oder der Ausbau der politischen Bildung.

Die neuen Bildungspläne werden in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kultusministerium und dem Landesinstitut für Schulentwicklung erarbeitet. Dazu werden vom Kultusministerium in Abstimmung mit den Regierungspräsidien, den Kirchen und Religionsgruppen sowie dem Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik Kommissionen gebildet. Ihnen sollen Lehrkräfte aus allen allgemein bildenden Schularten und aus dem beruflichen Schulbereich angehören, darunter auch Lehrkräfte der Gemeinschaftsschulen und der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung.

Der Beirat und die Bildungsplankommissionen werden mit einer Auftaktveranstaltung am 19. Dezember 2012 ihre Arbeit offiziell aufnehmen. Im Lauf des Jahres 2013 soll eine Internetplattform mit Informationen zur Bildungsplanreform erstellt werden. Geplant ist zudem ein Expertenhearing in einem mehrstufigen Befragungsverfahren.

Hintergrundinformationen für die Redaktionen:

Die neuen Bildungspläne für die allgemein bildenden Schulen bis einschließlich Klasse 10 sollen bis spätestens Juli 2015 fertiggestellt sein. Im Anschluss daran werden auch die Bildungspläne für die Klassen 11 und 12 der Gymnasien weiterentwickelt. Die neuen Bildungspläne werden verbindliche, gemeinsame Bildungsstandards für alle Schularten enthalten. Die Bildungsstandards legen fest, über welche Kompetenzen ein Schüler bis zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügen muss. Formuliert werden Kompetenzstufen für die Grundschule (Klassen 2 und 4) sowie für das Ende der Orientierungsstufe (Klasse 6), den Hauptschulabschluss und den Mittleren Schulabschluss. Die Bildungsstandards werden in unterschiedliche Niveaustufen aufgegliedert.

Bis Juli 2013 soll eine erste Entwurfsfassung der neuen Bildungspläne vorliegen. Sie soll im Schuljahr 2013/2014 an allen Gemeinschaftsschulen erprobt werden, die im laufenden Schuljahr an den Start gegangen sind, sowie pro Fach an je zwei Schulen der Schularten Grundschule, Werkrealschule, Realschule, Gymnasium und Sonderschule. Um die Schulen bei der Umsetzung zu unterstützen, erstellt das Landesinstitut für Schulentwicklung Kompetenzraster und Checklisten für die Fächer Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften und die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch). Gleichzeitig werden Lernaufgaben und weitere Materialien für individualisierten Unterricht entwickelt. Für Lehrkräfte wird es rechtzeitig Fortbildungen zum Umgang mit den neuen Bildungsplänen geben.

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1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Berthold Steinborn, am 18.10.2012, 11:44

Die neuen Bildungspläne sollten m.E. in einem Guss zusammen mit den gymnasialen Kursstufen (allg. bildende Gymn. und berufliche Gymnasien) entwickelt werden und dabei auch wieder verstärkt Bildungsinhalte verbindlich benennen. Die Trennung in zwei Phasen macht keinen Sinn: man muss wissen, wohin die Reise in der Kursstufe und in den Abiturprüfungen gehen soll, damit der Unterbau funktional sinnvoll geplant werden kann.


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