Gastbeitrag

Am Ball bleiben

Wissen, woran man ist – das möchte jeder Azubi. Regelmäßige Feedbackgespräche sind ein wichtiges Instrument in der Ausbildung. Von Nicole Glawe-Miersch

11.01.2019 Bundesweit Artikel Bildungspraxis
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Gleich nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres steht in den BANG Netzwerken die Planung der Beurteilungsgespräche am Ende der Probezeit an. Die im Netzwerk praktizierte Systematik der Beurteilungs-, Feedback- und Rückmeldungsgespräche mit Auszubildenden ist umfassend geplant, dokumentiert und frühzeitig kommuniziert.

Die langjährige Erfahrung zeigt, dass Feedbackgespräche ein wesentlicher Faktor dafür sind, dass die Quote der abgebrochenen Ausbildungsverträge in den BANG Netzwerken bei unter vier Prozent liegt. Die regelmäßigen und geplanten Gespräche zwischen dem Ausbilder des Trainingszentrums, dem Ausbilder aus dem Unternehmen, dem Azubi und einem weiteren Personalverantwortlichen aus dem Netzwerk sorgen dafür, dass Probleme, Missverständnisse, Missstimmungen oder auch falsche Erwartungen – auf wessen Seite auch immer – erkannt und bearbeitet werden.

Die Jugendlichen empfinden die Gespräche als positiv, denn ihnen wird dadurch Aufmerksamkeit und Wahrnehmung entgegengebracht. Die Vorerfahrungen mit Lehrergesprächen aus der Schule sind bei den Jugendlichen unterschiedlich und nicht selten negativ – bei vielen Azubis ist daher zunächst eine Abwehrhaltung die Folge. Erst über die verschiedenen Formen der Rückmeldungsgespräche während der Ausbildung lernen solche Auszubildende, Vertrauen zu fassen und die Beurteilungssituation anders zu empfinden: nämlich als konstruktive Hilfestellung und als Möglichkeit, eigene Anliegen zur Sprache zu bringen.

Nicole Glawe-Miersch leitet die BANG Netzwerke Hövelhof und Lippe. Sie koordiniert die Zusammenarbeit aller an der Ausbildung beteiligten Partner.

Feedback oder Beurteilung?

Zu Beginn ihrer Ausbildung bekommen die Azubis im BANG Netzwerk eine Information zu den kommenden Gesprächen. Dabei werden folgende Gesprächsarten unterschieden:

Rückmeldungen: Ziel ist die kurzfristige Spiegelung von Verhalten, ein kurzfristiger Lerneffekt oder die Erinnerung an ein bekanntes Verhalten. Dies erfolgt zum Beispiel nach der Abgabe einer fertig gestellten Baugruppe – also einer Teilaufgabe bei der Produktion eines Ausbildungswerkstücks. Die Rückmeldung an den Azubi erfolgt direkt und bezieht sich nicht nur auf die handwerklichen Elemente, sondern auch auf die Einhaltung der Werkstattregeln oder auf die Regeln zur Bedienung der Maschinen.

Feedback: Ziel ist das Erreichen einer langfristigen Einstellungs-, Leistungs- oder Verhaltensänderung – dieses Gespräch erfolgt nach Terminabsprache mit dem Azubi. Hier wird ein längerer Zeitraum betrachtet und besprochen. Der Ausbilder hat dazu einen Feedbackbogen mit Fragen und Themen zur Verfügung, der dem Azubi im Vorfeld gezeigt wird. Dies sorgt gleich zu Beginn für eine offene Gesprächsatmosphäre, denn der Azubi weiß bereits, worum es gehen wird.

Beurteilungsgespräch: Ziel ist die Aufklärung über die Beurteilung und die Arbeits- und Entwicklungsergebnisse sowie eine Zielvereinbarung über das weitere Vorgehen. Diese Beurteilungsgespräche finden für das erste Lehrjahr immer kurz vor Beendigung der Probezeit statt, im weiteren Ausbildungsverlauf werden sie flexibel abgestimmt. Zu dem Termin sind dann der Ausbilder aus dem Betrieb, der Ausbilder aus der Lehrwerkstatt und der Azubi gemeinsam dafür zuständig, ein Fazit der Probezeit zu ziehen und wenn nötig weiterführende Maßnahmen zu planen. Auch die Beurteilungsbögen sind standardisiert und enthalten konkrete Informationen sowohl zum handwerklichen Fortschritt als auch Hinweise zum Sozial- und Teamverhalten.

Zeit, die sich auszahlt

Christian Namyslo, der sich im BANG Starter Center in Delbrück Ostenland um die Umsetzung dieser Gesprächsstrategie kümmert, sieht darin einen großen Nutzen: „Die Vorbereitung macht sicher im Vorfeld etwas mehr Arbeit. Aber durch dieses Vorgehen schaffen wir zum einen ein Vertrauensverhältnis und sind in der Lage, Probleme auf verschiedenen Ebenen frühzeitig zu erkennen. Das hilft mir, auch gemeinsam mit dem Azubi, dem Ausbilder aus dem Betrieb und teils auch den Lehrern aus den Berufskollegs, bei Bedarf zusätzliche Fördermöglichkeiten zu planen.“

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: 
BILDUNGSPRAXIS – didacta Magazin für berufliche Bildung, Ausgabe 4/2018, S. 10-11, www.bildungspraxis.de


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