Computereinsatz muss selbstverständlich werden

Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel, hat eine noch bessere Computerausstattung und mehr Lehrerfortbildungen für alle Schulen gefordert. Nach der aktuellen PISA-Studie nutzen zwar überdurchschnittlich viele 15Jährige Computer und Internet, allerdings privat und nicht in der Schule. An vielen Schulen sind Computer trotz aller Bemühungen immer noch Mangelware, Lern- und Übungsgelegenheiten fehlen. "Gerade dort müsste aber der sinnvolle Umgang erlernt werden können, Heranwachsende auf Anforderungen der modernen Berufswelt vorbereitet werden", betonte Wenzel.

06.12.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Jeder weiß, dass ohne Internet-Know-how und sicheren Umgang mit dem PC auf dem modernen Arbeitsmarkt gar nichts mehr geht. Der Einsatz von Computern muss daher an allen Schulen selbstverständlich werden. Lehrerinnen und Lehrer brauchen mehr Zeit und kleinere Klassen, um mit ihren Schülern entsprechend arbeiten zu können." Um die Flut ständig neuer Programme, Programmversionen und Medienangebote auch nur ansatzweise in den Griff bekommen zu können, ist eine landesweite Koordination und Infrastruktur erforderlich, die es derzeit nicht gibt - die Folge: engagierte Lehrerinnen und Lehrer sind auf sich selbst gestellt. "Medienerziehung kommt an den Schulen viel zu kurz."

Bayerische Schülerinnen und Schüler haben bislang wenig Gelegenheit, in den Schulen mit Computern zu arbeiten. Inzwischen sind die Schulen zwar besser ausgestattet und Lehrerinnen und Lehrer geben an, dass sie gerne deutlich mehr mit Computern im Unterricht arbeiten wollten, gleichzeitig verweisen sie aber auf massiven Zeitmangel und Druck, unter dem sie und ihre Schüler stehen. So kommt es, dass derzeit nur etwa ein Fünftel der bayerischen Lehrerschaft im Unterricht regelmäßig digitale Medien einsetzten, etwa die Hälfte versucht es wenigstens ab und zu. "Der Wille ist da, es fehlt jedoch an Zeit, an einigen Schulen mangelt es aber auch noch an der entsprechenden Ausstattung", erklärte der BLLV-Präsident.

Nur in berufsorientierten Fächern ist die Verwendung von Computersoftware in Lehrplänen oder Rahmenrichtlinien geregelt. In den meisten Fächern aller Schularten gibt es höchstens unverbindliche Empfehlungen. Wenzel: "Daran wird sich wohl erst etwas ändern, wenn Medienthemen und der aktive Umgang mit Medien beurteilungs- und prüfungsrelevant werden."

Verlage und Medienproduzenten bieten inzwischen eine Fülle maßgeschneiderter Lernsoftware und digitaler Unterrichtsmedien an, doch das Angebot kann nicht einmal ansatzweise überblickt, geschweige denn beurteilt werden. Außerdem ist nicht geklärt, woher das Geld für die vielen nötigen Schullizenzen kommen soll. "Lehrerinnen und Lehrer haben längst erkannt, dass es so nicht weitergehen kann", erklärte Wenzel. Die Einarbeitung in ständig neue Programme und Programmversionen, das Sichten des Medienangebotes und vor allem das Bereitstellen von digitalen Materialien für den Unterricht sprengt das Zeitbudget selbst hoch motivierter und engagierter Lehrkräfte." Inzwischen schließen sie sich zu Gruppen zusammen, um Lernplattformen mit Selbstlernmaterialien zu füllen. Doch bleiben dies "Inseln", wenn es keine landesweite Koordination und Infrastruktur gibt.

Lehrerinnen und Lehrer wollen Fortbildungen - "und zwar nach gestuften, konti-nuierlichen und passgenauen Angeboten", erläuterte Wenzel. "Sie müssen die Einführung in die technischen Fertigkeiten, den praktischen Einsatz im Unterricht und die Hinführung zu neuen, schülerzentrierten Lernformen umfassen." Die bereits bestehenden Unterstützungssysteme müssen ausgebaut und besser koordiniert werden.

"Trotz intensiver Diskussionen der Gewaltproblematik in den Medien findet Medienerziehung an bayerischen Schulen zu selten statt", bemängelte der BLLV-Präsident. Deshalb müssen medienerzieherische Themen schnellsten verpflichtend in die Fachlehrpläne integriert werden. Für den BLLV forderte Wenzel:

  • Mehr Zeit

  • Kleinere Klassen und Gruppen

  • Den kontinuierlichen Ausbau schulischer Medientechnik

  • Die Schaffung von Netzwerken

  • Den Aufbau einer zentralen staatlichen Koordinations- und Infrastruktur

  • Verpflichtende medienerzieherische Inhalte

  • Passgenau abgestimmte Lehrerfortbildungen


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