Berufsschuloffensive

DIHK: Qualität der Ausbildung weiter verbessern

Der stv. DIHK Hauptgeschäftsführer Achim Dercks erklärt: „Der neue Ausbildungsreport der DGB-Jugend zeigt: Wie schon in den vergangenen Jahren ist die übergroße Mehrheit der befragten Azubis (in diesem Jahr 71,9 Prozent) zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung in den Betrieben."

31.08.2017 Bundesweit Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag
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"Wenn es dennoch zu Unzufriedenheit kommt, kann das vielfältige Gründe haben: In manchen Branchen gibt es Arbeitszeiten, die nicht für jedermann attraktiv sind. Der Wechsel von der Schule in den betrieblichen Alltag ist generell mit Herausforderungen verbunden, die ein Studienanfänger nicht bewältigen muss. Azubis müssen Spielregeln in der Zusammenarbeit mit Vorgesetzten erlernen, die einige zunächst als Belastung wahrnehmen, von der sie später im Arbeitsleben aber profitieren. Gerade das ist aber auch der Vorteil einer dualen Ausbildung im Unternehmen: das Lernen unter Echtzeitbedingungen.

Wenn es Missstände oder Konflikte zwischen Azubis und Ausbildern gibt, unterstützen die Ausbildungsberater der Industrie- und Handelskammern und verfolgen jede Beschwerde. Sie erfüllen diese Aufgabe unabhängig sowie gewissenhaft im Interesse der Azubis und der Betriebe. Eine Reform des Berufsbildungsgesetzes ist daher nicht erforderlich. Die IHK-Ausbildungsberater können aber nur gezielt und effektiv helfen, wenn Ross und Reiter bekannt sind und sich Azubis oder Betriebe bei ihnen melden. Wir wollen darum gemeinsam mit den Gewerkschaften den in der Allianz für Aus- und Weiterbildung vereinbarten Weg eines gemeinsamen Beschwerdemanagements weiter beschreiten. Eine gute Zusammenarbeit ist den IHKs sehr wichtig. Dabei ist es allerdings nicht hilfreich, wenn Phantomzahlen in die Welt gesetzt werden: Von den 280 000 Jugendlichen, die laut DGB angeblich „im letzten Jahr keinen Ausbildungsplatz gefunden haben“, hielten allein 200 000 ihren Vermittlungswunsch bei der Bundesagentur für Arbeit nicht mehr aufrecht. Die anderen ursprünglichen bei der BA gemeldeten Bewerber hatten Alternativen wie ein Studium, ein Auslandsjahr, ein Praktikum oder einen Job gefunden. Tatsächlich konnten rund 20 000 bis zum Stichtag nicht vermittelt werden – bei weit mehr als 40 000 allein bei der BA gemeldeten offenen Plätzen.  

Beunruhigend ist der Befund zur Qualität der Berufsschulen im aktuellen Report: Nur 58 Prozent der Auszubildenden finden die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts sehr gut oder gut. Und nur rund die Hälfte Azubis fühlt sich durch den Besuch der Berufsschule gut auf die theoretische Prüfung vorbereitet. Wir brauchen daher dringend eine Berufsschuloffensive. Bund und Länder sollten gemeinsam dafür sorgen, dass die Berufsschulen besser ausgestattet werden und im geplanten Digitalpakt einen besonderen Stellenwert einnehmen. Eine Anbindung aller Berufsschulen an das Glasfasernetz ist ebenso dringend erforderlich wie die Entwicklung von Cloud-Lösungen für berufsschulische Bildungsmedien. Wir brauchen betriebsnahe Berufsschulstandorte und einen ausreichenden Nachwuchs an qualifizierten Berufsschullehrern vor allem in den gewerblich-technischen Fächern. Die duale Ausbildung kann nur dann stark bleiben, wenn die beiden Partner Unternehmen und Berufsschule stark sind.“


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