Bildungsübergänge

Fachtagung zur Beruflichen Bildung

Die erste bundesweite Fachtagung zur Beruflichen Bildung „Zukunft des Übergangsbereichs“ informierte über aktuelle Befunde und stellte erfolgsversprechende Maßnahmen und Konzepte einzelner Bundesländer vor.

17.03.2017 Bundesweit Pressemeldung Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen IQSH
  • © www.pixabay.de

Bundesweit befinden sich etwa 270.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Übergangsbereich der Beruflichen Bildung. Sie versuchen, nachträglich einen höher qualifizierten, allgemein bildenden Schulabschluss zu erwerben, oder sie nehmen an einer Maßnahme teil, die die Voraussetzung für eine anschließende vollqualifizierende Ausbildung schafft. Diese Bildungsgänge, die oft sozial benachteiligte Jugendliche, aber auch Geflüchtete, wahrnehmen, stehen häufig in der Kritik: Unzureichende Förderung der Schülerinnen und Schüler, eine verwirrende Anzahl von Einzelmaßnahmen, zu kostspielig und ineffizient ‒ lauten die Vorwürfe. Über 60 Vertreterinnen und Vertreter aus Lehrerbildung, Bildungsverwaltung, Wissenschaft sowie Kammern und Verbänden informierten sich über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und über erfolgreiche Maßnahmen und Konzepte in den Bundesländern. Diskutiert wurde, wie der Übergang zwischen Schule und Beruf optimiert werden kann und wie die Ausbildungschancen sozial benachteiligter Jugendlicher erhöht werden können.

„Junge Menschen sollen nach der Schule möglichst ohne Umwege mit einer Ausbildung beginnen können. Um das zu erreichen, verbessern wir kontinuierlich den Übergang von der Schule in den Beruf“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst heute bei der Eröffnung der ersten bundesweiten Fachtagung zur Zukunft des Übergangsbereichs in Berlin. Schleswig-Holstein habe in der Beruflichen Bildung einen bildungspolitischen Schwerpunkt gesetzt und zum Beispiel neue Strukturen in der Ausbildungsvorbereitung der Schulen geschaffen, inzwischen landesweit sechs Jugendberufsagenturen initiiert sowie ein Berufswahlsiegel für Berufliche Schulen eingeführt. „Wir haben auch für die Berufsbildenden Schulen mehr Mittel und Personal bereitgestellt: Allein in den letzten beiden Jahren wurden 184 zusätzliche Planstellen an den Berufsbildenden Schulen geschaffen.“

„Mit dem neuen Basistrainer Mathematik, Deutsch und Englisch zur Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf wollen wir gezielt schwächere Schülerinnen und Schüler in den Beruflichen Schulen fördern“, sagte Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Direktor des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH). Der Basistrainer sei gemeinsam von Studienleitungen und Wissenschaftlern entwickelt worden und werde den Schulen in Schleswig-Holstein kostenlos zur Verfügung gestellt. „Wir wollen mit diesem Lehrmaterial für einen beschleunigten und  gelungenen Übergang der Schülerinnen und Schüler zu einer beruflichen Ausbildung beitragen“, so Riecke-Baulecke. Seit der Einführung würden inzwischen über 6.000 dieser Basistrainer im Unterricht der Berufsbildenden Schulen und zum Teil auch der Gemeinschaftsschulen genutzt. Bereits 100 Berufsschullehrkräfte hätten zudem das Angebot wahrgenommen, sich in einer passgenauen Fortbildung für den Einsatz des Materials zu qualifizieren. „Das Landesseminar Berufliche Bildung am IQSH erhält von den Lehrkräften sehr gute Rückmeldungen, denn für die Schülerinnen und Schüler im Übergangsbereich hat bisher fachwissenschaftlich fundiertes Material gefehlt“, so Riecke-Baulecke. Bei Interesse biete Schleswig-Holstein den anderen Bundesländern gern eine Kooperation zum Einsatz des Basistrainers an.

Dr. Arno Broux, Leiter des Landesseminars Berufliche Bildung im IQSH, und Martin Scharschmidt, Leiter Fort- und Weiterbildung des Landesseminars sowie Mitautor für den Mathematik-Baustein des Basistrainers, legten bei der Konzeption der bundesweiten Fachtagung besonderen Wert auf das Zusammenspiel von Praxis,  Wissenschaft und Lehrerbildung. So referierte Frank Neises vom Bundesinstitut für Berufliche Bildung, Bonn, über Aktuelle Herausforderungen an den Übergängen in Ausbildung und Beruf, Prof. Dr. Gabriel Nagy, Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der CAU, Kiel, informierte über Befunde zum Übergangssystem. Dr. Volker Born vom Zentralverband des Handwerks sowie Dr. Esther Hartwich von der Deutschen Industrie-und Handelskammer beantworteten die Frage, wie der Übergang von der Schule in den Beruf gelingen kann. Gute Ideen und Konzepte zur Verbesserung wurden von den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein präsentiert.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden