Gastbeitrag

Gesund geführt

Ausbilder sind nicht nur Wissensvermittler. Denn es geht auch um das Wohlbefinden der Auszubildenden – rundum. Vom Autorenteam der Initiative Stark für Ausbildung

11.02.2019 Bundesweit Artikel Bildungspraxis
  • © GaudiLab/Shutterstock

Gesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit. Sie ist „ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Das ist ein hoher Maßstab, dem Sie als Ausbilder verpflichtet sind. Ausbilder müssen auf die Rahmenbedingungen für eine gesunde Ausbildung achten.

Gesund führen – die Rolle des Ausbildungspersonals

Beim gesunden Führen geht es um Wohlbefinden auf der ganzen Linie. Fangen Sie bei sich an, denn nur was Sie selbst leben, nehmen Ihnen die Azubis auch ab. Klären Sie also zunächst Ihre eigene Rolle anhand von Fragen wie den folgenden:

  • Sind Sie – neben der normalen Arbeit – für die Ausbildung im Unternehmen zuständig, wollen die Norm hochhalten, aber auch auf die Auszubildenden eingehen?
  • Was ist Ihr eigentlicher Auftrag?
  • Und was sind Ihre zusätzlichen persönlichen Ansprüche?
  • Wollen Sie eher Trainer sein oder Wegweiser, Appetitmacher oder Anleiter?

Woran erkennen Sie eigentlich, dass Sie Ihre Arbeit des gesunden Führens gut gemacht haben?

Natürlich gehört zu Ihrer Ausbilderverantwortung auch, auf die Rahmenbedingungen für eine gesunde Ausbildung zu achten. Welche kritischen Themen wagen Sie wirklich anzusprechen, in der Besprechung mit der Ausbildungsleitung und der Geschäftsführung? Und wer soll sich trauen, wenn nicht Sie? Fragen Sie Ihre Auszubildenden zudem regelmäßig, was für sie „Wohlbefinden im Betrieb“ bedeutet – und was sie selbst dazu beitragen möchten.

Dieser Text ist eine redigierte und gekürzte Version des Wissensbausteins „Gesundes Führen“ des Fachportals „Stark für Ausbildung“. Das Portal richtet sich an das Ausbildungspersonal in kleineren und mittleren Unternehmen und wurde von Ausbildungsexperten der DIHK Bildungs-GmbH und der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk ins Leben gerufen. Dort finden sich neben umfangreichen Tipps, Hilfen und Fachinformationen zu vielen Ausbildungsthemen auch Qualifikations- und Trainingsangebote für Ausbilder.
www.stark-fuer-ausbildung.de

Achtsamkeit für gesundheitliche Auffälligkeiten

Wohlbefinden versteht sich physisch und psychisch. Sie werden dazu eine große Bandbreite an Vorstellungen von Ihren Auszubildenden hören. Vielleicht haben Sie nach einigen Jahren Betriebszugehörigkeit auch so etwas wie „blinde Flecken“ entwickelt. Andere reden von Betriebsblindheit. Gehen Sie doch einmal bewusst mit dem Blick eines Außenstehenden durch Ihre Abteilung. Fragen Sie sich:

  • Wo kann man sich hier wirklich wohl fühlen?
  • Welche Bereiche sind noch weit davon entfernt?
  • Wie nah dran sind Sie an Ihren Auszubildenden und ihrer Lebenswelt?

Machen Sie sich neben den altersspezifischen Eigenheiten auch die Vielfalt an Geschlecht und Kultur bewusst. Junge Frauen erleben Gesundheit anders als junge Männer. Gesundheitssendungen im TV werden mehr von Frauen gesehen, das Gleiche gilt für Beiträge im Internet. Der weibliche Umgang mit Krankheit ist häufiger mit Austausch und Kommunikation verbunden. Beim männlichen Geschlecht hingegen besteht weiterhin die Tendenz, die Dinge allein mit sich auszumachen, zu bagatellisieren und zu verdrängen – oder zu betäuben.

Grundsätze des gesunden Führens

Nicht alle Belastungen lassen sich abstellen. Das muss auch nicht sein. Eine Belastung kann zur Herausforderung werden – wenn es Ausbilder und den Auszubildenden gelingt, Ich-Stärke aufzubauen, Entspannungstechniken einzuüben, in der Freizeit auf körperliche Kondition zu achten. Und wenn die Belastung ausgeglichen wird durch:

  • Achtsamkeit („Mir fällt auf, du wirkst heute …“)
  • Verständnis („Ich an deiner Stelle wäre auch sauer.“)
  • Transparenz („Ab dem nächsten Quartal wird uns ein Kollege unterstützen.“)
  • Anerkennung („Großes Lob! Für diesen Monat hast du eine Prämie verdient.“)

Ein weiterer Tipp: Ausbilder können Auszubildende und Vorgesetzte für eine halbe Stunde zu sich einladen – gemeinsam und jeden Monat einmal. Hierbei können sie ungeklärte Dinge ansprechen oder Vorschläge für einen gesünderen Arbeitsplatz definieren. Zugleich sollte eine aktive, lösungsorientierte Auszubildendenvertretung im Unternehmen bestehen. Diese sorgt zusätzlich für eine stärkere Zufriedenheit und fungiert bei vertrauensvoller Zusammenarbeit und möglichen Schwierigkeiten aufseiten der Azubis als Frühwarnsystem.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: 
BILDUNGSPRAXIS – didacta Magazin für berufliche Bildung, Ausgabe 4/2018, S. 36-37, www.bildungspraxis.de


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