DQR

Hochschulreife nicht über Ausbildung einordnen

Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat auf seiner Tagung in Bonn weitere Beschlüsse zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) sowie zur Initiative der EU-Kommission zur "European Taxonomy of Skills, Competences and Occupations" (ESCO) gefasst.

16.03.2011 Pressemeldung Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

In seiner Empfehlung zur weiteren Erarbeitung des DQR betont der Hauptausschuss, ein Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) und ein darauf aufbauender DQR könnten nur dann in der Breite akzeptiert werden, wenn die bevorstehenden Aufgaben im Arbeitskreis DQR im Konsens aller relevanten Vertreter der Bildungsbereiche fortgesetzt und deren Ergebnisse bei den politischen Entscheidungen anerkannt würden. Transparenz, Durchlässigkeit und Gleichwertigkeit im deutschen Bildungssystem könnten nur dann gefördert und Vertrauen der Bildungsbereiche untereinander gestärkt werden, wenn Betriebe, Beschäftigte, Lehrende und Lernende sowie bildungspolitische Akteure als potenzielle Anwender den DQR akzeptierten und seine Vorteile erkennen würden. Diese Vorteile könnten sich nur dann entfalten, wenn Qualifikationen in den verschiedenen Bildungsbereichen nach einheitlichen Prinzipien, Kriterien und Methoden zugeordnet würden.

Der BIBB-Hauptausschuss betont erneut, dass der DQR bildungsbereichsübergreifend angelegt sein müsse und alle Niveaustufen auf unterschiedlichen Bildungswegen erreichbar sein müssten. Es gelte, die Gleichwertigkeit der Handlungskompetenzen zum Ausdruck zu bringen. Insbesondere fordert der Hauptausschuss, dass die allgemeine Hochschulreife im DQR nicht über den drei- und dreieinhalbjährigen dualen Ausbildungsberufen eingeordnet und die berufliche Bildung in Deutschland nicht unterbewertet werden dürfe.

Auf der Grundlage der Initiative "New Skills for new Jobs" www.bibb.de/goto/newskills will die EU-Kommission mit der "European Taxonomy of Skills, Competences and Occupations" (ESCO) eine "gemeinsame Sprache zwischen dem Arbeitsmarkt sowie dem Bildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungsbereich" schaffen. Die nationalen Klassifizierungssysteme für Berufe, Qualifikationen und Kompetenzen sollen dabei weiterentwickelt und miteinander verbunden werden.

Der BIBB-Hauptausschuss begrüßt in seiner Stellungnahme zu ESCO zwar grundsätzlich den Versuch, die nationalen Bildungssysteme und die Vermittlungsprozesse auf dem europäischen Arbeitsmarkt besser miteinander zu verknüpfen, unterstreicht hinsichtlich der konkreten ESCO-Ausgestaltung aber nachdrücklich die Notwendigkeit, bildungs- und beschäftigungspolitische Interessen ausgewogen zu berücksichtigen. ESCO, so der Hauptausschuss, solle nicht übereilt und kurzfristig angegangen werden.

Der BIBB-Hauptausschuss verweist auf die noch unklaren Folgen für das deutsche Berufsbildungssystem, wenn – wie bei ESCO geplant – Kompetenzen und Qualifikationen kleinteilig differenziert beschrieben und in der Konsequenz auch über Bildungsprogramme und Einzelmaßnahmen angeboten und ausgebildet würden. Er hält es aus bildungspolitischer Sicht für eine falsche Weichenstellung, wenn moderne Beruflichkeit durch ein europaweit geltendes Verständnis von "Detailqualifikationen" ersetzt würde. Der BIBB- Hauptausschuss fordert die Bundesregierung daher auf, an ESCO aktiv mitzuwirken und über die beteiligten Bundesministerien eine enge Koordinierung auf nationaler und internationaler Ebene sicherzustellen.

Der BIBB-Hauptausschuss hat die gesetzliche Aufgabe, die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Berufsbildung zu beraten. Dem Ausschuss gehören zu gleichen Teilen Vertreter und Vertreterinnen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände sowie der Bundesländer und der Bundesregierung an.

Die Beschlüsse des BIBB-Hauptausschusses zum DQR und zu ESCO im Wortlaut:
www.bibb.de/dokumente/pdf/Empfehlung_des_Hauptausschusses_zum_DQR.pdf,
www.bibb.de/dokumente/pdf/Stellungnahme_des_Hauptausschusses_zu_ESCO.pdf


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