In allen Grundschulen wird bald nach Herzenslust geforscht

In rheinland-pfälzischen Grundschulen wird es demnächst zischen, dampfen und blubbern. Die Landesregierung hat sich nämlich vorgenommen, Mädchen und Jungen noch intensiver als bislang schon an naturwissenschaftliches Denken heranzuführen. Und wie kann dies besser gelingen als mit spannenden Experimenten? Deshalb sollen alle 990 Grundschulen des Landes innerhalb eines Jahres kostenfrei mit Experimentierkästen für den Sachunterricht ausgestattet werden.

23.01.2006 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

"Wir wollen auf spannende und altersgerechte Weise das Interesse der Schülerinnen und Schüler an Naturwissenschaften wecken", sagten Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Frauen und Jugend, und Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, als sie dieses Projekt heute in Mainz der Öffentlichkeit vorstellten. Ihr ganz besonderer Dank galt dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der BASF Aktiengesellschaft, Eggert Voscherau. Das Ludwigshafener Chemie-Unternehmen hat sich bereit erklärt, die Kosten für die Experimentierkästen zu tragen. "Dieses Engagement der BASF zeugt in hohem Maße von gesellschaftlicher Verantwortung. Dafür sind wir sehr dankbar", sagten Ahnen und Zöllner.

Entwickelt hat die Experimentierkästen das Schülerlabor NaT-Lab der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Zusammenarbeit mit dem Lehrerbildungszentrum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Mit ihnen sind mehr als 30 Experimente zu den Themen Wasser, Luft und Lebensmittel möglich. Die Kästen sind so bestückt, dass die darin enthaltenen Versuche auf die laut Rahmenlehrplan vorgesehenen Lerninhalte des Sachunterrichts abgestimmt sind.

Die Experimentierkästen werden den Schulen nach entsprechenden Fortbildungsveranstaltungen für Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung gestellt. Diese rund vierstündige Fortbildung wird seitens des NaT-Labs in allen Teilen des Landes angeboten. Dabei sollen die Lehrerinnen und Lehrer die Experimente eigenständig ausprobieren, um genau zu wissen, was in den Kästen enthalten ist und zur Vertiefung welcher Lerninhalte sich die Versuche eignen.

Bildungsministerin Doris Ahnen unterstrich: "Das Ziel, bereits in der Grundschule, naturwissenschaftliches Denken und Handeln stärker zu verankern, gehört zu den zentralen Zielen, die wir bei der Weiterentwicklung der Grundschule verfolgen. Die Einführung der Vollen Halbtagsschule im Schuljahr 1998/99 hat schon die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern verstärkt, indem sie eine Rhythmisierung und stärkere Differenzierung des Unterrichts erleichterte. Mit der sukzessiven Umsetzung des Rahmenplans Grundschule seit 2002 wurde dann zudem die Unterrichtspalette inhaltlich und formal vergrößert." Nachdem seit diesem Schuljahr dann noch flächendeckend die integrierte Fremdsprachenarbeit ab der ersten Klasse in allen 990 Grundschulen umgesetzt worden sei, setze das jetzige Großprojekt noch einen deutlichen Akzent im Bereich des Sachunterrichts.

"Lernen durch selbstständiges Experimentieren ist nicht nur interessant und macht Spaß, sondern bewirkt auch, dass das Gelernte oft nachhaltiger zur Verfügung steht", sagte Doris Ahnen. Das hätten bereits erste Erfahrungen mit Experimentierkästen in einer Reihe von Grundschulen gezeigt. "Mit der flächendeckenden Bereitstellung von Experimentierkästen für alle Grundschulen im Land, die vor allem durch die Unterstützung der BASF möglich wurde, wird die Vermittlung von Naturphänomenen und naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten im Sachunterricht mit Sicherheit landesweit an Attraktivität gewinnen. Die Verbindung mit gezielten, dezentralen und ebenfalls flächendeckenden Weiterbildungsangeboten für Lehrerinnen und Lehrer ist zudem ein weiterer Baustein zur Steigerung der Qualität von Grundschulen insgesamt", betonte die Bildungsministerin.

Voscherau unterstrich die zentrale Bedeutung von Bildung für die Zukunft. "Gerne unterstützen wir dieses Projekt: Bildung ist eine wichtige Voraussetzung, damit sich Neugier, Fantasie und Kreativität entwickeln können. Nur durch Investitionen in Bildung und Wissen können wir den Nährboden schaffen, auf dem auch in Zukunft nachhaltige wirtschaftliche Erfolge wachsen. Letztlich profitieren von diesem Engagement alle Akteure: die Kinder, die Gesellschaft und auch die Wirtschaft", sagte der stellvertretender Vorstandsvorsitzende.

Wissenschaftsminister Zöllner sieht in der flächendeckenden Ausstattung aller rheinland-pfälzischen Grundschulen mit den Experimentierkästen einen weiteren Baustein für die Bemühungen der Landesregierung, Kinder und Jugendliche frühzeitig mit wissenschaftlichem Denken und Arbeiten vertraut zu machen. "Wir bemühen uns mit großem Erfolg, Kindern und Jugendlichen den Übergang von einem Bildungsabschnitt in den nächsten zu erleichtern", sagte er. Er verwies in diesem Zusammenhang auf ein bundesweit einzigartiges Gesamtpakt, das auf aufeinander aufbauenden Teilen besteht. Dazu gehören die über alle Maßen begehrten Kinder-Uni-Veranstaltungen, Schnupperkurse der Hochschulen für Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen, Ferienkurse der Hochschulen für Oberstufenschülerinnen und -schülern und die Möglichkeit des Frühstudiums für besonders begabte Schülerinnen und Schüler.

"Mit den Experimentierkästen nutzen wir den kindlichen Wissensdurst und wecken damit die Begeisterung für Naturwissenschaften", sagte der Minister. Auf diese Weise würden langfristig neue Lernanreize gesetzt, Schwellenängste abgebaut und das Bildungsangebot insgesamt bereichert. "Überspitzt formuliert tragen die Experimentierkästen dazu bei, Chemie-, Physik- und Biologie-Studierende des Jahres 2020 zu gewinnen und gleichzeitig die Zahl der Studienfachwechsler- und -abbrecher zu senken", blickte Zöllner nach vorn.

Er rief die Lehrerinnen und Lehrer der Grundschulen und die mit der Fortbildung befassten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu auf, die Schulung auch für einen kreativen Ideenaustausch zu nutzen. "Davon können beide Seiten nur profitieren", so der Minister.

Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz stellte Professor Dr. Claudia Felser vom Institut Anorganische Chemie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz den Inhalt der Experimentierkästen und den Ablauf der Schulungen vor. Schon seit fünf Jahren gibt es an der Mainzer Uni das Schülerlabor NaT-Lab. Weil die Grundschulen so eifrig die Möglichkeit nutzten, an einem Experimentiertag der Hochschule teilzunehmen, wurde die Idee geboren, die Experimente verstärkt in den Sachunterricht einzubinden.


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