Lesen und Schreiben lernen als Erwachsener

Lernpatenschaften können auch für Erwachsene ein sinnvolles Unterstützungssystem darstellen. Erfahrungen eines Trierer Projekts aus dem Alphabetisierungsbereich belegen dies.

14.08.2018 Bundesweit Pressemeldung Bildungs- und Medienzentrum Trier
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Vielerorts ist das Phänomen des funktionalen Analphabetismus weiterhin unbekannt. Viele Menschen sind, wenn sie davon lesen oder hören, verblüfft und reagieren zum Teil mit Unverständnis. Die 2011 veröffentlichte Leo-Level-One Studie der Universität Hamburg hat erstmals auch mit einer repräsentativen Untersuchung gezeigt, wie gravierend die Verbreitung dieses Phänomens in der deutschen Bevölkerung ist. 14,5 Prozent der Menschen zwischen 18 und 64 Jahren haben den Ergebnissen der Studie zufolge Probleme mit dem Lesen und Schreiben. Funktionaler Analphabetismus zeigt sich in unterschiedlichen Abstufungen, sogenannten Alpha-Leveln: Von fehlenden Buchstabenkenntnissen (Alpha-Level 1) bis hin zu Rechtschreibproblemen und fehlenden Kompetenzen für sinnerfassendes Lesen (Alpha-Level 3).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert seit 2009 bundesweit Projekte, die sich des Problems mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten annehmen. Unter anderem wird die Öffentlichkeit sensibilisiert, es werden Materialien für erwachsene Lerner weiterentwickelt, Ursachenkomplexe erforscht oder alternative Lernangebote erprobt. Lernangebote auch unterhalb der Kursebene zu initiieren und aufzubauen, das war ein Schwerpunkt in Trier: Herzstück bildete dabei ein ehrenamtliches Lernpatensystem, das in verschiedene Kontexte eingebunden wurde. So trafen und treffen sich Erwachsene mit ihren Lernpaten beispielsweise in der Stadtbibliothek zum Lernen oder in einem Stadtteilbüro. Auszubildende können während ihrer überbetrieblichen Lehrlingsausbildung (ÜLU) ein mit den Meistern abgestimmtes Zeitfenster nutzen, um mit ihren Lernpaten Lesen und Schreiben zu verbessern. Aus den Erfahrungen dieser letzten sechs Projektjahre sind verschiedene Materialien entstanden, die für die Alphabetisierungspraxis hilfreiche Impulse liefern. Themenfelder sind hier:

  1. „Arbeitswelt - Auszubildende unterstützen“. Vier Lernbausteine zeigen exemplarisch Übungsmöglichkeiten auf, wie mit Auszubildenden in einer Lernpatenschaft gearbeitet werden kann: (1) Lesen und Schreiben, (2) Angewandtes Schreiben: Berichtsheft & vom Rapport zur Rechnung, (3) Recherchieren – Organisieren – Strukturieren, (4) Lerntypen und Lerntechniken.
  2. „Lernpatenschaften als Unterstützungssystem für Erwachsene“. Neben einer Handreichung für Institutionen mit Hilfen zum Aufbau eines solchen Unterstützungssystems stehen konkrete Arbeitsmaterialien für die Lernbegleitung Erwachsener (Muttersprachler) zur Verfügung. Eine Zusatzbroschüre greift das Thema Deutsch als Fremdsprache mit einer Sammlung an Materiallinks und Tipps auf.
  3. „Bibliotheken als Lernort“. Hier erhalten Verantwortliche aus Bildungs- und Sozialeinrichtungen einen Einblick, wie Lernorte für Alphabetisierung und Grundbildung in der Kommune geschaffen werden können. Dies wird am Beispiel einer öffentlichen Stadtbibliothek (Lerntreff in der Stadtbibliothek Palais Walderdorff) illustriert. Da die Elemente eines solchen Lernorts – wie er sich am Beispiel des Lerntreffs zeigt – flexibel sind, kommen Einrichtungen wie Jugend- und Stadtteiltreffs, Mehrgenerationenhäuser oder Gemeindezentren ebenso als Lernorte für Grundbildung in Betracht wie die eher klassischen Bildungsorte Volkshochschulen, Berufsbildende Schulen oder Bildungszentren der Kammern.

Die Materialien stehen zum kostenlosen Download auf der Projekthomepage zur Verfügung.

Auch in den kommenden Jahren kann das Projektteam aus Trier durch die weitere Förderung des BMBF innovative Ansätze (weiter-)entwickeln und umsetzen. Dabei stehen Lernformate im Mittelpunkt, die Alltagsthemen als Ausgangspunkte für Lernen nutzen: z.B. Gesundheit, Finanzen oder Lesen innerhalb der Familie. Gemeinsam mit verschiedenen lokalen Kooperationspartnern werden diese Lernangebote entwickelt und umgesetzt.

Ansprechpartner

Bildungs- und Medienzentrum Trier
Projekt APAG
Domfreihof 1 a
54290 Trier
E-Mail: apag@trier.de


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