Mehr Ausbildungsplätze – aber immer mehr Jugendliche gehen leer aus

"Es hat keinen Sinn, dass sich Wirtschaft und Politik beim Bündnis für Ausbildung Jahr für Jahr gegenseitig auf die Schultern klopfen, während die Zahl der Jugendlichen in Schleswig-Holstein ohne Ausbildungsplatz ständig wächst. Wegen der hohen Zahl von so genannten Altbewerbern bedeutet der Schulabschluss für immer mehr Haupt- und Realschüler nicht den Einstieg in den Beruf, sondern die Zugangsberechtigung für irgendwelche Warteschleifen", sagte Jan Nissen, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zur heutigen Unterzeichnung des Bündnisses für Ausbildung. Er forderte für die Jugendlichen ein Recht auf Ausbildung. Wenn das duale Berufsbildungssystem nicht genügend Plätze bereitstelle, müsse die voll qualifizierende Ausbildung mit Kammerabschluss in beruflichen Schulen ausgeweitet werden.

14.06.2007 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

Wie dramatisch die Situation für die Jugendlichen ist, belegte Jan Nissen mit Zahlen. Gegenüber dem vergangenen Jahr sei die Zahl der Ausbildungsplätze zwar um 6,9 Prozent gestiegen, doch habe sich die Zahl der Schulabgänger um 8,9 Prozent erhöht. 1305 neuen Ausbildungsverträgen stünde eine um 1636 gestiegene Zahl von Ausbildungsplatzsuchenden gegenüber. "Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage klafft also immer weiter auseinander. Außerdem suchen noch 10700 Jugendliche einen Ausbildungsplatz, die in den vergangenen Jahren leer ausgegangen sind", berichtete der stellvertretende GEW-Landesvorsitzende.

Er wies auch auf eine um sich greifende Variante von Warteschleifen hin, die die Ratlosigkeit und Verzweiflung von Jugendlichen und ihren Eltern verdeutlicht: Eine wachsende Zahl von Jugendlichen verlängerten unnötigerweise durch Widerholung der letzten Klasse ihre Schullaufbahn, obwohl sie eigentlich mühelos ihren Schulabschluss schaffen würden. Auf diese Art und Weise erhofften sie sich ein Jahr später mit besseren Noten größere Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

Ansprechpartner

GEW Schleswig-Holstein

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