Schulentwicklungsplan

Mehr Praxisorientierung in den beruflichen Bildungsgängen, Stärkung der Beruflichen Schulen und OSZ

Berlin stärkt seine beruflichen Schulen und die duale Ausbildung. Diesem Ziel verpflichtet sich die von Bildungssenatorin Sandra Scheeres eingesetzte Projektgruppe zur Weiterentwicklung und Stärkung der beruflichen Schulen und OSZ, die die Einführung zweier neuer Berufsfachschulangebote vorschlägt sowie Eckpunkte für einen Schulentwicklungsplan benennt.

10.03.2016 Berlin Pressemeldung Pressestelle Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft (bis 11/16)
  • © pixabay.com

Dieser soll die infolge unterschiedlicher Arbeitsmarktentwicklungen entstandenen Disparitäten zwischen den Schulen aufgreifen und dementsprechend Vorschläge für eine zukunftsfähige Standort- und Angebotsentwicklung unterbreiten.

Sandra Scheeres: "Der Ergebnisbericht analysiert die Situation der schulischen beruflichen Bildung in Berlin insbesondere aus Sicht der Jugendlichen. Ziel ist, die Jugendlichen schneller in betriebliche Ausbildungsangebote zu vermitteln. Die neuen Berufsfachschulmodelle sind durch umfangreiche Praxislernzeiten in Betrieben darauf ausgelegt, schon im Laufe des ersten Ausbildungsjahres jederzeit unmittelbare Übergänge auf duale Ausbildungsplätze zu befördern. Sie schaffen damit mehr Ausbildungsbereitschaft und schließlich mehr Ausbildungsplätze in Betrieben. Dadurch könnten zugleich die vollschulischen Angebotsbildungsgänge ersetzt werden, die infolge hoher Abbruchquoten und geringer Anschlussquoten nicht produktiv sind."

Berlin hat ein vielfältiges Angebot an vollqualifizierenden schulischen Berufsbildungsmaßnahmen. Um die gleichwohl hohe Jugendarbeitslosigkeit zu senken und die Ausbildungsbetriebsquote zu erhöhen, hat der Berliner Senat das Landeskonzept Berufs- und Studienorientierung verabschiedet. Parallel dazu hat Berlin damit begonnen, eine Jugendberufsagentur aufzubauen. Vor diesem Hintergrund war im Januar 2015 das Projekt Weiterentwicklung und Stärkung der beruflichen Schulen und OSZ eingesetzt worden. Die Projektgruppe war mit den Fragen gestartet, ob Struktur und Angebote der Bildungsgänge noch die richtige Passung für die gesellschaftlichen Anforderungen, den Berliner Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt haben. Dabei wurde deutlich, dass die meisten Absolventen einer vollqualifizierenden Berufsfachschule nach deren Abschluss erneut eine Ausbildung absolvieren, dann allerdings eine duale Ausbildung. Da gleichwohl beruflich entschiedene und ausbildungsfähige Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden, hat die Projektgruppe den Vorschlag entwickelt, praxisbezogene schulische Bildungsangebote zu schaffen, deren vorrangiges Ziel darin besteht, möglichst schnell einen Übergang in die reguläre duale Ausbildung zu gestalten.

Andere Empfehlungen betreffen die Weiterentwicklung der Eigenverantwortung der berufsbildenden Schulen, das Qualitätsmanagement an den Oberstufenzentren und in diesem Zusammenhang die Regelung von mehr Verbindlichkeit in der sogenannten Lernortkooperation, der Kooperation zwischen den Oberstufenzentren und den Ausbildungsbetrieben sowie die Einführung des 11. Pflichtschuljahres. Die Implementierung der neuen und erweiterten Berufs- und Studienorientierung durch besondere Begleitung von sechs BSO-Teams (Berufsorientierungs-Teams) in den vier Startbezirke der Jugendberufsagentur und den sich daraus ergebenden Good practice Beispielen war ein weiterer Baustein für Empfehlungen für die landesweite BSO-Arbeit.

Sandra Scheeres: "Mein Ziel ist, das hohe Eintrittsalter in die betriebliche Ausbildung von über 21 Jahren signifikant zu senken und unnötige Warteschleifen in der vollschulischen Ausbildung abzubauen. Die Projektgruppe hat diese Bildungsgänge einer besonders kritischen Betrachtung unterzogen. Unter dem Leitgedanken ´Keine und keiner darf verloren gehen` hat die Projektgruppe insbesondere die Weiterentwicklung des Übergangssystems in den Fokus genommen. Bessere und zielgerichtete Übergänge von der Schule in den Beruf werden eine Veränderung der Schülerströme mit entsprechenden Auswirkungen auf die Strukturen der beruflichen Schulen und OSZ zur Folge haben. Dementsprechend wurden Ziele für die Schulentwicklung formuliert. Der Vorschlag zur Einführung des 11. Pflichtschuljahres hätte die positive Folge, dass die Absolventinnen und Absolventen nach der 10. Klasse ein verbindliches Bildungsangebot wahrnehmen müssen und damit sichergestellt wird, dass keine bzw. keiner verloren geht. Dies muss nun weiter diskutiert werden."

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin: "Es ist eine gute Nachricht, dass die Reform der Oberstufenzentren voran geht und die Senatorin die Wirtschaft als dualer Ausbildungspartner umfassend in diesen Prozess einbinden will. Wir unterstützen den Vorschlag, vollschulische Bildungsgänge konsequent zurückzufahren und die schulische Ausbildung qualitativ weiterzuentwickeln. Darüber hinaus werden wir auch die Themen auf den Tisch legen, die für Ausbildungsbetriebe über den Ergebnisbericht hinaus mindestens ebenso wichtig sind, wie z.B. der enorme Fachlehrermangel, der hohe Anteil an fachfremdem Unterricht sowie bessere Strukturen für die Zusammenarbeit von Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen. Das wird die duale Ausbildung im Land Berlin stärken."

Alexander Schirp, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB): "Es ist gut, dass der Senat in die Reform der Berliner Oberstufenzentren einsteigt. Für uns gilt grundsätzlich, dass betriebliche Ausbildung Vorrang vor schulischer Ausbildung haben muss. Schulische Ausbildung ist nur sinnvoll, wenn damit die Chancen der jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt steigen. Gerne unterstützen wir den weiteren Reformprozess. Dabei muss die Ausstattung der Berufsschulen im Fokus stehen. Wir brauchen mehr und besser qualifizierte Lehrer sowie einen stärkeren Praxisbezug im Unterricht. Bei der Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt müssen die Oberstufenzentren eine wichtige Rolle einnehmen."

Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin: "Das Berliner Handwerk gehört seit vielen Jahren zu den ausbildungsstärksten Wirtschaftsbereichen. So konnte im vergangenen Jahr mit einem Plus von 8.7 Prozent ein deutlicher Zuwachs an neuen betrieblichen Ausbildungsverträgen verzeichnet werden. In vielen Berufen sind die qualitativen Anforderungen an Betrieb und Berufsschule in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Zur Sicherung einer zukunftsfähigen Erstausbildung ist eine leistungsfähige Berufsschule als Partner im dualen System unabdingbar. Aus diesem Grund hat das Handwerk in den vergangenen Jahren immer wieder notwendige Reformen angemahnt. Mit dem vorgelegten Papier wurde ein erster wichtiger Schritt eingeleitet, dem weitere, über die bisherigen Vorschläge hinausgehend, folgen müssen. Richtig ist deshalb die Zusage, dass die Wirtschaft künftig als Partner in die zentrale Steuerung umfassend einbezogen werden soll. Deshalb begrüßen wir, dass das Thema berufliche Bildung einen hohen Stellenwert bekommt. Die vorgeschlagene Einrichtung eines übergreifenden Steuerungskreises bereits im ersten Halbjahr 2016, in dem das Handwerk mit eigener Stimme vertreten ist, geht in die richtige Richtung. Themen wie die adäquate personelle und sachliche Ausstattung gehören hier genauso auf die Tagesordnung wie die Frage der am Bedarf der Wirtschaft ausgerichteten Bildungsangebote. Das im Bericht der SenBJW festgestellte Primat der dualen Ausbildung vor schulischen Ersatzangeboten gehört insofern zu den wichtigen Feststellungen des vorgelegten Papiers."

DGB-Bezirksvorsitzende Doro Zinke: "Der DGB fordert die Arbeitgeber auf, bei der Einstellung von Auszubildenden nicht ausschließlich auf Schulnoten zu achten. Soft skills und soziales Engagement sind auch eine Grundlage für beruflichen Erfolg. Bei allem anderen kann ausbildungsbegleitend öffentlich finanzierte Hilfe in Anspruch genommen werden. Die Reform der Oberstufenzentren passt in diesen Zusammenhang. Wichtig ist jedoch, nicht nur die Struktur der beruflichen Schulen im Blick zu haben, sondern auch die Personalausstattung und -rekrutierung."

Jutta Cordt, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit: "Die Stärkung der dualen Ausbildung ist sinnvoll, daher unterstützen wir den Reformprozess. Es wirkt sich positiv auf die Erwerbsbiografien der jungen Menschen aus, die Übergänge zwischen Schule und Beruf effizienter zu gestalten und Schleifen zu vermeiden." Insgesamt werden Vorschläge für eine umfangreiche Reform der schulischen beruflichen Bildung in Berlin gemacht. Damit diese wichtige Reform gelingt, werden die bedeutenden Einrichtungen, die in Berlin Verantwortung für die berufliche Bildung insgesamt tragen, in diesen Reformprozess eingebunden: Dafür soll eine Steuerungsgruppe "Reform der schulischen beruflichen Bildung" eingerichtet werden, in der die Kammern IHK und HWK, die Verbände DGB und UVB sowie die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen und die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit mitwirken. Die Steuerungsgruppe wird unter anderem entscheiden, in welchen Berufen und in welcher Größenordnung Ausbildungsplätze im vorgeschlagenen Berliner Berufsausbildungsmodell (BBA) angeboten werden sollen.

Die ersten Bausteine des Reformprojekts sollen bereits zum Schuljahr 17/18 starten.

Der Abschlussbericht ist unter folgendem Link abrufbar: www.berlin.de/sen/bildung/bildungspolitik/


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden