Stellungnahme der Kultusministerkonferenz zu den Ergebnissen der Studie "Deutsch Englisch Schülerleistungen International" (DESI)

03.03.2006 Pressemeldung Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder

1. Anlage der DESI-Studie

Mit der Studie "Deutsch Englisch Schülerleistungen International" (DESI) setzt die Kultusministerkonferenz – ergänzend zu den internationalen Vergleichen – den Weg einer systematischen empirischen Überprüfung der Wirksamkeit von Schulen fort.

DESI untersucht die sprachlichen Leistungen und die Unterrichtswirklichkeit in den Fächern Deutsch und Englisch. Die Untersuchung wurde im Jahr 2001 von der Kultusministerkonferenz nach den Ergebnissen von TIMSS – also schon vor PISA – in Auftrag gegeben. Während TIMSS, PISA und IGLU mit inter­nationalen Tests und Fragebogen arbeiten, handelt es sich bei DESI erstmals um eine Studie in deutscher Eigenregie. Die Testentwicklung für DESI stützte sich auf detaillierte Lehrplananalysen in den Fächern Deutsch und Englisch für alle Länder und Schularten. Die Studie ist in der Art der Anforderungen und im Anspruchsniveau besonders eng auf die curricularen Anforderungen und die schulpolitischen Fragestellungen in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland abgestimmt.

Unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) wurden von einem Konsortium von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dafür neue Testverfahren entwickelt. Etwa 11.000 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe aller Schularten wurden zu Beginn und am Ende des Schuljahres 2003/04 getestet; hinzu kamen Befragungen von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften und Schulleitungen sowie Videoaufnahmen im Englischunterricht. Als bundesweit repräsentative Untersuchung und durch ihre breit gefächerte Anlage ermöglicht die Studie differenzierte Aussagen über Lehr-Lern-Prozesse und den Erwerb sprachlicher Kompetenzen, die für Unterrichtspraxis, Lehrerbildung und Bildungspolitik gleichermaßen wichtig sind.

DESI hat für das Fach Deutsch (Lesekompetenz, Aspekte der Schreibkompetenz, Bewusstheit für grammatische und stilistische Phänomene, Rechtschreibung, Wortschatz und Verständnis für Argumentationsmuster) und für das Fach Englisch (mündliche Sprechfähigkeit, Hörverstehen, Leseverstehen, kreatives Schreiben, Aspekte der Sprachbewusstheit, interkulturelle Kompetenz und die Fähigkeit zur Rekonstruktion von Texten) eine Reihe von unterschiedlichen Kompetenzen beschrieben.

2. Zentrale Ergebnisse und Befunde

Sprachkompetenzen im Englischen

Die gemessene Sprechfähigkeit im Englischen kann unmittelbar auf den Europäischen Referenzrahmen und die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz bezogen werden: Zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreichen am Ende der 9. Jahrgangsstufe das Niveau A2 des Europäischen Referenzrahmens, das die Kultusministerkonferenz als Erwartungshorizont für den Hauptschulabschluss benannt hat, und können sich in einfachen Wendungen und Sätzen im Alltag verständlich machen. Ein Drittel erreicht schon das Niveau B1, das für den mittleren Schulabschluss am Ende der 10. Jahrgangsstufe angestrebt wird. Neun Prozent können sich bereits in der 9. Jahrgangsstufe auf einem hohen sprachlichen Niveau (B2 im Europäischen Referenzrahmen und höher) verständlich machen, wie es eigentlich erst in der gymnasialen Oberstufe erwartet wird.

Ganz ähnliche Befunde ergeben sich im Hörverstehen: Zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler in Deutschland können konkrete Einzelinformationen aus Zusammenhängen alltäglicher Kommunikation verstehen und beim Hören verknüpfen, wenn die entsprechenden Informationen langsam und deutlich gesprochen werden. Ein Drittel ist darüber hinaus in der Lage, sich abstraktere Informationen zu erschließen. Sieben Prozent können auch komplexe sprachliche Informationen verstehen, die in normaler Sprechgeschwindigkeit vorgetragen werden.

Beim schriftlichen Sprachgebrauch im Englischen können zwei Drittel mit gebräuchlichen grammatischen Strukturen und häufigen Worten der Alltagssprache umgehen, während 15 Prozent sogar komplexe Texte zu ungewohnten Themen erschließen können.

DESI zeigt insgesamt, dass im Englischunterricht

  • die Kompetenzen einer sehr starken Leistungsspitze von 10 bis 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler vor allem in den Gymnasien weit über das Anforderungsniveau der Lehrpläne hinausragen.
  • vor allem in Hauptschulen, in Integrierten Gesamtschulen und Schulen mit mehreren Bildungsgängen große Defizite bestehen, da nur etwa ein Drittel der Schülerinnen und Schüler das gesetzte Regelziel des Europäischen Referenzrahmens erreicht.

Sprachkompetenzen im Deutschen

Im Deutschen sind etwa zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler am Ende der 9. Jahrgangsstufe in der Lage, einen Brief inhaltlich so zu gestalten, dass sie sich problemlos mit ihrem Anliegen verständlich machen können. 13 Prozent der Schülerinnen und Schüler schreiben sogar stilsicher, abwechslungsreich in der Wortwahl und mit einem konsequenten logischen Aufbau. Aber etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler im Bildungsgang der Hauptschule und in der Integrierten Gesamtschulen verfasst Brieftexte, die dem Adressaten und der Situation nicht gerecht werden, und kann einfache grammatische Fehler nicht sicher erkennen. Bei der Lesekompetenz konzentriert sich DESI auf das Verständnis für literarische Texte und Sachtexte des Deutschunterrichts. Nahezu alle Schülerinnen und Schüler erreichen das unterste Niveau und können sinntragende Elemente identifizieren. Ein Drittel ist in der Lage, zielgerichtet zu lesen und Lücken in der Information selbstständig zu schließen. Jeder Sechste kann mit großer Sicherheit übergeordnete Textstrukturen erkennen und mit dem eigenen Wissen verknüpfen.

Kompetenzentwicklung im Verlauf der 9. Jahrgangsstufe

Die Kompetenzzuwächse beim zweiten Messzeitpunkt von DESI sind vor allem im Englischen, aber auch bei der Sprachbewusstheit im Deutschen sehr beachtlich: Die Hörverstehensleistungen im Englischen steigen auf der DESI-Skala, die analog zu der PISA-Leistungsskala einen Mittelwert von 500 aufweist, im Laufe des Schuljahres um 27 Punkte. Ähnlich groß ist der Leistungszuwachs beim Umgang mit englischsprachigen Texten.

Im Deutschen erhöht sich die Fähigkeit zum Umgang mit Grammatik und Sprachstil im Verlauf der 9. Jahrgangsstufe mit durchschnittlich 35 Punkten sehr deutlich. Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass das Verständnis für sprachliche Phänomene auch und gerade in der 9. Jahrgangsstufe deutlich gesteigert wird. In der Hauptschule, Integrierten Gesamtschulen und im Bildungsgang, der zum Mittleren Schulabschluss führt, wird das Bewusstsein für grammatische Fehler verbessert, während im Gymnasium grammatische und sprachliche Phänomene auch unter Nutzung von Fachbegriffen analysiert werden können.

Die Lesekompetenz steigt hingegen im Verlauf der 9. Jahrgangsstufe nicht messbar an. Beim Schreiben verbessert sich die inhaltliche Qualität der verfassten Briefe im Verlauf des Schuljahres nur geringfügig.

Berücksichtigt man die persönlichen und familiären Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler, so lässt sich festhalten, dass der Deutschunterricht in allen Bildungsgängen gleich wirksam ist und die Leistungsunterschiede zwischen den Bildungsgängen im Verlauf des Schuljahres nicht verstärkt werden. Das gilt nicht in gleichem Maße für den Englischunterricht, hier erreichen die Schülerinnen und Schüler an Gymnasien einen besonders großen Kompetenzzuwachs.

Neue Befunde zu Geschlechtsunterschieden

Mädchen sind bei sprachbezogenen Kompetenzen den Jungen schon in der Grundschule überlegen; in der 9. Jahrgangsstufe beträgt dieser Leistungsvorsprung in Deutsch 41 Punkte und in Englisch 31 Punkte auf der DESI-Skala. Der Unterschied fällt für das Fach Deutsch bei DESI größer aus als beim PISA-Lesetest, weil DESI mit der Schreibaufgabe und mit dem Rechtschreibtest auch produktive Sprachkompetenzen erfasst hat. Interessanterweise ist der Leistungsvorsprung der Mädchen bei der Textproduktion mit über 50 Punkten deutlich höher als etwa im Lesen und in der Sprachbewusstheit.

Der Test zum Sprechen zeigt den erwarteten Leistungsvorsprung der Mädchen jedoch nur im Teilaspekt "Wortschatz", während bei Aussprache und Sprechflüssigkeit die Jungen einen Vorsprung besitzen. Dass Jungen – entgegen dem Trend bei anderen sprachlichen Kompetenzen – in der mündlichen Sprachproduktion den Leistungsrückstand gegenüber Mädchen umkehren, ist ein neues Ergebnis der DESI-Studie.

Neue Erkenntnisse zum Lernerfolg von Schülern mit nicht-deutscher Muttersprache Die DESI-Studie vergleicht systematisch die Kompetenzen und Leistungszuwächse in drei Schülergruppen: Jugendliche mit nicht-deutscher Erstsprache haben im Fach Deutsch einen Leistungsrückstand gegenüber Jugendlichen, in deren Elternhaus deutsch gesprochen wird. Die Gruppe der mehrsprachig aufgewachsenen Jugendlichen – in deren Elternhaus also Deutsch zusammen mit einer anderen Sprache gebraucht wurde – liegt kaum hinter den Deutschsprachigen zurück.

Berücksichtigt man die sonstigen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler, so kann für das Rechtschreiben nicht mehr von einem Leistungsrückstand der Jugendlichen mit nicht-deutscher Erstsprache gesprochen werden; die mehrsprachig aufgewachsenen sind sogar für orthographische Phänomene besonders sensibilisiert. Deutlich ist der Kompetenzrückstand hingegen beim Wortschatz.

DESI konnte erstmals für Deutschland repräsentativ feststellen, wie sich das Aufwachsen mit nicht-deutscher Erstsprache auf den Erwerb von Fremdsprachen auswirkt. Schülern, die bereits Deutsch als zweite bzw. fremde Sprache erworben haben, fällt das Erlernen der Fremdsprache Englisch vergleichsweise leichter. Das Aufwachsen in einer mehrsprachigen Familie ist unter sonst gleichen Lernbedingungen im Englischen mit einem Leistungsvorsprung verbunden, der den Gewinn mindestens eines halben Schuljahres ausmacht. Auch Schülerinnen und Schüler, die aus Migrationsfamilien mit ausschließlich nicht-deutschem Sprachhintergrund stammen, zeigen im Englischunterricht vergleichsweise gute Leistungen.

Neue Ergebnisse zum sozialen und familiären Hintergrund

Der Einfluss des sozialen Hintergrunds wurde in DESI differenziert untersucht und mit den aktuellen PISA 2003-Befunden verglichen. Es zeigt sich, dass die Effekte des sozioökonomischen Status (gemessen am Ansehen der elterlichen Berufstätigkeit) in Deutsch, Englisch und Mathematik ähnlich stark sind. Wichtiger als in der Mathematik ist aber beim Erwerb sprachlicher Kompetenzen der kulturelle Hintergrund der Familie (z.B. Anzahl der Bücher, anspruchsvollere Literatur und Schallplatten/CDs mit klassischer Musik).

Berücksichtigt man den sozioökonomischen Status, den kulturellen Hintergrund und die sprachförderlichen Bedingungen im Elternhaus gleichzeitig, überwiegt für Deutsch der Einfluss der kulturellen Ressourcen, für Englisch hingegen der Effekt von sprachförderlichen Bedingungen, wie z.B. sprachbezogene Kenntnisse in der Familie.

Darüber hinaus erzielen Schulen, deren Leiter über eine enge Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule berichten, stärkere Leistungszuwächse als andere Schulen, und zwar unabhängig von der Schulart und der Schichtzugehörigkeit der Eltern.

Merkmale von erfolgreichem Unterricht in Deutsch und Englisch

DESI kann systematische Bedingungen für erfolgreichen Unterricht aufzeigen. Folgende Aussagen gelten unabhängig von der Schulart: In Deutsch wie in Englisch kommt es auf die Anforderungen an, die Lehrkräfte an ihre Schülerinnen und Schüler stellen. Wo sprachliche Kompetenzen, wie z.B. korrektes Sprechen und Schreiben besonders wichtig genommen werden, ist der Kompetenzzuwachs höher. Im Englischunterricht zahlt sich die Betonung von Korrektheit und Flüssigkeit des sprachlichen Ausdrucks gleichermaßen aus.

Der Kompetenzzuwachs auf Schulebene ist auch höher, wenn das Lehrerkollegium insgesamt die sprachlichen Ziele wichtig nimmt. Lehrkräfte, die sich fachdidaktisch engagieren und Kontakte mit dem englischsprachigen Ausland pflegen, können ihre Schüler für das Fach Englisch besser motivieren.

Wird die Gestaltung des Unterrichts in sinnvoller Weise an den Lernvoraussetzungen der Schüler ausgerichtet, z.B. wenn in Klassen mit vergleichsweise niedrigem Leistungsstand mit vielfältigeren Methoden gearbeitet und die sprachliche Basisfähigkeit dort verstärkt trainiert wird, zeigen sich positive Effekte.

Als Ergebnis der repräsentativen Videostudie in 105 Klassen können konkrete Erfolgsbedingungen für das Unterrichtsgespräch benannt werden: Das Hörverstehen wird besonders stark gefördert, wenn konsequent Englisch gesprochen wird, Schülerinnen und Schüler einen hohen Sprechanteil haben, Lehrkräfte nach einer Frage geduldiger auf Schülerantworten warten und Schülerinnen und Schülern Gelegenheit gegeben wird, ihre Fehler selbst zu korrigieren.

Die Klassengröße ist für die Förderung des Hörverständnisses – anders als für mathematische Lernziele – durchaus relevant.

Schulqualität und Kompetenzentwicklung

An Schulen,

  • die bessere Leistungen erzielen als auf der Basis ihrer Rahmenbedingungen (Schulart, soziale Herkunft der Schüler usw.) zu erwarten war, haben die Fachkollegien klarere und höhere Leistungserwartungen. Beispielsweise berichten die Lehrkräfte dieser Schulen verstärkt, dass sie bei Übernahme einer neuen Klasse oder eines neuen Kurses auf soliden Vorkenntnissen aufbauen können.
  • die hinter den zu erwartenden Leistungen zurückbleiben, lässt sich beobachten, dass Schulen offenbar mit pädagogischen Aktivitäten auf unzureichende Lernergebnisse reagieren wie z.B. Regelungen zum Umgang mit Fehlverhalten, die vom Kollegium konsequent umgesetzt werden, und eine verstärkte Kooperation der Lehrkräfte.

Ein Erfolgsmodell für die Förderung sprachlicher Kompetenzen sind die von DESI untersuchten bilingualen Angebote (repräsentative länderübergreifende Stichprobe von 38 Klassen), die ab der 7. Jahrgangsstufe zumindest in einem Sachfach (z.B. Geografie, Geschichte, Biologie) Englisch als Unterrichtssprache verwenden. Solche zusätzlichen Lerngelegenheiten wirken sich auf die Englischleistungen dieser Schülerinnen und Schüler in besonders positiver Weise aus.

Bewertung der Ergebnisse und Konsequenzen aus der Sicht der KMK Die Länder sehen sich durch die Studie in zentralen Bereichen der laufenden Bildungsreformen bestätigt. Entsprechend den Handlungsfeldern, auf die sich die Länder im Anschluss an PISA geeinigt haben, gehören hierzu Maßnahmen zur Verbesserung der Sprachkompetenz im vorschulischen Bereich und zur Verbesserung der Leseförderung in der Grundschule, die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Qualitätssicherung durch Standards und eine weitere Professionalisierung der Lehrkräfte. Hinzu kommt die Förderung des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule.

Konsequenzen für die Schul- und Unterrichtsentwicklung:

Die differenzierten Erkenntnisse zu Qualitätsmerkmalen des Deutsch- und Englischunterrichts sollen in die pädagogische Arbeit der Schulen, in die Lehrerbildung und in die Lehrplanarbeit einfließen.

Die DESI-Studie belegt, dass Schulentwicklung bei der Klärung zentraler fachlicher Ziele ansetzen muss: Wo Lehrkräfte und Lehrerkollegien klare, anspruchsvolle Ziele für die Förderung sprachlicher Kompetenzen setzen, zeichnet sich ein stärkerer Lernzuwachs ab. Hierzu kann z.B. die Implementation der länderübergreifenden Bildungsstandards beitragen.

Der Englischunterricht in Haupt- und in Integrierten Gesamtschulen zeigt derzeit unbefriedigende Ergebnisse. Hier muss die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte gezielt verbessert werden. Die Fachdidaktiken müssen sich stärker als in der Vergangenheit mit dem Fremdsprachenunterricht in diesen Bildungsgängen befassen. Auslandsaufenthalte und enge Kontakte zu anderen Ländern sollten schon in der Erstausbildung der Lehrkräfte angebahnt und gefördert werden.

Das Modell des bilingualen Sachfachunterrichts hat sich eindeutig bewährt. Die Länder werden sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemühen, diese Form der Sprachförderung auszubauen.

Konsequenzen für die individuelle Förderung:

DESI weist nachdrücklich darauf hin, dass Zuwanderung und die damit verbundene Mehrsprachigkeit von Familien als Ressource anerkannt werden muss, und zwar insbesondere beim Erwerb von Fremdsprachen. Gleichwohl bleibt es eine Aufgabe, Schülerinnen und Schüler mit einer anderen Erstsprache gezielt im Deutschen zu fördern. DESI zeigt, dass auch in der Sekundarstufe I noch gezielte Maßnahmen, etwa zur Festigung und Erweiterung des Wortschatzes nötig sind.

Im Interesse gleicher Chancen für Mädchen und Jungen müssen die Bemühungen zur Stärkung der Sprachkompetenz von Jungen vorangetrieben werden. DESI zeigt, dass hierbei vor allem das Schreiben von Texten im Vordergrund stehen muss. Ermutigend ist in diesem Zusammenhang, dass Jungen im mündlichen Sprachgebrauch im Englischen vergleichsweise gute Leistungen zeigen.

Einbindung der Eltern:

DESI macht deutlich, dass Eltern Verantwortung für den Lernerfolg tragen. Nicht nur der soziale Status, sondern die eigene Sprachpraxis im Elternhaus und nicht zuletzt der Kontakt, den Eltern zur Schule halten, sind für den Lernerfolg der Jugendlichen wichtig. Schule braucht die Unterstützung des Elternhauses im Sinne einer Lernpartnerschaft.

Nutzen für weitere wissenschaftliche Vorhaben:

Ein nicht zu unterschätzender Ertrag von DESI liegt im Aufbau der wissenschaftlichen Kompetenz, um große Leistungsstudien auch in Deutschland durchführen zu können. Die bei DESI gelegten wissenschaftlichen Grundlagen werden sowohl für die weiteren Arbeiten zur Normierung der Bildungsstandards als auch im europäischen Raum genutzt werden können. Aus den wissenschaftlichen Erfahrungen der DESI-Studie lässt sich ableiten, dass bei der Normierung der Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz auf die Erarbeitung differenzierter Kompetenzmodelle auch im unteren Leistungsbereich besonderer Wert gelegt werden muss.

Hinweis:

Die Ergebnisse der Studie sind unter www.desi.de abrufbar.


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