Studie "Jugend in Brandenburg" 2005

Jugendminister Holger Rupprecht stellte heute mit dem Leiter des Instituts für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam, Herrn Prof. Dr. Dietmar Sturzbecher, neueste Zahlen aus der Studie "Jugend in Brandenburg" 2005 vor. ([Studie in der Anlage](http://bildungsklick.de/datei.html?fileMetaDataId=23271))

11.01.2006 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Jugendminister Holger Rupprecht sagte in seiner Bewertung der Studienergebnisse: "Wir sind das einzige Bundesland sind, das sich für eine im Jahr 1991 begonnenen Langzeitstudie zur Entwicklung von Jugendlichen entschieden hat. Das erlaubt einen Entwicklungsprozess zu beobachten, der äußerst aufschlussreich für das politische Handeln ist.

Ich bin mit den ersten Befunden der neuen Studie sehr zufrieden. Es bestätigt sich die bereits seit längerem im Trend beobachtete positive Entwicklungen bei unseren brandenburgischen Jugendlichen auf breiter Front. Für mich bedeutet das einen ganz klaren Beweis, dass wir uns auf unsere Jugendlichen verlassen können, wir können ihnen vertrauen. Unsere Kinder und Jugendlichen sind uns viel wert, die Jugendlichen erkennen diese Bemühungen durchaus an. So interpretiere ich wichtige Befunde. Die gut ausgebaute Kindertagesbetreuung, die staatliche Unterstützung in der Jugendarbeit, die Prioritätensetzung einer chancengerechten, wohnortnahen Schulstruktur, das Bemühen um soziale Gerechtigkeit im Bildungssystem, das eingelöste Versprechen, jedem Schulabgänger eine Lehrstelle anzubieten, die gesellschaftliche Ächtung des Rechtsextremismus durch das Tolerante Brandenburg aber auch Initiativen zur Stärkung des Heimatgefühls machen aus meiner Sicht den Jugendlichen deutlich: Wir brauchen euch und wir vertrauen euch. Mit unserer Unterstützung ihres Engagements finden wir einen sehr positiven Widerhall.

Die Wertorientierungen und Zukunftserwartungen, Meinungen und Einstellungen, Hoffnungen, Selbstvertrauen aber auch Ängsten der hier lebenden brandenburgischen Jugendlichen werden auch weiterhin zentrales Interesse meiner Politik sein. All diese Kategorien sind weit hinein in unsere Zukunft von Bedeutung, unabhängig von der Anzahl der Jugendlichen, auf die sie zutreffen.

Angesichts der Befunde dieser Langzeitstudie über die brandenburgischen Jugendlichen, sehe ich eines auch sehr skeptisch: Ich spreche von der gebetsmühlenhaft vorgetragenen Bewertung unserer Jugend, sie sei immer gewaltbereiter, fremdenfeindlicher, bequemer, leistungsscheu, verrohe, oder verfolge nur ihre eigenen Interessen. Es sollte das gemeinsame Interesse aller politisch Handelnden sein, durch mehr Sachlichkeit und auch mehr Vertrauen, mehr Zuversicht und mehr Stolz auf unsere Jugendlichen in die Öffentlichkeit zu gehen.

Und denen, die wirklich einer besonderen Zuwendung oder auch Disziplinierung bedürfen, werden wir noch gezielter helfen. Der großen Mehrheit der Jugendlichen jedoch müssen wir das Gefühl vermitteln, dass sie einen richtigen Weg gehen, auf dem sie von den Erwachsenen solidarisch begleitet und von ihnen auch ernst genommen werden. Das heißt unter anderem auch, dass wir die Beteiligung von jungen Menschen an Entscheidungen, die ihre Belange berühren, weiter verbessern werden.

Wir haben gehört: der Trend zu mehr sozialem Engagement hat sich fortgesetzt! Die weiter gestiegene Bedeutung des Wertes: "Für andere da sein - auch wenn ich auf etwas verzichten muss", ist eine ebenso deutlich prosoziale Orientierung wie die gestiegene Leistungsbereitschaft. Auch "Eine Familie gründen" wird den jungen Menschen als Lebensziel zunehmend wichtiger. Werte, die in hervorragender Weise bestätigen, wie wichtig es ist, dass die Landesregierung mit dem jetzt beschlossenen Programm zu mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit die Jugendlichen auch dabei unterstützen werden, diese Ziele Realität werden zu lassen.

Auf dem richtigen Weg sind wir auch, was die Bereiche Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit anbetrifft. Im Betrachtungszeitraum 1999 bis 2005 haben wir einen rückläufigen Trend rechtsextremer Orientierungen bei Jugendlichen in Brandenburg. Insbesondere ist ein Anstieg der Jugendlichen festzustellen, die rechtsextreme Aussagen strikt ablehnen und die absolute Mehrheit von 52 % ausmachen. Für brandenburgische Verhältnissee Brandenburg ist das eine im Trend verfestigte positive Entwicklung.

Die Ergebnisse weisen aus, dass von 1999 bis 2005 ein deutlicher Rückgang fremdenfeindlicher Orientierungen stattgefunden hat. Trotz der immer noch bedenklich hohen Prozentzahl ist hier doch ein Trend zum Positiven erkennbar. Hier wirken unsere Maßnahmen an den Schulen und unser konsequentes Eintreten gegen Rechtsextremismus und für den Aufbau zivilgesellschaftlichen Engagements durch das Handlungskonzept Tolerantes Brandenburg.

Als Bildungsminister habe ich natürlich auch auf die Ergebnisse zur Schulmotivation der Jugendlichen gewartet, diese ist immerhin ein ganz wichtiges Moment bei der Umsetzung unserer vielfältigen Aktivitäten zur Verbesserung der Schulqualität.

Wichtigstes Ergebnis: die allgemeine Schulmotivation ist gestiegen, insbesondere bei den Mädchen und dann noch einmal am stärksten bei den Sek II Schülerinnen und Schülern. Dass in Zusammenhang mit einer gestiegenen Schulmotivation das stundenweise Schwänzen der Schule rückläufig ist, sehe ich als einen erfreulichen Effekt, der im Grunde die positive Lehr- und soziale Qualität unserer Schulen beschreibt. Dennoch: tageweises Schulschwänzen hat nicht abgenommen. Das werden wir nicht hinnehmen. An dieser Stelle will ich die Gelegenheit nutzen, einmal besonders die brandenburgischen Lehrer zu loben. Es ist ihnen offensichtlich gelungen, den Jugendlichen zu vermitteln, dass es sich lohnt, sich anzustrengen. Fast 25 % aller Jugendlichen sind für die Schule hoch motiviert, verbunden mit einem substantiellen Anstieg der Einschätzung der Lehrqualität. Der Anteil der Schüler, die dies hoch einschätzen, stieg um das Doppelte von 10% auf 20%. Die Unzufriedenen machen nicht einmal 20 % aus. Das sind erfreulich gute Noten, die Schüler ihren Lehrern in Bezug auf die Lehrqualität geben.

Die Ursachen dafür sehe ich eindeutig in unserer Bildungsoffensive. Mit ihr haben wir begonnen, konkrete Leistungsbeschreibungen und Leistungserwartungen allen im Bildungsprozess Beteiligten zu vermitteln. Es gibt klare Ziele, klare Orientierungen bis hin zu gemeinsamen und dann auch vergleichbaren zentralen Abschlussprüfungen. Diese Klarstellung von Leistungserwartung und gerechter Leistungsbewertung durch zentrale Tests sind für mich Kernpunkte, das Bildungssystem effektiver zu machen. In der Steigerung der Schulmotivation der Schüler sehe ich dies bestätigt."

Anlage:

Studie "Jugend in Brandenburg" 2005 (im .pdf-Format).


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