Über 25 Jahre alt, arbeitslos und noch keinen Berufsabschluss?

Ein Berliner Ausbildungsprojekt eröffnet neue Perspektiven für junge Erwachsene und gegen den Fachkräfteengpass. Am 11. Juli 2017 fand eine Fachtagung auf Einladung der Arbeitsagentur Berlin Mitte und des Jobcenters Berlin Friedrichshain-Kreuzberg statt.

18.07.2017 Bundesweit Pressemeldung EGA – Erwachsenengerechte Ausbildung
  • © EGA Mario Schmidt moderierte die Fachtagung zum Thema Erwachsenengerechte Ausbildung in Berlin

92 Gäste, darunter Vertreter der beteiligten  Senatsverwaltungen, der Kammern und Innungen sowie der Projektdurchführenden tauschten sich zum Fachkräfteengpass in Berlin und zum Projektende von „Erwachsenengerechte Ausbildung“ (EGA) aus – die nächste Runde des Projektes EGA ist schon angelaufen. Gemeinsam mit Arbeitgebern, Teilnehmern, öffentlichen Förderern und Projektverantwortlichen wurde resümiert und diskutiert, in die Zukunft und Vergangenheit geschaut.

Es ist das Jahr 2013. Bundesweit befanden sich zu diesem Zeitpunkt ca. 300.000 Arbeitslose zwischen 25 und 35 Jahren ohne Ausbildung in der Betreuung der Jobcenter. Auch in Berlin gab es über 39.000 Erwerbslose im Alter von 25 und 40 Jahren vielfach mit Schulabschluss, aber ohne Berufsabschluss. Es zeigte sich, dass Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung immer wieder und auch länger auf Grundsicherungsleistungen angewiesen waren als qualifizierte Arbeitskräfte. Gleichzeitig entstand in den letzten Jahren durch die zunehmende Digitalisierung und die demographische Entwicklung ein Fachkräfteengpass. Diese Lücke sollte geschlossen werden.

Eine Initiative für junge Erwachsene ohne Berufsabschluss

Das Ergebnis: Die Dachinitiative “AusBILDUNG wird was – Spätstarter gesucht”, die bundesweit in einem Zeitraum von drei Jahren 100.000 junge Erwachsene für eine Ausbildung gewinnen wollte. In Berlin hat sich daraus das Modellprojekt EGA “Erwachsenengerechte Ausbildung” entwickelt.

© EGA

Frau Shirin Khabiri-Bohr, Vorsitzende Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Berlin Mitte macht die Wichtigkeit des Projekts Erwachsenengerechte Ausbildung (EGA) deutlich.

Acht Jobcenter, die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer, Bildungsdienstleister, die zuständigen Senatsverwaltungen und mehr als 120 kleine und mittelständische Unternehmen haben das Projekt mit viel Engagement und Leidenschaft ins Leben gerufen. Shirin Khabiri-Bohr, Vorsitzende Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Berlin Mitte, hielt bei der Fachtagung eine bewegende und motivierende Laudatio auf das Bildungsprojekt und erläutert dessen Bedarf: “Wir alle wissen, dass es unterschiedliche Gründe gibt, warum jemand nach der Schule nicht den direkten Weg in eine Ausbildung geht. Und wir wissen, wie schwer es ist, nachdem man oftmals über Jahre gearbeitet und Geld verdient hat, noch mal neu zu beginnen und eine Ausbildung zu machen.” Viele trauten es sich nicht zu oder seien bereits mehrere Male gescheitert.

Das zeigt sehr eindrücklich auch der auf der Fachtagung erstmals gezeigte Projektfilm “Die Chance”, der fünf Teilnehmende auf ihrem ganz individuellen Weg in die Erwachsenengerechte Ausbildung begleitet hat – abrufbar unter www.ega-berlin.de. “Der späte Weg ist nicht einfach. Es braucht viel Motivation und Hilfestellung, um zu einem erfolgreichen Berufsabschluss zu kommen” , so Khabiri-Bohr.

Erfolgsfaktor Coaching und Nachhilfe

Deshalb ist ein umfangreiches Unterstützungsmanagement wesentlicher Bestandteil und Erfolgsfaktor des Projektes “Erwachsenengerechte Ausbildung”. Während der gesamten Ausbildungszeit werden die Teilnehmenden von speziell ausgebildeten Coaches umfassend unterstützt, motiviert und gefördert. Fehlende fachliche Hintergründe (wie Deutsch oder Mathematik) können die Auszubildenden mit gezielter Nachhilfe aufholen. Dieses Konzept führt dazu, dass sie am Ball bleiben und mit Freude und Motivation ihre zweite Chance wahrnehmen. Die große Bedeutung des Unterstützungsmanagements für den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung hat auch das unabhängige Evaluationsunternehmen evalux herausgestellt, welches anlässlich des Projektabschlusses der zweiten EGA-Runde das gesamte Projekt ausführlich unter die Lupe genommen hat.

Die befragten Akteure des Projekts haben das Unterstützungsmanagement besonders positiv hervorgehoben. Im Rahmen der Evaluation wurde auch der Umfang des Unterstützungsmanagements deutlich: Über die Hälfte der  befragten Teilnehmenden hat seinen Coach bei fachlichen Schwierigkeiten hinzugezogen, über 40% bei persönlichen Problemen, 25% bei Problemen mit dem Praktikumsbetrieb und 17% bei Problemen mit den Behörden. Dr. Gaëlle Lisack von evalux führt den Erfolg des Unterstützungsmanagements abschließend auf einige wesentliche Punkte zurück. “Die hohe und kurzfristige Verfügbarkeit der Coaches als klar identifizierbare Ansprechpersonen, ihr persönliches Engagement, das Vertrauensverhältnis zu den Coaches, die externe Stellung der Coaches sowie die  kurzen Kommunikationswege zwischen Coaches, Projektleitung und Jobcentern sind für den Erfolg des Unterstützungsmanagements ausschlaggebend. Besonders wichtig: die Wahrnehmung dieses Angebots durch die Teilnehmenden wird vereinfacht, wenn die sozialpädagogische und fachliche Unterstützung als integraler Bestandteil des Projekts konzipiert ist.“ Und das wird es auch in zukünftigen Runden von EGA bleiben.

Der Bedarf am Ausbildungsprojekt für Erwachsene ohne Berufsabschluss besteht weiter. Denn auch wenn sich in Berlin die Anzahl sozialversicherungspflichtiger Stellen sehr positiv entwickelt, profitieren die Geringqualifizierten davon nur wenig. Mit über 28% gibt es in Berlin derzeit eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenquote bei geringqualifizierten Menschen. Umso wichtiger, dass EGA noch bis mindestens 2020 weitergeht. Damit wird vielen Menschen der Traum von einer abgeschlossenen Ausbildung erfüllt – und ein guter Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs in Berlin geleistet.

Die Chance – wie und warum Erwachsene in Berlin einen Berufsabschluss nachholen

Fünf Teilnehmende des Berliner Ausbildungsprojektes „Erwachsenengerechte Ausbildung“ (EGA) erzählen, was sie bewegt. Das Projekt bietet jungen Erwachsenen zwischen 25 und 40 Jahre die Chance, ihren Traum von einer abgeschlossenen Berufsausbildung zu erfüllen. Im Fokus der Dokumentation: Warum ist es Erwachsenen jenseits der 25 Jahre wichtig, eine Ausbildung zu absolvieren? Was sind ihre Motive? Womit haben sie zu kämpfen und was wollen sie erreichen?

Ein Video der Comhard GmbH.

Ansprechpartner

Comhard GmbH
Kristin Korsch
Geschäftsführerin

Telefon: 030 55096-150
E-Mail: Kristin.Korsch@comhard.de
Web: www.ega-berlin.de


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