Ausbildung

Übergang oder Parkplatz?

Jugendliche, die nach der Schule keine Ausbildung finden, landen in den Maßnahmen des Übergangsbereiches, obwohl viele von ihnen reif für eine Ausbildung wären. Von Vincent Hochhausen

21.12.2018 Bundesweit Artikel didacta – Das Magazin für lebenslanges Lernen
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300.000 junge Menschen landeten 2016 im „Übergangsbereich“. Das sind Bildungsmaßnahmen, die nicht zum Berufsabschluss führen, sondern auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt unversorgten Jugendlichen den Weg ins Arbeitsleben ermöglichen sollen. Teilweise wird auch vom „Übergangssystem“ gesprochen. Diese Bezeichnung hält Matthias Anbuhl, Leiter der Abteilung Bildungspolitik und Bildungsarbeit beim Deutschen Gewerkschaftsbund, allerdings für irreführend: „Unter den Begriff des Übergangsbereiches fallen unzählige, ganz verschiedene Maßnahmen, die auch ganz verschiedene Ziele haben. Da kann man nicht von einem System sprechen.“

Hauptsächlich Männer im Übergangsbereich

Tatsächlich ist die Bandbreite der Angebote sehr weit gefächert. Da gibt es Programme an Berufsschulen, die dazu dienen, einen Schulabschluss zu erlangen oder zumindest die Erfüllung der Schulpflicht für Jugendliche zu gewährleisten, Bildungsgänge zur Vermittlung beruflicher Grundbildung, das Berufsvorbereitungsjahr für Schulabgänger ohne oder mit schlechtem Schulabschluss, berufsvorbereitende Maßnahmen oder Einstiegsqualifizierungen der Bundesagentur für Arbeit, Pflichtpraktika vor der Erzieherausbildung, Bildungsgänge für Schüler ohne Ausbildungsvertrag. In Anspruch genommen werden diese Übergangsmaßnahmen zu zwei Dritteln von jungen Männern. Den größten Teil im Übergangsbereich machen dabei Jugendliche mit Hauptschulabschluss (43 Prozent) und ohne Schulabschluss aus (26 Prozent), 23 Prozent haben einen Realschulabschluss und nur 1,5 Prozent eine Studienberechtigung. Die Zahl der Jugendlichen, die neu in den Übergangsbereich stoßen, sind in den letzten Jahren von rund 250.000 auf etwa 300.000 gestiegen, laut Statistischem Bundesamt vor allem, weil seit 2015 viele junge Geflüchtete diese Maßnahmen in Anspruch nehmen. Das ist allerdings immer noch deutlich weniger als in den Jahren um 2005, als mehr als 400.000 Menschen jährlich in den Übergangsbereich mündeten – unter anderem wegen des damals schwächeren Arbeitsmarktes.

Hauptschüler benachteiligt

Die Maßnahmen seien für viele Jugendliche notwendig, ist Gewerkschaftler Anbuhl überzeugt: „Es gibt einige Personen, die vorbereitende Maßnahmen vor dem Einstieg in die Ausbildung brauchen, weil ihnen einfach noch Kompetenzen fehlen.“ Das treffe aber nicht auf alle zu. Oft liege das Problem vielmehr darin, dass es in der Umgebung nicht genug Ausbildungsplätze gebe. Die Ausbildungschancen hingen vor allem vom Wohnort, von dem Pass und dem Schulabschluss ab. Fast jeder dritte junge Migrant und jeder dritte Hauptschulabsolvent blieben ohne abgeschlossene Ausbildung. „Rund die Hälfte der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Ausbildungsplätze stehen dieser Zielgruppe gar nicht mehr offen“, sagt Anbuhl, „und das gilt nicht nur für die hochkomplexen Berufe“.

Ein Problem ist, neben den formalen Anforderungen der Betriebe und der regionalen Verteilung der Ausbildungsplätze, auch die Attraktivität mancher Berufe. „Die Branchen, die die größten Nachwuchssorgen haben, sind auch die mit den größten Problemen bei der Ausbildungsqualität und der Vergütung“, sagt Anbuhl. Mit einem größeren Angebot an Ausbildungsplätzen könnte man den Übergangsbereich deutlich schrumpfen, ist er überzeugt.

Darüber, wie erfolgreich die Maßnahmen im Übergangsbereich sind, gibt es keine genauen Zahlen, denn wie viele Jugendliche den Sprung in die Ausbildung schaffen, wird statistisch nicht erfasst. Eine Statistik gibt jedoch Anlass zur Hoffnung, dass sich die Lage für diese Jugendlichen im Vergleich zu früher bessert: Denn hatten sich 2006 noch 40 Prozent aller erfassten Bewerber auf Ausbildungsplätze bereits in früheren Jahren beworben, lag dieser Anteil 2014 nur noch bei 28 Prozent.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: didacta – Das Magazin für lebenslanges Lernen, Ausgabe 3/2018, S. 66-67, www.didacta-magazin.de


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