Bildungsrepublik

Bildungspolitik in der Glaubwürdigkeitskrise

Nur 21% der bayerischen Bevölkerung ist der Meinung, dass Bundesregierung und Bundesländer noch ernsthaft das Ziel einer Bildungsrepublik verfolgen - bundesweit sind 19% dieser Ansicht. 81% der Bayern glauben, dass von den politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern für dieses Ziel nicht genügend Geld zur Verfügung gestellt wird (bundesweit sind es 84%). Weitere 96% sprechen sich dagegen aus, vor dem Hintergrund zurückgehender Schülerzahlen die Ausgaben für Bildung entsprechend zu kürzen, diese Zahl deckt sich exakt mit dem bundesweiten Ergebnis. Die Befunde einer aktuellen Forsa -Umfrage, sie wurde vom Verband Bildung und Erziehung (VBE), dem Bundesverband des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), in Auftrag gegeben und heute in Berlin vorgestellt, sind nicht nur für die Bundesregierung, sondern auch für die Bayerische Staatsregierung eine schallende Ohrfeige.

01.10.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Das Forsa -Institut hatte vergangene Woche rund 1000 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger nach ihrer Meinung zur Bildungspolitik befragt. Aus dem Datenmaterial wurden auch Einzelergebnisse der Länder zusammengestellt. "Sie geben ein erdrückendes Stimmungsbild wieder", erklärte BLLV -Präsident Klaus Wenzel. Er bezeichnete die Ergebnisse der Befragung als "verheerendes Signal - vor allem für junge Menschen."

Die Politik stecke bundes- und landesweit in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Immer weniger Bürgerinnen und Bürger schenkten den Aussagen der Verantwortlichen Glauben, das gelte auch für Bayern. "Das neue Regierungsprogramm ´Aufbruch Bayern - Familie, Bildung, Innovation´ erweckt zwar den Eindruck, es würde etwas für junge Menschen und Familien getan, doch die Bundesregierung setzt auf weiteren Sozialabbau und wird dabei von der Bayerischen Staatsregierung kräftig unterstützt", kritisierte Wenzel.

Erst vor wenigen Wochen habe Ministerpräsident Seehofer die bayerische Bildungspolitik als einen "Weg der individuellen Förderung und besten Bildungschancen für jedes Kind" bezeichnet. Viele Eltern wüssten aber, dass die Realität an den bayerischen Schulen eine andere ist. "Individuelle Förderung ist mehr denn je eine Frage des Geldbeutels der Eltern", betonte der BLLV -Präsident.

"In einem hochselektiven Schulwesen kann individuelle Förderung kaum umgesetzt werden. Hinzu kommt, dass es dafür zu wenig Personal und zu wenig kleine Klassen gibt. Das hat zur Folge, dass Kinder aus sozial schwachen und ausländischen Familien systematisch ausgegrenzt werden." Eltern und Schüler hörten seit Jahren, dass sich das dreigliedrige Schulsystem in Bayern bewähren würde - "und wissen längst, dass das nicht stimmt. Auch das macht müde und stärkt die Politikverdrossenheit."

Ein weiteres Detail der Studie zeigt, dass sich eine deutliche Mehrheit der Gesamtbevölkerung mehr Investitionen in Bildung wünscht: Zwei Drittel der Bundesbürger und der bayerischen Bevölkerung verlangen einen soliden Mindestbetrag für Bildungs- und Forschungsausgaben. Er sollte unabhängig von der jeweiligen Wirtschaftslage zur Verfügung stehen. Ihrer Ansicht nach reicht eine Koppelung der Ausgabenhöhe an die Entwicklung der Wirtschaftslage nicht aus.

Wenzel: "Die politisch Verantwortlichen sollten diese Studie sehr ernst nehmen und den familien- und bildungspolitischen Kahlschlag sofort stoppen. Die Unzufriedenheit der bayerischen Bevölkerung wächst - mit simplen und stereotypen Floskeln lassen sich die Menschen nicht mehr täuschen."


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