Koalitionsverhandlungen/ Koalitionsvereinbarung

DPhV und VDR warnen vor faulen Kompromissen in der Bildungspolitik

Mit Sorgen betrachten die Bundesvorsitzenden des Realschullehrerverbandes (VDR), Jürgen Böhm, und des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), Heinz-Peter Meidinger, den Fortgang der Koalitionsverhandlungen in Baden-Württemberg und die Koalitionsvereinbarung in Sachsen-Anhalt.

20.04.2016 Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV), Verband Deutscher Realschullehrer
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Beide Verbandsvorsitzenden begrüßen das Bemühen der politischen Verhandlungspartner von Grünen, CDU und der SPD in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg um einen Schulfrieden, um wieder Verlässlichkeit und Ruhe an die Schulen zu bringen und weitere Reformexperimente auf Kosten der Kinder und Jugendlichen zu verhindern.

Gleichzeitig kritisieren sie aber die sich abzeichnenden weitreichenden Zugeständnisse der Union an ihre jeweiligen Koalitionspartner, die teilweise eine weitere Aushöhlung des differenzierten Schulwesens und weitere Qualitätsverluste beim Bildungsniveau erwarten lassen.

VDR-Vorsitzender Jürgen Böhm betonte: „Ich  freue mich, dass sich in den Koalitionsverhandlungen in Stuttgart nach den Fehlentwicklungen seit 2011 endlich eine Stärkung der Realschulen durch zusätzliche Stundenpools abzeichnet. Dieser Fortschritt wird jedoch gleichzeitig entwertet, wenn, wie offensichtlich beabsichtigt, der Ausbau der Gemeinschaftsschulen und deren Privilegierung fortgeschrieben werden und auch die Werkrealschulen im Stich gelassen würden. Zudem steht auch die Zulassung weiterer Gemeinschaftsschulen in Sachsen-Anhalt  einem Schulfrieden diametral im Wege!“

DPhV-Vorsitzender Heinz-Peter Meidinger ergänzte: „Es wäre für die Gymnasien in Baden-Württemberg ein schwerer Schlag, wenn die künftige Landesregierung zwar neue Gemeinschaftsschulen zulassen und diesen sogar gymnasiale Oberstufen zugestehen würde, gleichzeitig aber auf die Kernforderung in ihrem Wahlprogramm nach Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium vollständig verzichten würde. Ich erinnere daran, dass in Baden-Württemberg 80 Prozent der Bevölkerung eine weitgehende Rücknahme der Schulzeitverkürzung wünschen.“ Er machte auf die im Internet vor wenigen Tagen mit großem Anfangserfolg gestartete „Open Petition“ zur Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium aufmerksam.

Beide Verbandsvorsitzenden waren sich abschließend einig, dass Koalitionsvereinbarungen, die unter der Überschrift eines angeblichen Schulfriedens einer fortschreitenden Schwächung des differenzierten Schulwesens Vorschub leisten, faule Kompromisse sind, die nicht zur Bildungsqualität beitragen.


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