Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche sollen Notlagen verhindern

Können junge Menschen ihre Probleme nicht alleine oder mit Hilfe ihrer Familie bewältigen, bietet die Kinder- und Jugendhilfe ein breites Spektrum individueller erzieherischer Hilfen in ambulanter, teilstationärer und stationärer Form an, die im Jahr 2007 insgesamt 103 500 Kindern und Jugendlichen unter 27 Jahren zugute kamen. Wie das Statistische Landesamt feststellt, wurde im Jahr 2007 mehr als 88 000 Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen unter 27 Jahren ambulant oder teilstationär, d.h. unter Verbleib in der Familie geholfen. Der Präventionsgedanke steht hier im Vordergrund.

28.11.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Die Erziehungs-, Familien- und Jugendberatungsstellen öffentlicher und freier Träger stellen dabei oftmals eine erste Anlaufstelle dar. Im vergangenen Jahr haben 52 185 (knapp 60 Prozent) junge Menschen die Hilfe psychologischer Beratungsstellen allein, mit ihren Eltern oder mit ihrer Familie in Anspruch genommen. 90 Prozent der Erziehungsberatungen richtete sich an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren; 56 Prozent an Jungen und junge Männer. Ein Viertel aller jungen Menschen hatte mindestens einen Elternteil ausländischer Herkunft.

Hilfe und Unterstützung durch einen Erziehungsbeistand erhielten 3540 junge Menschen im Jahr 2007. Der Erziehungsbeistand hat die Aufgabe, Heranwachsende bei der Bewältigung von Entwicklungsproblemen zu unterstützen und ihre Verselbständigung zu fördern. Für 1 156 junge Menschen wurden Betreuungshelfer tätig. Fast 70 Prozent waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. 65 Prozent waren männlichen Geschlechts. Im Gegensatz zum Erziehungsbeistand werden Betreuungshelfer in der Regel aufgrund richterlicher Weisung tätig. Der Betreuungshelfer unterscheidet sich zugleich von der vom Familienrecht her intendierten freiwilligen Familienhilfe der Erziehungsbeistandschaft. 4 356 jungen Menschen wurde durch soziale Gruppenarbeit geholfen. Sie erhielten in Übungs- oder Erfahrungskursen Hilfestellungen, um Entwicklungsauffälligkeiten und Verhaltensprobleme durch soziales Lernen in der Gruppe zu überwinden. Fast die Hälfte der Teilnehmer waren Kinder und Jugendliche von 6 bis unter 12 Jahren.

Die intensivste Form der ambulanten Erziehungshilfen stellt die sozialpädagogische Familienhilfe dar. Zur Verbesserung der künftigen Entwicklungsmöglichkeiten der minderjährigen Kinder suchten Fachkräfte 9 536 Familien im Jahr 2007 in ihrer häuslichen Umgebung auf. Durch intensive Betreuung und Begleitung unterstützten sie die Familien mit insgesamt 21 062 Kindern in ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, bei der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen. Dabei kommt dem Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe" und der Bereitschaft zur Mitarbeit aller Familienmitglieder besondere Bedeutung zu. Durch die Hilfegewährung wird angestrebt, die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen außerhalb des Elternhauses zu vermeiden.

In 67 Prozent der Familien lebten 1 oder 2 Kinder. Bei 52 Prozent der sozialpädagogischen Hilfen wuchsen die Kinder oder Jugendlichen bei einem allein erziehenden Elternteil auf.

2 932 Jungen und 873 Mädchen unter 18 Jahren befanden sich im Jahr 2007 in einer Tagesgruppenerziehung. Sie erfuhren bei diesem teilstationären Hilfeangebot soziales Lernen und schulische Förderung in Zusammenarbeit von Familie, Schule und Tagesgruppe, ohne dass eine Trennung von der Familie erfolgte. Bei dieser Hilfeart sind die Kinder und Jugendlichen abends, am Wochenende und in den Ferien zu Hause.

In vorrangig ambulanter oder teilstationärer Form wurden 2 061 flexible Hilfen durchgeführt. Sie richteten sich an 1 091 junge Menschen oder erreichten als familienorientierte Maßnahme 1 750 Kinder.

Die Gründe für den Bedarf an erzieherischen Unterstützungsmaßnahmen sind vielschichtig: Entwicklungsauffälligkeiten, Belastungen des jungen Menschen durch familiäre Konflikte, eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern oder des Sorgeberechtigten und unzureichende Betreuung oder Versorgung des jungen Menschen in der Familie waren die Hauptgründe.

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