Bessere Bildung für alle

"Bessere Bildung für alle" hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Albin Dannhäuser, auf der Bezirksdelegiertenversammlung in Bad Kissingen gefordert. "Nach wie vor ist es in Bayern um die Bildungsgerechtigkeit sehr dürftig bestellt", kritisierte er.

06.05.2006 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Ohne adäquate Bildung und Ausbildung findet der Einzelne im Arbeits- und Berufsleben jedoch keinen Platz. Deshalb hat für immer mehr Eltern die Schulbildung ihrer Kinder geradezu schicksalhafte Bedeutung. Gleichzeitig muss das Bildungswesen einer nie da gewesenen Vielfalt der Schülerschaft gerecht werden. Diese Aufgabe bezeichnete Dannhäuser als "die zentrale pädagogische und bildungspolitische Herausforderung der Zukunft." Seiner Auffassung nach ist die Auslese neunjähriger Kinder die falsche Antwort. "Damit wird sich der BLLV niemals abfinden. Das Recht auf Bildung verträgt keine Abstufungen. Es steht nicht dem einen Kind mehr und dem anderen weniger zu, dem einen früher und dem anderen später." Der BLLV-Präsident verlangte stattdessen mehr individuelle Förderung und Zuwendung für Kinder und Jugendliche.

In allen Schularten und Schulstufen unterscheiden sich die Schüler/innen nicht nur in ihrer Leistungsfähigkeit, sondern auch hinsichtlich ihres sozialen, kulturellen und religiösen Lebensumfeldes. Sie sprechen unterschiedliche Sprachen und haben stark divergierende Erfahrungen. Hinzu kommen große Altersunterschiede durch Wiederholungsschüler oder Schulwechsler. In der Grundschule besuchen durch die Vorverlegung des Einschulungsalters bzw. begründete Rückstellungen vom Schulbesuch noch Fünfjährige und fast Siebenjährige ein und dieselbe Jahrgangstufe. Auch die Schere zwischen Armen und Reichen in der Gesellschaft spiegelt sich in den Schulen - "sofern die Wohlhabenden ihre Kinder nicht auf eine Privatschule schicken", sagte Dannhäuser. Besonders auffällig sind die Unterschiede auch hier wieder in der Grundschule: In einer Klasse sitzen Kinder, die zu Hause behütet und gefördert werden und andere, die weder ein geregeltes Frühstück haben, noch jemanden, der sich für ihre Hausaufgaben interessiert. Inzwischen leben 1,7 Millionen Kinder in Armut - an den Hauptschulen ist jeder zweite Schüler arm, an den Gymnasien nur jeder elfte. An bayerischen Schulen haben rund zehn Prozent der Schüler/innen keinen deutschen Pass. In den Grundschulen liegt der Anteil der ausländischen Kinder bereits bei 50 Prozent, in den Hauptschulen reicht er bis zu 70 oder 80 Prozent. Zur ethnischen und sprachlichen Vielfalt kommt in den Schulen die religiöse hinzu: Etwas mehr als 80 Prozent der Kinder gehören den christlichen Kirchen an. Daneben gibt es ca. sieben Prozent Muslime und 12 Prozent Konfessionslose.

"In dieser Vielfalt der Leistungsmöglichkeiten und der sozialen Erfahrungsräume liegt eine pädagogische Chance. Leistungsschwächere Schüler können ihre Schwächen eher ausgleichen, leistungsstärkere ihre Stärken ausbauen. Das Zusammenlernen und -leben in der Schule ist die wirkungsvollste Form gesellschaftlicher Integration", erklärte Dannhäuser. Durch die Spaltung von Schülern in Bildungsgewinner und -verlierer entstehen hingegen Subkulturen und Parallelgesellschaften. "Es liegt auf der Hand, dass dieses Prinzip der Aussonderung zu gefährlichen sozialen Spannungen führen kann." In keinem Land hängen die Bildungschancen eines Kindes so stark von seiner sozialen Herkunft ab wie in Bayern. Rund neun Prozent der Schüler/innen verlassen die Schule ohne Abschluss.

Bessere Bildung für alle erfordert

Förderung statt Auslese:

Notwendig ist eine günstigere Lehrer-Schüler-Relation, Fachpersonal für individuelle Stützmaßnahmen und Verlängerung der Praxisklassen auf zwei Schuljahre sowie konsequente pädagogische Expertenhilfen wie Schulpsychologen, Beratungslehrer, Förderlehrer, mobile sonderpädagogische Hilfen und Sozialpädagogen.

Verbesserte Lern- und Arbeitsbedingungen:

Dazu gehört der Abbau der hohen Klassenstärken, insbesondere an Realschulen und Gymnasien, der Ausbau der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste, eine Klassenhöchststärke in der Grundschule von 25 Kindern, der Erhalt der Lehrerstellen an den Hauptschulen, angemessene Hilfe und Unterstützung für Schüler mit psychischen und sozialen Störungen sowie der Abbau des ausufernden Verwaltungsaufwandes.

Anerkennung des Lehrerberufs:

Erforderlich ist die Einführung eines Beförderungsamtes für Grund-, Haupt- und Realschullehrer, die als einzige Beamtengruppe keine Laufbahn haben. Der Lehrerberuf muss aber auch gesellschaftlich mehr Anerkennung finden. Er ist von herausragender Bedeutung für junge Menschen und ein Schlüsselberuf für die Zukunft der Gesellschaft.


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