Föderalismus

Senator Ties Rabe (Hamburg) neuer Präsident der Kultusministerkonferenz

Senator Ties Rabe ist seit 1. Januar 2012 Präsident der Kultusministerkonferenz. Die Amtsübernahme fand heute im Rahmen einer Festveranstaltung im Bundesrat statt. Der Hamburger Senator folgt auf den Niedersächsischen Kultusminister Dr. Bernd Althusmann. Der Vorsitz der Kultusministerkonferenz wechselt jährlich.

23.01.2012 Pressemeldung Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder

Als Schwerpunkte seiner Präsidentschaft nannte Rabe, den Übergang von der Schule ins Berufsleben kontinuierlich zu verbessern und die Vergleichbarkeit im deutschen Bildungswesen weiter auszubauen.

Übergang von der Schule ins Berufsleben

Ein erfolgreicher Übergang von der Schule in das Erwerbsleben ist von entscheidender Bedeutung für die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe. "Ich wundere mich oft darüber, dass die Öffentlichkeit leidenschaftlich die Rechtschreibschwäche 15jähriger Schülerinnen und Schüler diskutiert, aber den Übergang von der Schule in die Berufswelt kaum thematisiert. Dabei entscheiden sich gerade hier das Lebensglück junger Menschen und ihre Chance auf gesellschaftliche und berufliche Teilhabe. Zudem sind die Rezepte für einen erfolgreichen Übergang unstrittig und in der Praxis erprobt. Eigentlich sind das beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Veränderungsprozess."

Senator Rabe ist davon überzeugt, dass davon insbesondere schwächere Schülerinnen und Schüler profitieren können. Dazu müssten die oft unübersichtlichen Maßnahmen und ineffizienten Warteschleifen nach der Schule zugunsten eines klaren und übersichtlichen Angebots umstrukturiert werden. Entscheidend sei dabei der Praxisbezug. Rabe: "Wer es in der Schule schwer hatte, der wird in weiteren rein schulischen Maßnahmen selten Erfolg haben. Die Verzahnung beruflicher Praxis in Betrieben und Unternehmen, mit entsprechenden schulischen Angeboten, eröffnet dagegen vielen lernmüden Jugendlichen neue Chancen." So sollten lokale Netzwerke zwischen Schule und Betrieb weiter ausgebaut und modellhaft Berufseinstiegsbegleiter erprobt werden. Deshalb sei es wichtig, dass der Bund an seinem hohen Engagement festhält und sich nicht aus der Finanzierung der Berufseinstiegsbegleiter zurück zieht. Es gebe eine Vielzahl von Maßnahmen in Bund und Ländern. Diese gelte es zu strukturieren, zu bündeln und miteinander zu vernetzen.

Darüber hinaus müsse die Schule ihre Schülerinnen und Schüler bereits in der Sekundarstufe I an die Berufswelt heranführen. Viele Schüler hätten kaum Kontakt zur Berufswelt und stünden oft ratlos vor der Vielfalt der Berufsangebote. Berufsorientierung sei insofern ein wichtiger Baustein. Zuletzt gelte es aber, die verschiedenen Ämter, Behörden und Dienststellen sowie die unterschiedlichen Rechtskreise miteinander so abzustimmen, dass kein Jugendlicher nach der Schule durch das Raster fällt. Rabe: "Vielmehr kann und muss es gelingen, die unterschiedlichen Maßnahmen und Angebote so zusammenzuführen, dass Jugendliche aktiv angesprochen und bis zum erfolgreichen Berufsabschluss begleitet werden können."

Vergleichbarkeit im deutschen Bildungswesen

Die Kultusministerkonferenz hat 2003 und 2004 die ersten Bildungsstandards vereinbart, um eine Vergleichbarkeit in den Ländern herzustellen. Bundesweit geltende Bildungsstandards gibt es derzeit im Primarbereich für die Fächer Deutsch und Mathematik, beim Ersten Bildungsabschluss für die Fächer Deutsch, Mathematik und Erste Fremdsprache und beim Mittleren Schulabschluss für die Fächer Deutsch, Mathematik, Erste Fremdsprache, Biologie, Chemie und Physik. Derzeit wird an einer Angleichung der Anforderungen für das Abitur gearbeitet. Ties Rabe: "Die Vergleichbarkeit im deutschen Schulsystem und im deutschen Bildungswesen insgesamt muss weiter erhöht werden, um die Qualität und Glaubwürdigkeit des deutschen Bildungssystems zu bewahren und Mobilität über die Landesgrenzen hinweg sicherzustellen. Die KMK ist in diesem Bereich in den letzten Jahren erheblich vorangekommen, das macht Mut für die vor uns liegenden Aufgaben."

Anknüpfend an die bisherigen Erfahrungen arbeitet die Kultusministerkonferenz an der Sicherstellung der Gleichwertigkeit des Abiturs und der Ausrichtung an den Bildungsstandards. "Ziel ist, dass sich die Ansprüche an das Abitur oder den Mittleren Bildungsabschluss in Sachsen oder in Bremen, in Hamburg oder in Niedersachsen nicht mehr voneinander unterscheiden", unterstrich Rabe. Die Kultusministerkonferenz sei auf einem guten Weg, um Bildungsgerechtigkeit in Deutschland sicherzustellen.

Die Kultusministerkonferenz wird in Zusammenarbeit mit dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen zentrale und dezentrale Veranstaltungen durchführen mit dem Ziel, sich über erfolgreiche Aktivitäten zur Implementierung der Bildungsstandards auszutauschen und die länderübergreifende Zusammenarbeit zu verstärken. Eine Auftaktveranstaltung findet in diesem Jahr in Berlin statt.

Das jährliche Kamingespräch der Kultusministerinnen und -minister mit Vertreterinnen und Vertretern des Kulturbereichs wird in diesem Jahr die Verbindung zwischen Kultur und Schule in den Fokus stellen. Ein Blick auf die zahlreichen Initiativen und Programme auf politischer Ebene, in Schulen und kulturellen Einrichtungen macht deutlich, wie erfreulich viel sich seit Aufnahme der Beratungen auf diesem Gebiet entwickelt hat. Als Beispiel sei hier die Initiative "Kulturagenten für kreative Schulen" genannt. Dieses Programm soll helfen, dass die Teilhabe an Kunst und Kultur fester Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen wird. Es soll bei Kindern und Jugendlichen Neugier für die Kunst wecken und mehr Kenntnisse über Kunst und Kultur vermitteln, um eine Bildung und Stärkung ihrer Persönlichkeit zu ermöglichen und ihnen die Chance zu eröffnen, künftig Akteure einer kulturinteressierten Öffentlichkeit werden zu können.

Minister Dr. Bernd Althusmann zieht für 2011 Bilanz

Der Niedersächsische Kultusminister Dr. Bernd Althusmann hat zum Jahresende eine positive Bilanz seiner einjährigen Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz gezogen. "Wir sind auf wichtigen Themenfeldern vorangekommen", betonte Althusmann. Als Beispiele nannte er die Themen Sprachförderung, gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen (Inklusion) sowie die Alphabetisierung Erwachsener.

Sprachförderung

Bei der Sprachförderung setzte sich die Kultusministerkonferenz 2011 grundsätzlich für ein gemeinsames Vorgehen von Bund und Ländern in diesem Bereich ein. Hierbei sollen die in den Ländern vorhandenen Ansätze gebündelt und weiterentwickelt werden. "Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn Sprachbildung ist eine zentrale Herausforderung in unserer Wissensgesellschaft. Die entscheidende Hürde für den Bildungserfolg ist das sichere Beherrschen der deutschen Sprache", sagte Kultusminister Dr. Bernd Althusmann.

Inklusive Bildung

Unter der Präsidentschaft von Dr. Bernd Althusmann haben die Länder 2011 die Empfehlung "Inklusive Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in Schulen" beschlossen. "Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung ist in den kommenden Jahren eine große Herausforderung für alle Länder. Mit der Empfehlung haben wir eine wesentliche Grundlagen für die Umsetzung in den Ländern geschaffen", so der Minister. Die Empfehlungen waren zuvor unter der Federführung Niedersachsens erarbeitet worden.

Alphabetisierung

Die Kultusministerkonferenz hat 2011 gemeinsam mit dem Bund den Startschuss für eine Nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland gegeben. "Jeder muss über ausreichende Kenntnisse der Schriftsprache verfügen, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können", sagte Kultusminister Dr. Bernd Althusmann. Auf der Grundlage der im Frühjahr 2011 vorgestellten Studie "Leo.Level One" wurde als Ziel der gemeinsamen Strategie vereinbart, die Zahl der funktionalen Analphabeten spürbar zu senken und so deutlich mehr Menschen als bisher die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe zu ermöglichen.


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