Politische Bildung

So ticken Jugendliche 2016: Großteil akzeptiert gesellschaftliche Vielfalt

Bundeszentrale für politische Bildung ist Partner der SINUS-Jugendstudie. Themen sind Flucht und Asyl, Nation und Nationalität sowie Geschichtsbilder.

27.04.2016 Bundesweit Pressemeldung Bundeszentrale für politische Bildung
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Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb hat das SINUS-Institut beauftragt, 14- bis 17-Jährige vertiefend zu Themenfeldern zu befragen, die für die Entwicklung von Angeboten politischer Bildung relevant sind. Für die bpb von besonderem Interesse: Was Jugendliche über die Zuwanderung Geflüchteter denken, wie sie zur immer pluraler werdenden Gesellschaft Deutschlands stehen, was sie heute noch mit dem Begriff Nation verbinden und welche Geschichtsbilder sie haben. Die Ergebnisse der Befragung werden nun als Teil der Jugendstudie "Wie ticken Jugendliche 2016?" veröffentlicht, die gestern in Berlin präsentiert wurde.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten in Deutschland ist eine wichtige Erkenntnis für die Arbeit der bpb, dass der überwiegende Teil der Befragten die Aufnahme Geflüchteter befürwortet. Zuwanderung wird grundsätzlich positiv gesehen, die! Jugendlichen zeigen sich tolerant und fordern mehr Engagement für eine gelungene Integration. Viele Aspekte der „postmigrantischen Gesellschaft“ sind für einen Großteil der 14- bis 17-Jährigen – bewusst oder unbewusst – selbstverständlicher Alltag.

In Teilen äußern die Jugendlichen aber auch manifeste Vorbehalte gegenüber anderen Nationalitäten. Meist handelt es sich dabei um tradierte Stereotype, die von den Jugendlichen aber nicht immer als bloße Klischees erkannt werden. Einzelne Jugendliche, vor allem in den benachteiligten Lebenswelten, betrachten die plurale, vielfältige Gesellschaft (noch) nicht als soziale Norm.

"Die Studie zeigt, dass wir gefragt sind, Jugendliche in ihren Meinungsbildungsprozessen zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen zu begleiten", so Thomas Krüger, Präsident der bpb. "Vorbehalte und Stereotype dürfen sich nicht zu manifesten Vorurteilen verfestigen. Unsere Angebote müssen wir immer wieder reflektieren, komplett neu erfinden - und an die Rezeptionsgewohnheiten junger Menschen anpassen."

Geht es um historische Themen, ist nicht nur das Wissen, sondern auch das Interesse begrenzt. „Geschichte“ wird meist mit negativ besetzten historischen Ereignissen verbunden – vor allem mit dem Zweiten Weltkrieg. Ein großer Teil der Jugendlichen wünscht sich einen lebendigeren Geschichtsunterricht, der sich auch auf aktuelle Ereignisse beziehen sollte. Berichte von Zeitzeugen wiederum gelten als authentisch und machen Geschichte spannend und erlebbar.

Die Studie zeigt auch, dass es für die Jugendlichen keine substantiellen Unterschiede zwischen jungen Menschen in Ost- und Westdeutschland mehr gibt – außer den verschiedenen Dialekten. Sie sind sich aber bewusst, dass Eltern und Großeltern teilweise noch an Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschen festhalten.

"Die Ergebnisse der SINUS-Studie zeigen, dass wir auch in der historisch-politische Bildung und der Gedenkstättenarbeit um- und weiterdenken müssen, insbesondere vor dem Hintergrund einer immer pluraler werdenden Zielgruppe", sagt Thomas Krüger. "Wir müssen uns fragen, welche neuen Ansätze wir wählen können, welche historischen Ereignisse lassen sich aus einem multiperspektivischen Ansatz heraus lebendig vermitteln, so dass sie für Jugendliche, egal welcher Herkunft, greifbar werden?"

Weitere Informationen unter: www.wie-ticken-jugendliche.de

Bereits 2012 beteiligte sich die bpb als Partner an der SINUS-Jugendstudie. Auftraggeber 2016 sind neben der bpb die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und die VDV-Akademie (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen - Akademie).


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