Schulleiterkongress 2014

Über die Kunst der Wertschätzung - Wie macht man das eigentlich, Herr Knigge?

(Moritz Freiherr Knigge). Knigges gibt es eigentlich zu jedem Thema. Mein Familienname ist längst zu einem Synonym dafür geworden, wie man etwas richtig tut. Vom Öko-Knigge bis zum Sauna-Knigge, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

17.09.2013 Pressemeldung Deutscher Schulleiterkongress
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Seinen Ursprung hat der mittlerweile sprichwörtliche Knigge jedoch im berühmtesten Buch meines Vorfahren – Adolph Freiherr Knigge – "Über den Umgang mit Menschen". Das Richtige im Umgang mit Menschen zu tun und das Falsche zu unterlassen, das war für ihn die Motivation, dieses Buch zu schreiben. Sich das Leben zu erleichtern statt es sich gegenseitig zur Hölle machen, das ist auch heute noch ein guter Grund, sich mit dem Umgang mit Menschen ausgiebig zu befassen.

Ich tue das seit mehr als zehn Jahren, weil ich den zwischenmenschlichen Umgang zu meinem Beruf gemacht habe. Und so sind auch mir als Redner vor und Coach von Führungskräften einige Denk- und Verhaltensmuster aufgefallen, über die es lohnt nachzudenken, weil sie das Zwischenmenschliche besonders stark beeinflussen. Muster, die darüber entscheiden, ob wir wertschätzend miteinander umgehen. Aber was ist Wertschätzung überhaupt?

Wertschätzung – so wie ich sie verstehe – ist das, was zur Zeiten des alten Knigge Herzensbildung hiess. Als ein Mensch mit Herzensbildung galt derjenige, dem man bildlich ansieht und anmerkt, dass sich hier einer in einem langen und nicht endenden Prozess um die Bildung seiner eigenen Persönlichkeit bemüht. Ein Mensch, der darum ringt, die Möglichkeiten im Umgang mit Menschen wachsen und nicht sinken zu lassen. Der nicht unerbittlich mit dem Finger auf andere zeigt, sondern mit seinem Bemühungen um ein wertschätzendes Miteinander dort beginnt, wo Herzensbildung notwendigerweise beginnen sollte: Bei sich selbst.

Für den das alte Sprichwort gilt: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Kein Wald schreit ohne Grund! Ein Mensch, der seinen Finger an die eigene Nase richtet. Ein Mensch, der weiß, dass es nicht immer die anderen sind, die ständig gegen Selbstverständlichkeiten verstoßen (Das sollte doch selbstverständlich sein. Das ist doch nicht zu viel verlangt!), sondern in Erwägung zieht, sich mit seinen eigenen Selbstverständlichkeiten selbst im Wege zu stehen.

Knigges gibt es eigentlich zu jedem Thema. Mein Familienname ist längst zu einem Synonym dafür geworden, wie man etwas richtig tut. Vom Öko-Knigge bis zum Sauna-Knigge, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Wertschätzung wird da wahrscheinlich, wo das Zusammenleben als ein Möglichkeitsraum betrachtet wird. Ein Raum, in dem jeder die Freiheit hat, das Zusammenleben wertschätzend zu gestalten und dies auch tut. Indem Menschen in Vorleistung treten und zuvorkommend sind. So fragt sich der zuvorkommende Mensch nicht, wer von seinen Mitmenschen ein schlechter Zuhörer ist, sondern, wie es um seine eigene Fähigkeit bestellt ist, zuzuhören.

Obwohl wertschätzende Menschen ganz genau wissen, dass die Menschen nicht gleich sind, behandeln sie dennoch alle mit der gleichen Freundlichkeit. Dünkel sind ihnen fremd, zuwider und außerdem anstrengend. Eine freundliche Begrüßung gebührt nun einmal jedem, ob Reinigungskraft oder Oberstudiendirektor. Wertschätzung das heißt; aufmerksam zu sein. 100 % da zu sein. Anderen in die Augen zu schauen, sie anzulächeln statt auf den Bildschirm seines Computers oder Handys zu glotzen, an das Gesagte anderer anzuknüpfen statt Monologe zu halten und selbst der beste Zuhörer seiner Erzählungen zu sein. Das wären solche wachen Momente der Aufmerksamkeit.

Wertschätzend ist es auch, Dinge für überflüssig zu erklären, die nicht überflüssig sind. Was auf den ersten Blick etwas merkwürdig klingt, ist in Wirklichkeit der tagtägliche, ganz konkrete Schmierstoff eines gelungenen Miteinanders und klingt bspw. so: Danke! Keine Ursache, gern geschehen! Auf diese Art und Weise versichern sich kultivierte Menschen, dass sie sich unter ebensolchen befinden: Aber, das wäre doch nicht nötig gewesen. Habe ich doch gerne gemacht.

Wer hingegen ständig meint, im Besitz der Wahrheit zu sein, der befindet sich auf dem kommunikativen Holzweg. Sätze wie: Da gibt es doch keine zwei Meinungen oder Da können Sie sagen, was Sie wollen, sind jedenfalls wenig geeignet, zu einer netten Konversation beizutragen! Als Gegengift empfiehlt sich – ganz im sokratischen Sinne – den Gedanken zuzulassen, dass man sich auch irren könne.

Und irren kann man sich ständig. Wir deuten und bewerten das Verhalten unserer Mitmenschen ja ständig. Dabei sind wir bisweilen gnadenlos, ohne zu merken, dass wir selbst – mit unseren eigenen Ticks & Macken – oft genug auf das Wohlwollen und die Gnade unserer Mitmenschen angewiesen sind. Kommunikation ohne Wohlwollen, das ist die Blindheit für die eigenen blinden Flecken. So wie im Märchen "Des Kaisers neue Kleider". Insbesondere in hierarchischen Beziehungen ist die kindliche Rückmeldung: "Der Kaiser ist nackt!" die Ausnahme. Erwachsene Menschen denken sich lieber ihren Teil, als die Risiken eines offenen Wortes zu riskieren. Und so erfordert Wertschätzung auch den Mut des Kaisers, sich der Einschätzung anderer zu stellen und die Mühe für ein Klima zu sorgen, in dem die Untertanen auch wirklich das sagen, was sie sich sonst nur denken.

Fazit

Wertschätzung, das ist letztlich die Kunst, an sich selbst hohe Maßstäbe zu richten, bei möglichst viel Gelassenheit seinen Mitmenschen gegen-über. Und das kostet – das gebe ich gerne zu – so manches Mal erhebliche Mühe. Doch die Mühe lohnt sich.

Praxis-Tipp

Am Deutschen Schulleiterkongress 2014 referiert Moritz Freiherr Knigge zum Thema "Wie macht man das eigentlich, Herr Knigge? – Über Wertschätzung, Gelassenheit und Regeln im Umgang mit unseren Mitmenschen". Anmeldungen: www.deutscher-schulleiterkongress.de

Moritz Freiherr Knigge referiert am Deutschen Schulleitertag 2014 über die Kunst der Wertschätzung.

Beitrag von Moritz Freiherr Knigge zum Download im PDF-Format
Testimonial Moritz Freiherr Knigge zum Download im PDF-Format

Ansprechpartner

Deutscher Schulleiterkongress
Adolf-Kolping-Str. 10
96317 Kronach
Web: http://www.deutscher-schulleiterkongress.de

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