didacta-Themendienst

Vielfalt leben, Toleranz lehren

Bildungseinrichtungen sind der Spiegel einer immer diverser werdenden deutschen Gesellschaft. In allen Institutionen, von der Kita bis hin zu Hoch- und Berufsschulen, gilt es daher, heterogene Gruppen zu erreichen. Eine Mammutaufgabe.

04.12.2018 Bundesweit Artikel Sandra Georg
  • © Jacob Schröter KMK-Präsident Helmut Holter erklärte jüngst, dass „die Förderung von Empathie, Respekt, Achtung und Toleranz“ genauso zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung in der Schule gehöre wie der Umgang mit Vielfalt.

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Geschlecht, Herkunft, Religion, körperliche oder geistige Einschränkungen: Menschen unterscheiden sich. Ein gelungenes gesellschaftliches Miteinander ist die Basis einer demokratischen Gesellschaft. Das Bildungssystem hat hieran einen wichtigen Anteil. Mit der Diversität steigen auch die Herausforderungen an Erzieher, Erzieherinnen und Lehrkräfte. Die Aufgabe der Verantwortlichen im Bildungssystem geht weit über die reine Wissensvermittlung hinaus. Damit Mobbing und Ausgrenzung aus dem Alltag der Bildungseinrichtungen verschwinden und soziale und kulturelle Vielfalt gelebt werden kann, müssen allen Beteiligten Werte wie Toleranz und Offenheit nähergebracht werden.

Leitbild für die politische Bildung ist auch heute noch der sogenannte Beutelsbacher Konsens. Er formuliert Prinzipien für die politische Bildung: Sie soll Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Respekt und Empathie

Werteorientiertes Handeln ist dabei die Grundlage des gesellschaftlichen Miteinanders, das die Andersartigkeit der Mitmenschen nicht als Ballast, sondern als Chance versteht. Die Kultusministerkonferenz (KMK) orientiert sich dabei an dem Ziel der UN-Erklärung zur Menschenrechtsbildung und -training, „eine universelle Kultur der Menschenrechte zu fördern, in der sich jeder der eigenen Rechte und der Verantwortung gegenüber den Rechten anderer bewusst ist“. KMK-Präsident Helmut Holter erklärte im Rahmen einer Empfehlung der Kultusministerkonferenz jüngst, dass „die Förderung von Empathie, Respekt, Achtung und Toleranz“ genauso zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung in der Schule gehöre wie der Umgang mit Vielfalt.

© forsa-Umfrage „Inklusion 2017“ vom Verband Bildung und Erziehung Basis: Befragte an Schulen mit inklusiven Lerngruppen ||| Angaben in Prozent ||| Fast 80 Prozent der von forsa 2017 befragten Lehrkräfte an Schulen mit inklusiven Lerngruppen erhalten keine Unterstützung bei der Bewältigung physischer oder psychischer Belastungen durch inklusive Unterrichtung.

Gemeinsam ans Ziel

Doch wie kann das Miteinander gelingen? Als wirksam gelten multiprofessionelle Teams. Dabei arbeiten Erzieher/-innen und Lehrkräfte mit Experten und Expertinnen aus der Sozialarbeit, Sonderpädagogik, Integrationshilfe sowie Lern- und Physiotherapie zusammen. Bei einer Arbeitsteilung nach Kompetenzen sollen Lehrkräfte so entlastet werden und mehr Zeit für die individuelle Förderung und die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler aufbringen können. Teamarbeit ist auch für Raúl Aguayo-Krauthausen unabdingbar. Der Inklusionsaktivist und Autor plädiert außerdem für zieldifferentes Lernen, bei dem die Lernziele von Schülerinnen und Schülern individuell festgelegt werden. Außerdem müsse die Klassengröße laut Aguayo-Krauthausen deutlich reduziert werden: „15 Kinder pro Klasse sind sicherlich eine Zielmarke, die erfolgversprechend ist“. Für eine gelingende Inklusion müsse letztlich auch mehr Geld von Seiten der Politik investiert werden. Denn ebenso dringend erforderlich sind Weiterbildungsangebote, zum Beispiel von Beschäftigten an Schulen im Umgang mit Multikulturalität im Klassenzimmer oder mit Inklusion.

© Studie „Mehr Inklusion von Schülern mit Lernhandicaps“ von der Bertelsmann Stiftung Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die Inklusion von Schülern mit Förderbedarf an deutschen Schulen regional unterschiedlich gut gelingt.

Ausgrenzung verhindern

Die gesellschaftliche Vielfalt als Chance anzuerkennen, ist auch das Anliegen des Sozialaktivisten Ali Can. Als Reaktion auf die Montagsdemonstrationen von Pegida rief er 2016 die „Hotline für besorgte Bürger“ und im Sommer 2018 den Hashtag #metwo ins Leben, unter dem Menschen ihre Alltagserfahrungen mit Rassismus teilen. Im Interview mit dem Online-Magazin der Süddeutschen Zeitung „jetzt“ kritisiert er einen „institutionellen Rassismus in der Schule“. Um dieses vermeintliche Problem zu beheben, schlägt er Anti-Rassismus-Trainings für Lehrkräfte vor. Denn: Viele Lehrkräfte sind hoch motiviert, sich für Vielfalt zu engagieren, suchen aber konstruktive Unterstützung und Lösungen für ein gelungenes Miteinander – tagtäglich. Der Weg hin zu einer inklusiven Gesellschaft hält immense Herausforderungen auf vielen Ebenen bereit. Eine Generallösung gibt es nicht, dafür aber viele Ideen und Macher, die sich dafür einsetzen, dass aus der Utopie Realität wird.

Kurzes TV-Statement zum Stand der Inklusion in Deutschland von Raúl Aguayo-Krauthausen, Vorsitzender und Gründer des gemeinnützigen Vereins Sozialhelden. Das vollständige Interview, geführt auf der didacta 2018, können Sie sich auf bildungsklick TV anschauen.

Vom 19. bis 23. Februar 2019 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Köln zusammen.

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Lehrkräfte in der Kritik: Rassismus in der Schule?

  • Ali Can, Journalist, Lehramtsstudent und Gründer des Vereins „Interkultureller Frieden e. V.“
  • Dr. Cornelia Gresch, Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB)
  • Dr. Ilka Hoffmann, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der GEW, Organisationsbereich Schule

21.02.2019
13:30 bis 14:30 Uhr
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Veranstalter: Verband Bildungsmedien e.V.

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Inklusion in der Schule: Welcher Weg führt zum Erfolg?

  • Raúl Aguayo-Krauthausen, Inklusions-Aktivist und Autor
  • Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes
  • Eva-Maria Thoms, 1. Vorsitzende mittendrin e. V.

21.02.2019
11:00 bis 12:00 Uhr
Halle 7, Stand D 40/E 41
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e.V.

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  • Kübra Gümüşay, Journalistin und Bloggerin
  • Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz

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Halle 7, Stand D 40/E 41
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e.V.

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  • Nuran Ceylan, Lehramtsstudentin der Goethe-Universität Frankfurt
  • Prof. Dr. Daniela Elsner, Goethe-Universität Frankfurt
  • Barbara Noeske, Pädagogische Mitarbeiterin der Goethe Universität und Lehrerfortbildnerin in der Hess. Lehrkräfteakademie, Schwerpunkt Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Fachdidaktik Deutsch.
  • Schulleitung, Alexander von Humboldt Schule - Colegio Alemán Alexander von Humboldt“, Mexiko City
  • Moderation: Andreas Hänssig, Goethe-Universität Frankfurt, Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL)

21.02. 2019
16:00 bis 16:45 Uhr
Halle 8, Stand B 51
Veranstalter: Didacta Verband e. V.

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22.02.2019
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Das Ende der „Kreidezeit“ – Digitale Medien als Mittel zur Teilhabe
22.02.2019
13:00 bis 13:45 Uhr
Halle 8, Stand B 51
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inklusion.de – Wie kann konkrete Unterstützung für Pädagogen und Lehrkräfte aussehen?

  • Bernd Kochanek, Vorstand Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen NRW, Dortmund
  • Sabine Kreutzer, Schulleiterin Marie-Kahle-Gesamtschule in Bonn  - angefragt
  • Prof. Dr. Jutta Schöler, Hochschullehrerin i.R. für Erziehungswissenschaft, Berlin
  • Moderation: Christina Marx, Aktion Mensch

22.02.2019
14:00 bis 14:45 Uhr
Halle 8, Stand B 51
Veranstalter: Didacta Verband e. V.

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2019 finden Sie unter www.didacta-messe.de und www.facebook.com/didacta-messe.

Information für Redaktionen: Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die Nutzungshinweise am jeweiligen Bild. Über ein Belegexemplar an info( at )bildungsklick.de freuen wir uns.

Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta 2019 finden Sie im Dossier.


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