Von Besinnlichkeit keine Spur

Kinder und Jugendliche kommen immer öfter ohne jeden Erholungseffekt aus den Ferien zurück in die Schule. Auf diese alarmierende Entwicklung hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, (BLLV), Klaus Wenzel, zu Beginn der Weihnachtsferien hingewiesen.

20.12.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Viele Kinder erleben Weihnachten als eine anstrengende Zeit. In den Wochen vor Weihnachten befinden sie sich in einem regelrechten Prüfungsmarathon, eine Klassenarbeit folgt der nächsten und für "Besinnliches" bleibt kaum noch Zeit. Auch Lehrerinnen und Lehrer sind diesem absurden Prüfungsstress ausgesetzt. Sie sind gezwungen, Termine einzuhalten und die Leistungen ihrer Schüler mit Noten regelmäßig abzufragen. Als Pädagogen wissen sie jedoch, dass Noten wenig Auskunft über den individuellen Lernfortschritt und Leistungsstand von Kindern geben können. Wenzel forderte deshalb erneut eine Abkehr vom inzwischen pervertierten Leistungsverständnis an deutschen Schulen. "Wir brauchen eine neue Lernkultur. Im Mittelpunkt muss der individuelle Leistungsfortschritt eines Kindes stehen, die Ermunterung und Motivation, nicht die Demütigung von Schülern durch schlechte Noten."

Wenzel machte auch darauf aufmerksam, dass es in vielen Familien gerade um die Weihnachtszeit zu Konflikten kommt. Hohe Erwartungen werden oftmals ent-täuscht, unterschwellige Konflikte entladen sich häufig unterm Weihnachtsbaum und können für Kinder extrem belastend sein. Vor allem Scheidungskinder stehen vor der schwierigen Entscheidung, wann sie mit welchem Elternteil wo feiern. Für viele Kinder stellt dies ein unlösbares Problem und somit auch eine ex-treme psychische Belastung dar.

Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung tun ihr Übriges. Viele Kinder verbringen zu viel Zeit vor dem Fernseh- oder Computergerät. Immer mehr Kinder müssen in den Ferien weiterlernen und in der eigentlich freien Zeit Lern- und Nachhilfeinstitute besuchen. "Lehrerinnen und Lehrer stellen leider immer öfter fest, dass ihre Schülerinnen und Schüler alles andere als erholt aus den Ferien zurückkommen. Viele wirken erschöpft oder die ersten Tage nach den Ferien auffallend aggressiv."

Wenzel appellierte an Eltern, die Weihnachtsferien als Verschnaufpause zu sehen. Die freien Tage sollten nicht mit zusätzlicher Nachhilfe blockiert werden. Das Zauberwort heißt Zeit. "Gemeinsam verbrachte Zeit ist mehr Wert als jedes Geschenk - und jede Nachhilfe." "Patchworkfamilien" sollten versuchen, ihre Kinder nicht unter Druck setzen und ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen, auch wenn dies schwer fällt."


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