Aktion "Bücher aus dem Feuer"

"Eindringliche Mahnung zum Eintreten für Toleranz und Pluralismus" - Kultusminister Schneider beteiligt sich an bundesweiter Aktion "Bücher aus dem Feuer" zur Erinnerung an den 10. Mai 1933 - Lesung im Wilhelmsgymnasium München

10.05.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Mit der Erinnerung an den barbarischen Akt der Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 ist eine eindringliche Mahnung zum Eintreten für Toleranz und Pluralismus in Kunst, Kultur, Gesellschaft und Politik untrennbar verbunden", sagte Kultusminister Siegfried Schneider heute bei einer Lesung vor Schülerinnen und Schülern des Wilhelmsgymnasiums München, mit der er sich an der bundesweiten Aktion "Bücher aus dem Feuer" beteiligte. Ins Leben gerufen worden war die Aktion von der Initiative "Bücherlesung", die u. a. vom Interessenverband Deutscher Schauspieler getragen wird.

Der 10. Mai 1933 habe dazu beigetragen, dass der Verfolgung und Entrechtung von Minderheiten und Andersdenkenden durch das nationalsozialistische Terrorregime Tür und Tor geöffnet wurde. "Am Ende stand die systematische Ermordung von Menschen aus rassischen, religiösen, politischen und anderen Gründen", sagte Schneider.

Auch heute noch gebe es autoritäre und diktatorische Systeme, die zur Sicherung ihrer Herrschaft gegen Literatur und Kunst vorgingen. Dadurch verwehrten sie ihren Bürgern die Möglichkeit, über alternative Formen der eigenen Lebensgestaltung und des gemeinschaftlichen Lebens nachzudenken. "Wir bleiben zu steter Wachsamkeit und zu einem klaren Bekenntnis gegen alle totalitären Tendenzen aufgefordert", so der Minister.

Besonderes Lob zollte Schneider dem Wilhelmsgymnasium für sein vorbildliches Engagement in Sachen Erinnerung: Bereits im Schuljahr 1995/96 habe die Schule ihre jüdischen Schüler der Vorkriegszeit eingeladen. Seit diesem ersten Treffen bestehe ein lebhafter Briefkontakt. "Durch seine offene Auseinandersetzung mit der eigenen Schulgeschichte führt das Wilhelmsgymnasium seine Schülerinnen und Schüler zur unmittelbaren Begegnung mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte", sagte der Minister.

Im Rahmen der bundesweiten Aktion "Bücher aus dem Feuer" las der Kultusminister aus dem "Zauberberg" von Thomas Mann sowie aus Kurt Tucholskys Essay-Sammlung "Deutschland, Deutschland über alles", die alltägliche Ungerechtigkeiten, nationalistische Verblendung und deutschen Hochmut aufs Korn nimmt. Den Roman "Zauberberg" hatten die Nationalsozialisten als "Lob der Dekadenz" und als Verunglimpfung des von ihnen propagierten "soldatischen Heldentums" herabgewürdigt. Tucholskys Werk wurde insbesondere aufgrund der antimilitaristischen und pazifistischen Haltung des Autors geächtet.

Bereits Anfang Mai hatte sich der Kultusminister mit einem Schreiben an alle bayerischen Schulen gewandt, in dem er anregte, am 10. Mai Lesungen aus den 1933 verbrannten Büchern durchzuführen. Der Minister bat, "gerade in Zeiten einer erneuten Propagierung ausländerfeindlicher und rassistischer Ideen sowie einer Verharmlosung der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft" die Initiative "Bücher aus dem Feuer" zu unterstützen.


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