UNESCO-Register "Memory of the World"

Zehn Handschriften der Reichenauer Malschulen sind in einem Festakt auf der Insel Reichenau am Sonntag in das UNESCO-Register "Memory of the World" eingetragen worden. Drei von ihnen befinden sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München (Evangeliar Ottos III., Perikopenbuch Heinrichs II. und das Evangeliar aus dem Bamberger Dom) und zwei in der Staatsbibliothek Bamberg (Daniel-Kommentar und Bamberger Apokalypse).

15.10.2004 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel betonte beim Festakt, dass mit der Aufnahme in das UNESCO-Register die kostbaren Handschriften weltweit zugänglich sein werden: Das 1992 eingerichtete UNESCO- Programm "Memory of the World", so der Minister, habe es sich zur Aufgabe gemacht, das dokumentarische Erbe der Menschheit für die Nachwelt zu sichern und kulturell herausragende Dokumente mit moderner Informationstechnik weltweit zu präsentieren. Gegenwärtig umfasse das Register bereits über 90 Dokumente und Sammlungen, darunter aus Deutschland etwa Beethovens 9. Sinfonie, den Stummfilm "Metropolis" oder die Gutenberg-Bibel.

Die Codices repräsentieren in herausragender Weise die ottonische Buchmalerei Deutschlands. Sie wurden wegen ihrer künstlerischen Neuerungen im Buchschmuck und in den Darstellungsthemen der Miniaturen und ihrer Aussagekraft für die religiöse, politische und kulturgeschichtliche Situation ihrer Zeit ausgewählt und stehen vertretend für jede weitere ottonische Handschrift der Reichenau. Die Benediktinerabtei Reichenau besaß im 10. und 11. Jahrhundert die wohl größte und einflussreichste europäische Malschule. In ihrer Hauptblütezeit zwischen etwa 970 und 1010/20 entstanden dort im Auftrag der höchsten Kreise der damaligen Gesellschaft - Reichsbischöfe, Könige und Kaiser - eine Reihe meist liturgischer Prachthandschriften. Anlässlich des Eintrags in das UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes zeigt die Bayerische Staatsbibliothek ab 18. Oktober die zehn Handschriften in einer Faksimile- und Fotoausstellung. Als Höhepunkt werden die in der Bayerischen Staatsbibliothek verwahrten drei Originalcodices mit ihren Prachteinbänden aus Gold, Edelsteinen und Elfenbein in der Schatzkammer ausgestellt.


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