Annette Schavan: Mehr Verantwortung und Beteiligung für die Schüler stärkt das Demokratiebewusstsein

Das aktive Demokratiebewusstsein und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung von Schülerinnen und Schülern soll an baden-württembergischen Schulen deutlich gestärkt werden. Dieses Signal geht von dem Kongress "Verantwortung einüben - In Gemeinschaft leben - Demokratie lernen" aus, der am Samstag an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg mit rund 400 Teilnehmern stattfindet.

16.10.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

"Demokratie kann nicht in der Theorie gelernt, sondern muss in der Praxis erprobt werden. Die verantwortliche Mitwirkung in Unterricht und Schulleben fördert zudem die Identifikation mit der Schule und hat positive Folgen für den Lernerfolg und die Persönlichkeitsentwicklung", erklärte Kultusministerin Dr. Annette Schavan bei der Eröffnung. Die Ministerin wies darauf hin, dass das Jahr 2005 vom Europarat zum Europäischen Jahr der Demokratieerziehung ("European Year of Citizenship through Education") ausgerufen wurde: "Unsere Gesellschaft braucht junge Menschen, die bereit sind, Verantwortung für sich und das Gemeinwesen zu übernehmen", unterstrich Schavan.

Im Mittelpunkt der gemeinsamen Veranstaltung von Kultusministerium und Landesschülerbeirat (LSBR), die vom Sparkassenverband Baden-Württemberg unterstützt wurde, standen Schülerinnen und Schüler aller Schularten, die in ihren Schulen oder mit außerschulischen Partnern Projekte machen, in denen die Übernahme von Verantwortung eingeübt und Prinzipien demokratischen Handelns umgesetzt werden.

Vor den Schülervertretern aus den Oberschulamtsbezirken Karlsruhe und Stuttgart hob Kultusministerin Schavan die erzieherische Aufgabe hervor, die darin besteht, die Jugendlichen von der Wichtigkeit zu überzeugen, Verantwortung für sich selbst und für andere in der Gemeinschaft zu übernehmen. "Demokratie muss gelernt und erfahren werden. Hierzu kann eine demokratische Unterrichtskultur und eine entsprechende Schulkultur einen wichtigen Beitrag leisten", so die Ministerin.
Die erforderlichen Kompetenzen sollen, wie die Ministerin erläuterte, im Erfahrungs- und Handlungsfeld der Schule - gestützt auf die seit Beginn dieses Schuljahres für alle Schularten neu erlassenen Bildungspläne - erworben werden. Bildungspläne, die zentrale Themen wie "In Gemeinschaft leben" und "Demokratie lernen" schulart- und fächerübergreifend in den Vordergrund stellen. So solle bei den Schülerinnen und Schülern das Verständnis für die demokratische Kultur und den Wert ehrenamtlichen Engagements geweckt und gestärkt werden.

Auf der Grundlage erfolgreicher Pilotversuche an Schulen wurde ein Modul entwickelt, das schulische Möglichkeiten zur Demokratieerziehung und entsprechende Kompetenzen zeigt. Dieses kann als Anregung für ein Schulcurriculum dienen.
Die Ministerin würdigte in diesem Zusammenhang auch die erfolgreiche und konstruktive Arbeit des Landesschülerbeirats, der in allgemeinen Fragen der Erziehung und des Unterrichts die Interessen der Schülerinnen und Schüler vertritt.

Unterstützung sichert der Landesschülerbeirat zu: "Die in unserer Gemeinschaft bestehende Demokratie lebt von jenen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Dies gilt für alle Institutionen unserer Gesellschaft, egal ob Land, Gemeinde oder Schule", erklärte der Vorsitzende des LSBR, Dino Maiwaldt. "Wer Verantwortung will, für sich selbst oder für andere, braucht Freiräume, in der sich die Verantwortlichkeit entwickeln kann. Gerade deshalb begrüßt der LSBR Projekte wie die 'Operativ eigenständige Schule' und die Entwicklung von Schulcurricula, da sie solche Freiräume schaffen und so jedem einzelnen die Möglichkeit geben, Verantwortung zu übernehmen und so die Demokratie aufrecht zu erhalten und weiter zu entwickeln", so Maiwaldt. Der Landesschülerbeirat erhofft sich vom Kultusministerium, dass es dauerhaft Sorge trägt, dass diese Freiräume erhalten werden.

Bei der Tagung wurden auf dem Podium, in Sektionen und in einer Ausstellung vorbildliche Projekte vorgestellt. Beispielhaft waren dabei unter anderem folgende Bereiche:

  • Schülermentorenprogramme: Mehr als 10.000 Schülerinnen und Schüler haben mittlerweile eine Fortbildung als Schülermentoren u. a. in Sport, Musik, Verkehrserziehung, Naturwissenschaften, kirchlicher Jugendarbeit, Sanitätsdienst durchlaufen. Für das Schülermentorenprogramm "Kunst/Museen" wurde vor kurzem der Startschuss gegeben.
  • Streitschlichterprojekte als wichtiger Schritt für einen konstruktiven und kreativen Umgang mit Konflikten. Unter anderem wird in dem Projekt "Faustlos" nachhaltige Gewaltprävention betrieben. Damit wird auch die Kultur des "Hinschauens" gefördert.
  • Schulprogramme/Schulleitbilder: Viele Schulen haben sich bereits verbindliche Schulprogramme und -leitbilder mit elementaren Regeln des Zusammenlebens gegeben. Nach den Prinzipien von Respekt, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft werden dabei Prinzipien des guten Miteinanders eingeübt.

Anhang:

Kongressprogramm mit den einzelnen Schulprojekten


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