Bachelor-Lehrer nur für Finanzminister attraktiv

"Bachelor- und Masterabschlüsse in der Lehrerausbildung könnten sich als Pyrrhussieg erweisen", betont der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger mit Blick auf die KMK-Anhörung in dieser Woche zur Einführung der gestuften Studienstruktur in den Lehramtsstudiengängen. "Ich befürchte eine massive Abwertung des Lehrerberufs. Die Lehrerausbildung darf nicht in den Würgegriff der Finanzminister."

16.11.2004 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

"Die Bologna-Pläne für die Lehrerausbildung sind besonders bedrohlich", unterstreicht Ludwig Eckinger, "da Deutschland einem gravierenden Lehrermangel entgegensieht." Der von der KMK prognostizierte Einstellungsbedarf von 371 000 Lehrerinnen und Lehrern bis 2015 könne ohne besondere Anstrengungen nicht gedeckt werden. Bislang würden mindestens 74 000 Lehrkräfte fehlen.

Ludwig Eckinger verweist darauf, dass auf der Bologna-Konferenz lediglich die formale Umstrukturierung der europäischen Studiengänge angestoßen wurde. "Die Lehrerbildung in Deutschland ist aber nicht wegen der Abschlüsse umstritten, sondern wegen ihres ungenügenden beruflichen Bezugs", unterstreicht der VBE-Bundesvorsitzende. Der VBE lehne jegliche Pläne ab, wonach höchstens jeder zweite Bachelorabsolvent ein Masterstudium antreten dürfe. Es wäre nicht zu verantworten, warnt Eckinger, junge Menschen für das Lehramtsstudium zu gewinnen und ihnen dann eine notwendige Qualifikation für den Lehrerberuf zu versagen. "Eine Lehrerausbildung nur mit sechs Semestern reicht nicht für die Arbeit in der Schule. Das Modell ist nur für Finanzminister attraktiv, die sich 'Billig-Lehrer' herbeisehnen. Für alle Lehrämter muss ein Masterabschluss garantiert sein, wenn der 'Bologna-Prozess' überhaupt einen Sinn abgeben soll." Der VBE-Bundesvorsitzende erinnert an den OECD-Lehrerbericht vom September 2004. Dort werde festgestellt, dass auch auf europäischer Ebene die Anbindung der Lehrerbildung an Bachelor- und Masterabschlüsse wieder in die Diskussion geraten sei.


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