Bildungsminister Reiche macht gegen rechtsextreme CD-Verteilung vor Schulen mobil

Verfassungsschützer haben darüber informiert, dass im Rahmen einer größeren Aktion CDs mit rechtsextremen Inhalten unter dem Titel "Anpassung ist Feigheit - Lieder aus dem Untergrund" vor Schulen kostenlos verteilt werden sollen.

02.08.2004 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Bildungsminister Steffen Reiche nimmt diese Bedrohung für die Schülerinnen und Schüler sehr ernst: "Die CD geht geschickt auf die Gefühlswelt Heranwachsender ein. Das rechtsextreme Gedankengut in den Liedern wird hinter Sprachbildern versucht zu verstecken. Eine Verbreitung unter Schülern muss verhindert werden. Deshalb habe ich ein Maßnahmenpaket zusammenstellen lassen, das jetzt an die Brandenburger Schulleitungen geht und damit rechtzeitig zum neuen Schuljahr überall zur Verfügung stehen wird. Es soll die Schulleiterinnen und Schulleiter sowie die Lehrkräfte unter anderem über die psychologische Wirkungsweise der CD informieren und Ihnen Handlungssicherheit und pädagogische Empfehlungen für vorbeugende Auseinandersetzung mit rechtsextremem Gedankengut geben."

Bildungsminister Reiche hat allen Schulen "Hinweise für Schulen zum Umgang mit rechtsextremen Aktivitäten" mit einer Anlage zur Bewertung und Wirkungsweise der CD "Anpassung ist Feigheit", die vom Mobilen Beratungsteam (MBT) speziell erarbeitet wurden, per e-Mail zugesandt. Des weiteren wird Bildungsminister Reiche auf der Schulleitertagung vom 3.-5. August die Problematik erläutern und dort jeder/jedem Schulleiter/in die CD *Rechtsextremismus im Internet - Recherchen, Analysen, pädagogische Modelle zur Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus" der Bundeszentrale für politische Bildung überreichen.

Die Wirkungsweise der CD "Anpassung ist Feigheit" bewertet das Mobile Beratungsteam in seiner Analyse unter anderem so: "Den Schülerinnen und Schülern mit wenig ausgebildeten Sozialkompetenzen wird ein Gefühlsrahmen geboten, in dem sie sich verstanden und akzeptiert wissen sollen: Der Verlierer kann sich als Kämpfer für eine gerechte Sache, für ein großes Ziel angesprochen wissen. Beispielsweise wird auch verständnisvoll gegen Schulfrust eine scheinbare Legitimation angeboten. Jugendliche mit persönlichen Defiziterfahrungen sollen sich durch Wertschätzung, Empathie, das Angebot zur Zugehörigkeit zu einer wichtigen Gruppe und großen Sache angesprochen fühlen."

Schulen, vor denen Rechtsextreme versuchen für sich zu werben, wird in der Handreichung des Mobilen Beratungsteam empfohlen, nach folgenden Grundsätzen vorzugehen:

Öffentlichkeit schaffen

Es ist wichtig, rechtsextreme Aktivitäten nicht zu verschweigen, sondern sie offen anzusprechen. Somit entzieht man ihnen das "Geheimnisvolle". Die Lehrkräfte und die anderen pädagogischen Mitarbeiter sollten Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, von Material - Verteilaktionen vor der Schule zu berichten und sich die Flugblätter oder CDs geben lassen. Schülerzeitungen sollten durch die Schulleitungen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es gezielte rechtsextreme Aktivitäten gibt. Die demokratischen Einrichtungen einer Schule wie Schülervertretungen, Elternvertretungen, Fördervereine u.a. sollten über diese Aktivitäten informiert werden. Mit ihnen können Gegenmaßnahmen diskutiert werden.

Ordnungsmaßnahmen sinnvoll einsetzen und klar vermitteln:

Hausrecht und Schulordnung können und sollen eingesetzt werden, um das Verteilen solchen Materials zu unterbinden. Kontaktaufnahme mit Behörden ist sinnvoll, um ordnungsrechtliche Möglichkeiten auszunutzen. Information des staatlichen Schulamts über die Vorfälle und die eingeleiteten Maßnahmen sollen erfolgen. Wichtiges Prinzip: Jede Ordnungsmaßnahme muss pädagogisch erklärt werden. Dadurch verliert das Verbotene seinen Reiz.

Im demokratischen Rahmen diskutieren

Bei der inhaltlichen Auseinandersetzung um rechtsextreme Aktivitäten ist es wichtig, über die Hintergründe aufzuklären. Denn es werden Themen, die viele Menschen diskutieren, verzerrt dargestellt, um für ganz andere Zwecke zu werben, nämlich sich einer rechtsextremen Bewegung anzuschließen. Diskussionen über die von Rechtsextremen angesprochenen Themen sollte man nur gut vorbereitet führen. Fortbildung und Workshops zum demokratischen Umgang mit rechtsextremen Argumentationen sind für Lehrkräfte und pädagogisches Personal und engagierte Schülerinnen und Schülern wie z.B. Schülerzeitungsredakteure und Schülersprecher wichtig und sollten genutzt werden.

Ansprechpartner unter www.mobiles-beratungsteam.de


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