Bundesverdienstkreuz für Prof. Dr. Ulrich Ott

Für seine herausragenden Verdienste um das Deutsche Literaturarchiv in Marbach wurde Prof. Dr. Ulrich Ott, Direktor des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs sowie Geschäftsführer der Deutschen Schillergesellschaft in Marbach, das Verdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

08.10.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Prof. Ott habe sein Direktorenamt von Beginn an ungewöhnlich erfolgreich geführt und sich über das Maß seiner beruflichen Verpflichtungen hinaus für die Marbacher Institute eingesetzt, führte der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Michael Sieber (MdL), in seiner Würdigung aus. "Damit ist es Ihnen gelungen, die herausragende Stellung des Archivs in der Deutschen Literaturlandschaft nicht nur zu erhalten, sondern weiter auszubauen", betonte Sieber.

Die Verleihung fand anlässlich einer Feierstunde zur Verabschiedung von Ulrich Ott als Direktor des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs am 8. Oktober, seinem 65. Geburtstag, in Marbach statt. Gleichzeitig überbrachte der Kunststaatssekretär die herzlichen Glückwünsche von Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg.

Mit der 19-jährigen Amtszeit Ulrich Otts seien wichtige Weichenstellungen für die Marbacher Institute verbunden, hob Sieber hervor. So sei ihm maßgeblich die Mehrung des Bestands und des Ansehens des Deutschen Literaturarchivs zu verdanken: "Mit großer Konstanz ist es Ihnen gelungen, während Ihrer Amtszeit unzählige Nachlässe von Autoren und Verlagen nach Marbach zu holen." An spektakulären Erwerbungen seien die Nachlässe von Karl Jaspers, Paul Celan, Gottfried Benn, Alfred Döblin oder Eduard Mörike, das Ernst-Jünger-Archiv oder das Manuskript von Franz Kafkas "Prozess" zu nennen. Als weitere erfolgreich bewältigte Herausforderung bezeichnete Sieber die Einführung der Datenverarbeitung im Deutschen Literaturarchiv im Jahre 1986. Diese Entwicklung habe Ott bis zur Bereitstellung des Online-Katalogs "Kallías" in allen Schritten fachkundig begleitet. "Die Benutzer des Deutschen Literaturarchivs danken es Ihnen weltweit", so der Kunststaatssekretär.

An den in seiner Amtszeit gefallenen Entscheidungen über zahlreiche Baumaßnahmen - z.B. der Erweiterungsbau, das unterirdische Magazin unter dem Museumsvorplatz, das Collegienhaus, die Außensanierung des Schiller-Nationalmuseums sowie die Planung und der Baubeginn für das Literaturmuseum der Moderne - trage Ott großen Anteil. "Sie haben im wahrsten Sinne des Wortes an der Zukunft Marbachs mitgebaut", führte Sieber aus. Nach dem Fall der Mauer habe er außerdem auch die bereits zu Weimar bestehenden Kontakte intensiviert und zu einer Partnerschaft ausgebaut. Neben regelmäßigen Einladungen von Autoren und Verlegern aus der ehemaligen DDR nach Marbach, sei es, so der Staatssekretär, Otts Engagement zu verdanken, dass zahlreiche Vor- und Nachlässe wichtiger Vertreter der DDR-Literatur seitdem für Marbach gewonnen werden konnten. "Ungeachtet der kleineren regionalen oder lokalen Literaturarchive hat das Deutsche Literaturarchiv damit seine Funktion auch im vereinigten Deutschland behauptet".

Prof. Dr. Ulrich Ott, geboren 1939 in Essingen bei Aalen, studierte in Tübingen, Wien und Berlin die Fächer Germanistik und Klassische Philologie. 1965 wurde er mit einer Dissertation zum Thema "Die Kunst des Gegensatzes in Theokrits Hirtengedichten" zum Dr. phil. promoviert. Anschließend war er an der Universität Tübingen als wissenschaftlicher Mitarbeiter und von 1968 an als wissenschaftlicher Assistent tätig. 1970 begann er an der Universität Tübingen als Referendar die Ausbildung für den höheren Bibliotheksdienst, die er am Bibliothekar-Lehrinsititut Köln fortsetzte und 1972 mit der Prüfung für den höheren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken abschloss. Es folgte eine Tätigkeit an den Bibliotheken der Technischen Hochschule Hannover und ab 1976 an der Universitätsbibliothek Konstanz. Von 1980 bis 1985 leitete er die Universitätsbibliothek Trier. Am 1. Oktober 1985 hat er die Nachfolge von Prof. Dr. Dr. h. c. Bernhard Zeller als Direktor des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs sowie als Geschäftsführer der Deutschen Schillergesellschaft angetreten und scheidet zum 31. Oktober 2004 aus diesem Amt aus. 1997 hat ihm Ministerpräsident Erwin Teufel in Anerkennung seiner Leistungen für das Wissenschaftsland Baden-Württemberg den Professorentitel verliehen.


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