Collège de France erstmals in Deutschland

"Das Selbstbewusstsein der Poesie - die Poetik des Palimpsest". Dieses Thema steht im Mittelpunkt eines Kolloquiums von Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern des ehrwürdigen Collège de France. Erstmals in seiner Geschichte tagt das Collège außerhalb Frankreichs. Veranstaltungsort ist das saarländische Kultusministerium. Mit der Tagung in Saarbrücken unterstreicht das Collège seine Absicht, sich nach Europa zu öffnen.

10.03.2005 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

Das Collège de France ist eine französische Institution, die kein Äquivalent im Ausland kennt. Es wurde 1530 von François I. gegründet. Heute werden die Professoren des Collège vom französischen Staatspräsidenten berufen. Staatssekretärin Dr. Susanne Reichrath konnte am heutigen Donnerstag eine Gruppe um den wohl berühmtesten lebenden Dichter Frankreichs, Yves Bonnefoy, anlässlich ihres Kolloquiums im Kultusministerium begrüßen. Der Essayist und Kunstkritiker gehört dem Collège seit 1981 an. Seither hat er einen internationalen Kreis um sich gebildet, der sich im Wesentlichen mit der Frage des Selbstbewusstseins der Dichtung befasst. Der Romanistik-Professorin Dr. Patricia Oster-Stierle (Universität des Saarlandes) war es gelungen, das Collège nach Saarbrücken einzuladen. Thema des Kolloquiums in Saarbrücken ist der Palimpsest in der Dichtung. Das Grundmodell des Palimpsests ist das Pergament, das mehrfach benutzt wurde. Durch chemische Verfahren konnten diese Überlagerungen im 19. Jahrhundert erstmals sichtbar gemacht werden.

Das saarländische Kultusministerium als Tagungsort des Collège und ehemals Sitz der französischen diplomatischen Vertretung steht als Symbol für die zahlreichen grenzüberschreitenden Aktivitäten in Bildung, Kultur und Wissenschaft. Das Areal des heutigen Ministeriums ist ebenfalls ein Palimpsests - insofern, als es seit Ende des 19. Jahrhunderts mit Wohn- und Geschäftshäusern bebaut war, die im Oktober 1944 von Bomben zerstört wurden. Von 1952 bis 1954 dauerten die Bauarbeiten für die "Mission diplomatique de France en Sarre". Seit dem Jahr 1960 wird das Gebäude der früheren Botschaft durch das Kultusministerium genutzt.

Staatssekretärin Dr. Susanne Reichrath wünschte den Teilnehmern des Kolloquiums interessante wissenschaftliche Diskurse und gleichzeitig eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Romanistik in Deutschland und dem Collège de France sowie die Kräftigung des Vertrauens und Verstehens zwischen Deutschland und Frankreich.


Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden