Duale Berufsausbildung vs. Berufsfachschulen

Der OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick" von 2004 stellt fest: Bei Erwerbspersonen, die eine Duale Berufsausbildung absolviert haben, liegt die Erwerbslosigkeit um zwei bis drei Prozent höher als bei denjenigen, die ihren Berufsabschluss an einer vollqualifizierenden Berufsfachschule erworben haben.

21.04.2005 Pressemeldung Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat untersucht, welche Faktoren diese Unterschiede beeinflussen und kommt zu dem Schluss: Die höhere Erwerbslosenrate von Absolventen/innen einer Dualen Berufsausbildung kann nicht als Beleg für systembedingte schlechtere Erwerbschancen dual qualifizierter Fachkräfte herangezogen werden. Maßgeblich beeinflusst werden die Unterschiede bei der Erwerbslosigkeit zwischen Absolventen/innen dualer bzw. schulischer Ausbildungsgänge vielmehr von zwei Faktoren: Den unterschiedlichen Bildungsniveaus der Auszubildenden bzw. Schüler/innen sowie den unterschiedlichen Berufsbereichen, in denen die Ausbildung erfolgt. D.h., nicht die spezifische Form der Ausbildung ist Ursache für das jeweilige Erwerbslosigkeitsrisiko der beiden Gruppen, sondern vielmehr ihr Ausbildungsberuf und ihr allgemeinbildender Schulabschluss.

Zu diesem Ergebnis kommt das BIBB nach einer ersten Auswertung des Mikrozensus 2003, der amtlichen Repräsentativstatistik in Deutschland (1).

Zu den für die Erwerbslosigkeit im wesentlichen verantwortlichen Strukturmerkmalen im Einzelnen:

  • Berufsbereich der Ausbildung: Betriebliche und berufsfachschulische Ausbildungsgänge qualifizieren für unterschiedliche Teilarbeitsmärkte mit unterschiedlichen Beschäftigungsaussichten. Berufsfachschulen konzentrieren sich bei ihrem Bildungsangebot auf sach- und personenbezogene Dienstleistungsberufe (z.B. technische Assistenten/innen-Berufe u.a. im Bereich der Informatik, kaufmännische Assistenten/innen-Berufe und Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen). Schwerpunkt der Dualen Berufsausbildung sind dagegen die gewerblich-technischen Berufe.
    Gleichzeitig ist festzustellen: Erwerbspersonen, die eine Ausbildung in einem gewerblich-technischen Beruf absolvierten, haben mit 13,2% eine um 4,4 Prozentpunkte höhere Erwerbslosenrate als Erwerbspersonen, die in einem Dienstleistungsberuf ausgebildet wurden (8,8%). D.h., die geringere Erwerbslosigkeit von Berufsfachschulabsolventen/innen begründet sich in dem (Dienstleistungs)Beruf, den sie erlernt haben, und nicht in der spezifischen Form ihrer Ausbildung.
  • Schulische Vorbildung: Berufsfachschulen verlangen bei der Aufnahme von ihren Schülern/innen überwiegend einen mittleren Schulabschluss. Damit nehmen sie eine Positivauswahl im Vergleich zum Dualen System vor, das grundsätzlich keine schulischen Abschlüsse voraussetzt. Daraus folgt: Erwerbspersonen mit einem Berufsfachschulabschluss haben im Durchschnitt höhere allgemeinbildende Schulabschlüsse als betrieblich Ausgebildete. Bei der mittleren Reife haben sie einen Vorsprung von 6 Prozentpunkten, beim Abitur liegt er sogar bei 13 Prozentpunkten. Absolventen des Dualen Systems besitzen dagegen zu knapp 50% einen Hauptschulabschluss (Berufsfachschulen: knapp 30%).

Der Arbeitsmarkt zeigt: Die Erwerbslosenquote liegt für Abiturienten/innen bei 6,8% - bei Hauptschülern/innen beträgt sie 10,6%. Auch hier ist daher davon auszugehen, dass die Unterschiede bei der Erwerbslosenrate zwischen Absolventen/innen der Berufsfachschule und denen des Dualen Systems nicht auf die Form der Ausbildung sondern vielmehr auf die im Schnitt höhere schulische Qualifikation der Berufsfachschüler/innen zurückzuführen ist.

Fazit: Unter Berücksichtigung arbeitsmarktrelevanter Merkmale unterscheiden sich die Erwerbschancen von Absolventen/innen der unterschiedlichen Ausbildungssysteme nicht voneinander. D.h. es gibt keine systematischen Unterschiede im Erwerbslosigkeitsrisiko zwischen Absolventen/innen des Dualen Systems und von vollqualifizierenden Berufsfachschulen, die auf die spezifische Form der Ausbildung zurückzuführen sind.

Über die hier dargestellten Faktoren hinaus wurden weitere tiefergehende Aspekte des Zusammenhangs zwischen Ausbildungsabschluss und Erwerbslosigkeitsrisiko in einem multivariaten Modell untersucht. Die Gesamtergebnisse der Untersuchung werden vorgestellt in dem Aufsatz von Anja Hall und Hans-Joachim Schade: "Welche Ausbildung schützt besser vor Erwerbslosigkeit? Der erste Blick kann täuschen! Absolventen einer Dualen Berufsausbildung und von Berufsfachschulabsolventen im Vergleich", erschienen in der aktuellen Ausgabe 2/2005 der Zeitschrift des BIBB "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP)".

Die Zeitschrift ist zum Preis von 7,90 Euro zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19, E-Mail: .

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(1) Die Stichprobe weist hochgerechnet 25.184.226 Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren aus, deren höchster Bildungsabschluss ein berufsqualifizierender Abschluss im Sekundarbereich II ist. Davon haben 23.422.172 Personen eine Duale Berufsausbildung durchlaufen und 1.762.054 Personen ihren Abschluss an einer Berufsfachschule erworben.


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