Ehrenprofessur des Landes an Franz Bernhard verliehen

Baden-Württemberg würdigt die herausragende künstlerische Lebensleistung von Franz Bernhard mit der Ehrenprofessur des Landes. Bei einer Feierstunde am Freitag (1. Oktober) im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart überreichte Kultusministerin Dr. Annette Schavan dem renommierten Bildhauer und Graphiker die von Ministerpräsident Erwin Teufel unterzeichnete Urkunde. Mit seinen markanten Werken habe Franz Bernhard international beachtete Maßstäbe gesetzt und zahlreiche öffentliche Plätze im Land geprägt, so Schavan.

01.10.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

"Ausgangspunkt, Stimulans und Ziel des künstlerischen Wirkens von Franz Bernhard ist der Mensch. Vom Menschen her leitet er seine Plastiken ab und gestaltet so öffentliche Räume", betonte die baden-württembergische Kultusministerin in ihrer Laudatio. Mit seiner unverwechselbaren Formensprache entwerfe der 1934 in Neuhäuser (Sudentenland) geborene Bildhauer "einprägsame Zeichen für das Wesen Mensch." Dabei lehne es Bernhard ab, seine Werke der vorgegebenen Architektur oder Landschaft anzupassen. Vielmehr lasse er seine Figuren und Plastiken in einen spannungsreichen Dialog mit den sie umgebenden öffentlichen Räumen und Einrichtungen treten. Die Werkpräsenz Bernhards außerhalb von Museen und Privatsammlungen sei enorm, hob Schavan hervor. Die Arbeiten des Künstlers finden sich in nahezu allen größeren Städten Baden-Württembergs, darunter auch in Stuttgart, Mannheim, Ulm, Karlsruhe und Freiburg, in Lörrach, Villingen, Remchingen, Marbach, Nürtingen und Heilbronn. Das Lebenswerk von Franz Bernhard spannt nach den Worten Schavans "einen weiten Bogen über Baden-Württemberg und verbindet somit auch die einzelnen Regionen unseres Landes." Eines seiner schönsten Werke sei die KOSTANZENER LIEGENDE, eine fast neun Meter lange Figur, die sich auf dem Freigelände der Universität Konstanz befindet.

"So sehr seine Werke öffentliche Räume gestalten und prägen, so wenig ist Franz Bernhard ein öffentlicher Mensch. " Die Kultusministerin beschrieb den 70-jährigen Künstler als bescheidenen, nachdenklichen und konsequenten Menschen, "der großen Wert auf ein selbstbestimmtes Leben legt." Die innere Unabhängigkeit sei ein Erken-nungszeichen des Bildhauers. "Franz Bernhard lässt sich weder von der hektischen Betriebsamkeit des Kunstmilieus noch von seinen Auftraggebern vereinnahmen." Wenn er den Entstehungsprozess seiner Arbeiten voranbringe, sei Bernhard kompromisslos und unnachgiebig. "Auch dann, wenn Galeristen und Käufer ihn drängen, gibt er die Arbeiten erst aus der Hand, wenn sie nach seinen Maßstäben fertig sind." Dass er die Kommentierung seiner Werke ausschließlich dem Betrachter überlasse, doku-mentiere das "gelassene Selbstbewusstsein eines in sich ruhenden Menschen."

Seit seiner Übersiedlung 1946 in das unterfränkische Heilbronn ist Franz Bernhard dem Land Baden-Württemberg eng verbunden. Seinem 1959 begonnenen Bildhauer-studium an der Staatlichen Akademie der Bildende Künste in Karlsruhe ging eine Schreinerlehre und die Ausbildung an einem humanistischen Gymnasium voran. Zu den frühen Auszeichnungen zählen die Preise der Villa Romana in Florenz (1968) und der Villa Massimo in Rom (1969) sowie der Wilhelm-Lehmbruck-Förderpreis der Stadt Duisburg (1970). 1972 zog Franz Bernhard mit seiner Frau in das rheinland-pfälzische Jockgrim, wo er seitdem lebt und arbeitet. Der Pfalzpreis für Plastik (1975), der Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg (1977), der Prix de la Ville de Mulhouse (1980), der Lütze-Preis (1981), der Kunstpreis der Heitland Foundation in Celle (1984), der Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz (1986) und der Lovis-Corinth-Preis (1989) sind weitere bedeutsame Belege seiner außergewöhnlichen Geltung als Bildender Künstler. Franz Bernhard war von 1990 bis 1992 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und von 1994 bis 2001 1. Vorsitzender des Künstlerbundes Baden-Württemberg.


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