Ein Schritt vorwärts - zwei Schritte zurück

Zu den bekannt gewordenen bildungspolitischen Vorstellungen der CDU, die auf dem heutigen Landesparteitag im CDU-Landtagswahlprogramm festgelegt werden sollen, sagt Bildungsminister Steffen Reiche:

18.06.2004 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

"Die Katze ist aus dem Sack. Die CDU stellt die sechsjährige Grundschule infrage. In das Schulsystem würde dadurch enorme Unruhe kommen. Die Ideen der CDU würden dazu führen, dass 150-180 Grundschulen im Land ihre fünften und sechsten Klassen verlieren würden und nur mit großem finanziellen Aufwand unterfrequent weitergeführt werden könnten. Klassen in der Grundschule würden zweimal innerhalb von zwei Jahren auseinandergerissen werden, was zu großer Unruhe führen würde. Zum ersten Mal wenn sie 35-40 Prozent ihrer Mitschüler nach der 4. Klasse verlieren würden und zum zweiten Mal, wenn die Verteilung auf unterschiedliche Schulformen nach der sechsten Klasse ansteht. Dieses Experimentieren mit der Grundschule kann nicht im Interesse von Eltern und Kindern in einem wichtigen Lern- und Lebensabschnitt der Kinder sein. Die CDU prangert Modellversuche an, die Innovationen in die Schule bringen, aber startet selber ein Großexperiment an der Schule.

Immerhin schwenkt die CDU jetzt auf den Vorschlag ein, für Brandenburg ein überschaubares zweigegliedertes Schulsystem aufzubauen. Wenn sich die CDU dazu, wie es die SPD vorgeschlagen hatte, schon vor zwei Jahren entschieden hätte, wäre der Übergang in die 7. Klasse wesentlich besser organisierbar gewesen. Man hätte an mehreren Standorten Schulen erhalten können und an vielen Orten wären für die Schülerinnen und Schüler die Wege zu ihren weiterführenden Schulen kürzer. Die Leidtragenden an diesem langen Denkprozess der CDU sind die Schülerinnen und Schüler und die Eltern. Immerhin bewegt sich nach über 5 Jahren Nachdenken die CDU. Noch im vergangenen Herbst hatte Herr Schönbohm in einem Interview behauptet: "Je mehr wir über Schulformen reden, statt über Inhalte, desto weniger wird getan." Heute will die CDU jedoch ein Schulsystem in ihr Landtagswahlprogramm schreiben, das im Sinne einer Sekundarschule, also der Zusammenführung von Realschule und Gesamtschulen zu einer neuen Schulform, einen Schritt nach vorne geht, bei den Grundschulen und beim Übergang in die Sekundarstufe I aber zwei Schritte zurück. Die Vorschläge der CDU zum flächendeckenden Übergang der Grundschulkinder an die Gymnasien nach der 4. Klasse wäre das Ende der sechsjährigen Grundschule. Wer 35-40 Prozent der Kinder und die Leistungsspitze nach der vierten Klasse herausnimmt, streut Sand in die Augen, wenn er behauptet, dass die sechsjährige Grundschule als Regelfall beibehalten wird. Kerngedanke der sechsjährigen Grundschule ist das möglichst lange gemeinsame Lernen von Kindern. Bei PISA erfolgreiche Länder haben längere gemeinsame Lernzeiten. Eine frühe Aufteilung der Kinder auf die jeweilige Schulform, um somit homogene Leistungsgruppen zu erhalten, hat sich als Trugschluss herausgestellt. Die frühe Aufteilung ist somit eine soziale Ungerechtigkeit, weil Kinder ihrer Bildungschancen beraubt werden. Der von der CDU vorgeschlagene Umbau des brandenburgischen Bildungssystems würde diese Ungerechtigkeit noch verstärken, da das Verfassungsgebot der Durchlässigkeit unter den Schulformen, um zu höheren Bildungsabschlüssen zu kommen, im CDU-Modell nicht erkennbar ist."


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden