Frankenberg überreicht Schiller-Gedächtnis-Preis 2004 an Christoph Hein und Förderpreise an Rebekka Kricheldorf und Kathrin Röggla

"Mit Ihrer Person verbinden wir Mut, Unbeugsamkeit, Erfahrungsreichtum, Ge-schichtsträchtigkeit und eine klare, unbestechliche Stimme. Als Dramatiker und Erzähler, als politischer und literarischer Essayist gehören Sie zu den wichtigsten deutschen Autoren unserer Zeit, deren Bedeutung über die Gegenwart hinaus reicht." Mit diesen Worten würdigte Kunstminister Prof. Dr. Peter Frankenberg den Preisträger des Schiller-Gedächtnispreises 2004, Christoph Hein, im Rahmen eines Festakts am 10. November in Stuttgart. Dem Namenspatron des Literaturpreises gleich, seien die Werke Christoph Heins mehrfach Opfer der Zensur in der DDR geworden, so Frankenberg. "Das Problem der moralischen Integrität der Intellektuellen gegenüber der politischen Macht war für Sie bereits in den siebziger und achtziger Jahren ein zentrales Thema."

10.11.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Neben dem Ehrenpreis in Höhe von 25.000 Euro überreichte der Minister die mit jeweils 7.500 Euro dotierten Förderpreise an die beiden jungen Dramatikerinnen Rebekka Kricheldorf und Kathrin Röggla. "Sie beide stehen am Anfang einer viel versprechenden Karriere und leisten einen wichtigen Beitrag zur Belebung des deutschen Gegenwartstheaters", führte Frankenberg bei der Preisverleihung aus.

Der Kunstminister unterstrich die Verbundenheit Baden-Württembergs mit seiner reichen literarischen Tradition, die neben der Preisverleihung in einer breit angelegten Literaturförderung zum Ausdruck komme. Der Schiller-Gedächtnis-Preis, einer der bedeutendsten deutschen Literaturpreise, wurde 1955 aus Anlass des 150. Todestages von Friedrich Schiller gestiftet und wird alle drei Jahre an verdiente deutschsprachige Literaten verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Max Frisch, Golo Mann, Friedrich Dürrenmatt, Peter Handke, Hans Joachim Schädlich und Alexander Kluge. Während die Landesregierung mit dem Schiller-Gedächtnis-Preis die schöpferische Arbeit zeitgenössischer Schriftsteller fördert, sollen die Förderpreise den jungen Preisträgern ermöglichen, sich am Theater mit den Aufgaben von Dramaturgie und Inszenierung vertraut zu machen.

Christoph Hein, geboren am 8. April 1944 im schlesischen Heinzendorf, arbeitete von 1961 bis 1967 in unterschiedlichen Berufen: als Montagearbeiter, Buchhändler, Kellner, Journalist, als Schauspieler in kleineren Rollen sowie als Regieassistent. 1964 holte er sein Abitur an einer Abendschule nach. 1967 schrieb er sich an der Universität Leipzig für das Studium der Philosophie und der Logik ein, das er 1971 an der Humboldt Universität Berlin abschloss. Hein wurde Dramaturg an der Volksbühne Berlin unter der Leitung von Benno Besson. 1974 erhielt er eine Festanstellung als Hausautor, 1979 verließ er die Volksbühne und lebt seitdem als freier Schriftsteller. Christoph Hein ist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und war von 1998 bis 2000 Präsident des P.E.N-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Er erhielt zahlreiche Preise, u. a. den Solothurner Literaturpreis 2000 und den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2002.

Rebekka Kricheldorf, geboren 1974 in Freiburg, debütierte als Dramatikerin mit "Prinzessin Nicoletta", für das sie im Wettbewerb des Heidelberger Stückemarkts 2002 den Verleger- und den Publikumspreis erhielt. Für ihr zweites Stück "Kriegerfleisch" erhielt sie den Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker 2003. Mit Kricheldorf verfüge das junge deutsche Theater wieder über eine Autorin, die, wissend um die Gesetze des Dramas, Handlungsstränge entwickelt und reiche psychologisch gebaute Figuren erfindet. Ihre Themen wie z. B. ewige Jugend oder Unsterblichkeit seien der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatte abgelauscht.

Kathrin Röggla, geboren 1971 in Salzburg, gehört zu den meist beachteten Autoren der jungen Generation. Sie schreibt Prosa, Theaterstücke und Hörspiele und beteiligt sich an Inszenierungen von Theaterstücken und Performances. Bevorzugt bearbeitet sie gesellschaftliche und politische Themen. So sind die Ereignisse des 11. September 2001 Gegenstand des Theaterstücks "fake reports", das 2002 vom Volkstheater Wien uraufgeführt wurde. In ihren zeitkritischen Texten beschreibt sie die rastlose Gesellschaft, in der nur Job, Karriere und Jugendlichkeit von Bedeutung sind. In skizzierter, textflächiger Weise beschreibt sie post-moderne Existenzen, über deren Chancen allein das Label und der Jargon entscheiden. Röggla wurde für ihr literarisches Werk bereits mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Italo-Svevo-Preis 2001.


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