Ingeborg Hecht-Studniczka erhält Bundesverdienstkreuz

Für ihre Verdienste als eine aufrechte und unbeirrte Demokratin hat die in Freiburg lebende Autorin Ingeborg Hecht-Studniczka das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen bekommen. Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg überreichte ihr die hohe Auszeichnung am 8. Juni im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Stuttgart.

08.06.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

"Gewürdigt wird damit vor allem ihr couragiertes und unermüdliches Engagement bei der Aufklärung über die Zeit des Nationalsozialismus. Als Zeitzeugin scheut sie keine Entfernungen, um mutig und offen Aufklärungsarbeit über die Zeit des Nationalsozialismus zu leisten", betonte Frankenberg bei der feierlichen Verleihung.

Mit Ingeborg Hecht-Studniczka wird nach den Worten des Ministers eine Persönlichkeit geehrt, die durch das Schreiben einen Weg gefunden hat, ihre Geschichte aufzuarbeiten und über ihre Erfahrungen und ihr Leid sprechen zu können. Eine nachhaltige bundesweite und internationale Resonanz erfuhr ihr biografisch-dokumentarisches Buch: "Als unsichtbare Mauern wuchsen. Eine deutsche Familie unter den Nürnberger Rassegesetzen", das 1984 erschien und mehrfach neu aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Es gehöre längst zum Kanon der unverzichtbaren autobiografischen Texte über das Leben der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus, so Frankenberg. Die vielfältige und große Resonanz des Buches ließ 1991 den Band "Von der Heilsamkeit des Erinnerns" folgen, in dem die Reaktionen auf Ingeborg Hecht-Studniczkas erstes Buch mit eingebunden wurden. "In einer Kombination von biografischer Erzählung und Dokumentation vermittelt sie detaillierte Informationen über die Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung und versteht es, diese ihrem auch die junge Generation umfassenden Publikum mit einer Vielzahl von Büchern, Publikationen und Vorträgen nahe zu bringen" (Frankenberg). Unermüdlich vermittele sie in unzähligen Veranstaltungen Schülern und Lehrern den Schrecken und Terror des Naziregimes, um Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen anzusprechen und die "Heilsamkeit des Erinnerns" von Generation zu Generation zu ermöglichen und weiter zu geben.

Ingeborg Hecht-Studniczka wurde 1921 in Hamburg als Tochter eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter geboren. Als so genannter "Mischling 1. Grades" blieb ihr der Zugang zum Abitur und Studium verwehrt. Sie verließ 1943 Hamburg und siedelte mit ihrer Mutter nach Südbaden über, nachdem ihr Vater 1942 zuerst nach Sachsenhausen-Oranienburg und später nach Theresienstadt gebracht und neun Monate später nach Auschwitz verschleppt und ermordet wurde. Seit 1954 lebt sie in Freiburg. Ingeborg Hecht-Studniczka wurde mehrfach geehrt, unter anderem durch die Stadt Hamburg, die Stadt Freiburg und 1991 durch das Land Baden-Württemberg. Im November 2004 wurde Frau Hecht-Studniczka im Jüdischen Museum in Berlin für ihr Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus gewürdigt.


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