Kultur des Scheiterns nicht weiter finanzieren

"In einem 'PISA-Test' sollten Ministerpräsidenten und Finanzminister nachweisen, ob sie ihre Hausaufgaben nach PISA 2000 erledigt haben", rät Ludwig Eckinger, der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Das derzeitige Gerangel um die Deutungshoheit über PISA 2003 verstelle den Blick auf die notwendigen Arbeiten am System.

02.12.2004 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

"Verlierer sind bislang die Schülerinnen und Schüler", stellt Eckinger fest. "Es ist klar, dass grundsätzliche Änderungen am Schulsystem Zeit brauchen, aber ein Blick auf die Mittelkürzungen in den Ländern muss alarmieren." Der VBE-Bundesvorsitzende verweist darauf, dass der Schülerrückgang missbraucht wird, um dem Schulsystem Gelder zu entziehen. Kürzungen führten zur Streichung individueller Förderangebote in Schulen, zur Vergrößerung von Klassen, zur Streichung von Angeboten in der Lehrerfortbildung, zu ungenügender Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern. "Diese Kürzungen zeigen, wie ernst die Länder ihre Kultuszuständigkeit nehmen", sagt Eckinger. "Die Schule darf nicht für einen Machtpoker der Länder gegen den Bund missbraucht werden. Obenan steht die nationale Verantwortung für ein Schulsystem, das sozial unterschiedliche Ausgangslagen ausbalanciert und den Auftrag zu Bildungsgerechtigkeit umsetzt."

Ludwig Eckinger betont: "Alle Kinder und Jugendlichen haben ein Recht, durch die Schule gefordert und gefördert zu werden. Niemand hat das Recht, von oben Bildungsangebote in Häppchen zu portionieren. Im deutschen Schulsystem fehlt es nach wie vor an einer Diagnose-, Förder- und Evaluationskultur. Stattdessen wird das Scheitern kultiviert." Der VBE-Bundesvorsitzende unterstreicht, die 'zielgenaue' Aussortierung der Schülerinnen und Schüler lasse sich Deutschland etwas kosten. Die gesellschaftlichen Folgen seien eine halbe Million schulmüder Schüler, ein ungebrochener Zuwachs von Kindern und Jugendlichen an Sonderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen (die es so einzig in Deutschland gibt) und zehn Prozent Schulabgänger ohne Abschluss und ohne berufliche Chance.


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