Lehrerarbeitszeitmodell:

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig hat heute in einem Brief an alle Hamburger Lehrkräfte das Ergebnis der Evaluation des seit August 2003 geltenden Lehrerarbeitszeitmodells vorgestellt. Die Unternehmensberatung Mummert Consulting hatte in den vergangenen Monaten im Auftrag der Bildungsbehörde die umfangreiche Studie erstellt, unter anderem durch Befragung von über 1000 Lehrerinnen und Lehrern sowie rund zwei Drittel aller Hamburger Schulleitungen, durch Gespräche mit Verbands-, Kammer- und Gewerkschaftsvertretern sowie vertiefende Untersuchungen an ausgewählten Schulen.

31.03.2005 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)

Kernpunkt des bundesweit einmaligen Modells ist die Erfassung und Strukturierung der gesamten, auch außerunterrichtlichen Lehrerarbeitszeit gegenüber dem vormals üblichen Pflichtwochenstunden-Modell, das mit der Unterrichtszeit nur rund 40 Prozent der gesamten Lehrerarbeitszeit regelte.

Zentrale Ergebnisse der Untersuchung sind unter anderem:

  • Die Einführung des Lehrerarbeitszeitmodells in Hamburg hat zu keiner höheren durchschnittlichen Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte als in anderen Bundesländern geführt. Vielmehr geben Hamburger Lehrkräfte durchschnittlich eher weniger Unterrichtsstunden (s. Tabelle S. 3 im .pdf-Format).
  • Die Wirkung des Modells besteht vielmehr in einer spezifischen Umverteilung. Aufgaben, die früher von einigen Lehrkräften freiwillig neben ihrem Unterrichtsdeputat erledigt worden sind, haben nun einen Platz in der regulären Arbeitszeit gefunden. Das 'Sichtbar-Machen' der über die reine Unterrichtszeit hinausgehenden Arbeitszeitanteile hat zu einer angemesseneren Gleichverteilung der Gesamtarbeitszeit bei einer entsprechenden Umverteilung der Unterrichtsaufgaben geführt.
  • Eine deutliche Mehrheit der Schulleitungen von 73% spricht sich für die Beibehaltung des Lehrerarbeitszeitmodells aus. Cirka 40% der Lehrkräfte befürworten das Modell, 35% lehnen es ab.

Die Defizite in der Akzeptanz des Modells haben ihre Ursache zum einen in der gleichzeitigen Anpassung der wöchentlichen Lehrerarbeitszeit an die 40-Stunden-Woche der Beamten und Angestellten in Hamburg und der parallelen Umsetzung von Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung im Bildungsbereich. Zum anderen war die Begleitung der Schulleitungen bei der Einführung des Modells nicht hinreichend. Es bedarf einer noch intensiveren Unterstützung der Schulleitungen bei der selbstverantwortlichen Umsetzung der Gestaltungsfreiheiten des Modells durch die Bildungsbehörde.

Zur Behebung der Defizite schlagen die Gutachter unter anderem weiter vor:

  1. Einführung eines Berichtswesens zur Aufgabenverteilung an den Schulen
  2. Erarbeitung von Modellen zur Lösung des Vertretungsproblems
  3. Erarbeitung alternativer Modelle zur Verwendung von Funktions-Zeiten
  4. Erweiterung des Gestaltungsspielraums von Schulen
  5. Unterstützung der Schulleitungen bei der Organisation des Lehrerarbeitszeitmodells durch IT-Technik und Beratung
  6. Verbesserung der Kommunikation mit Schulleitungen und Lehrkräften
  7. Gewährleistung einer korrekten Information der Schulen über Behördenziele
  8. Stringente Aufgaben-, Kapazitäts- und Arbeitszeitplanung für Lehrkräfte seitens der Behörde
  9. Organisation zur Fortschreibung der Normarbeitszeitwerte
  10. Ausbau institutioneller Bemühungen zur Steigerung der Produktivität

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig: "Das Lehrerarbeitszeitmodell hat sich im Grundsatz bewährt. Es ist aus mehreren Gründen besser als das Pflichtwochenstundenmodell geeignet, die Arbeitszeit gleichmäßiger zu verteilen: Weil es alle schulischen Aufgaben erfasst, den Aufwand zur Erledigung der Aufgaben berücksichtigt und problemgerechte Anreizmechanismen zum selbstverantwortlichen Umgang mit knappen Ressourcen an Schulen schafft.

Damit hat das Lehrerarbeitszeitmodell einen Paradigmenwechsel im Selbstverständnis von Schule eingeleitet, den wir nun noch intensiver und zielgenauer unterstützen müssen. Die Vorschläge des Gutachtens sind zielführend und werden deshalb im Detail auf ihre Umsetzbarkeit geprüft."


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