Lehrerausbildung in "beklagenswertem Zustand"

Die Bildungsgewerkschaft GEW macht sich für einen Ausbau der Erziehungswissenschaften an den Universitäten und bessere Lehr- und Forschungsbedingungen an den Pädagogischen Hochschulen stark.

18.11.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

"Die Lehrerausbildung an den Universitäten ist in einem beklagenswerten Zustand. An den Pädagogischen Hochschulen leidet aufgrund überfüllter Seminare die Qualität und die dringend notwendige Schul- und Unterrichtsforschung bleibt fast vollständig auf der Strecke", sagte am Freitag in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die GEW wirft dem Wissenschaftsministerium vor, den vor einem Jahr veröffentlichten Evaluationsbericht der Erziehungswissenschaften zu ignorieren und den offensichtlichen Mängeln in der Lehrerausbildung tatenlos zuzusehen.

Prof. Marianne Horstkemper von der Uni Potsdam, stellvertretende Sprecherin der Gutachterkommission für die Erziehungswissenschaften im Südwesten stellte fest, dass die Erziehungswissenschaften im Südwesten nicht in der Lage sind, angemessene Leistungen zu erzielen. "Das Fach Erziehungswissenschaften muss sein Schattendasein verlassen. Deshalb empfehlen die Gutachter an jeder Universität mit Lehrerbildung mindestens zwei erziehungswissenschaftliche Lehrstühle einzurichten", so Horstkemper.

Prof. Thorsten Bohl von der Pädagogischen Hochschule (PH) Weingarten setzt sich für eine Gesamtkonzeption zur Lehrerbildung in Baden-Württemberg ein. "Wir brauchen eine Kooperation zwischen den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen. Derzeit ist die Zusammenarbeit oft von Konkurrenz geprägt und die Kompetenzen der Pädagogischen Hochschulen in der Didaktik-Ausbildung werden von den Universitäten kaum genutzt", sagte Bohl.

OECD kritisiert Lehrerausbildung

In ihrem Vorbericht zur so genannten "Lehrerstudie" schreiben die OECD-Expert/innen: "Die starke Fragmentierung nach Schularten und Fächern ist einer der Hauptschwachpunkte des gesetzlichen Rahmens für die Ausbildung und die Beschäftigung von Lehrkräften in Deutschland. Wir sehen zahlreiche Beispiele für isolierte Operationen in Bereichen, wo Integration nicht nur zu einem effizienteren Ressourceneinsatz führen, sondern vermutlich auch für einen besseren fachlichen Inhalt sorgen könnte." In Baden-Württemberg leidet die Qualität der Lehrerausbildung nicht nur unter einer starken Zersplitterung nach Schularten und Fächern, sondern auch durch die getrennte Ausbildung an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten.

31.437 Lehramtsstudierende

In Baden-Württemberg gab es an den Pädagogischen Hochschulen und den Universitäten im Wintersemester 2004/05 31.437 Studierende. 12.752 davon wollen Lehrer/innen an Gymnasien werden, 10.719 studieren das Lehramt für Grund- und Hauptschulen und 6.028 wollen später an Realschulen unterrichten. Die Mehrzahl der Studierenden sind Frauen. An den Pädagogischen Hochschulen, an denen Grund-, Haupt, Real- und Sonderschullehrer/innen ausgebildet werden, waren im Wintersemester 2004/05 unter den 21.244 Studierenden 16.976 Frauen.

Die GEW veranstaltet heute eine Expertenanhörung zur Situation der Erziehungswissenschaften in Baden-Württemberg, an der Lehrende fast aller Hochschulen im Südwesten teilnehmen.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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