Modularisierung: Fiasko in den Studienseminaren zum 1.August?

Den hessischen Studienseminaren droht zum Schuljahresbeginn ein Fiasko bei der modularisierten Ausbildung von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst (LiV). Es fehlen Ausbilderinnen und Ausbilder, um in allen durch die Verordnung zur Umsetzung des Hessischen Lehrerbildungsgesetzes (HLbG-UVO) festgelegten Modulen auszubilden.

10.04.2006 Hessen Pressemeldung GEW Hessen

Nach Berechnungen der für die Lehrerbildung fachlich Zuständigen der GEW Hessen Joachim Euler und Heike Lühmann erfordert die modularisierte Ausbildung mindestens 25 % mehr Ausbilderinnen und Ausbilder als die bisherige Ausbildung, die auf Grund des neuen Lehrerbildungsgesetzes vor einem Jahr durch eine modularisierte abgelöst wurde. Die vormalige Ausbildung kannte an vielen Studienseminaren nur Pflichtveranstaltungen für die LiV.

Die Reform des bis dahin funktionierenden und kaum kritisierten hessischen Lehrer-Vorbereitungsdienstes stieß deshalb von Anfang an auf große Skepsis nicht nur bei der GEW, sondern auch an den Studienseminaren. Vor allem wurde der "Prüfungsmarathon", so GEW-Landesvorsitzender Jochen Nagel, kritisiert. Danach werden die Referendarinnen und Referendare unter anderem in zwölf Modulen innerhalb von etwa 15 Monaten laufend bewertet und müssen danach noch zusätzlich eine dreiteilige Zweite Staatsprüfung ablegen. Die GEW lehnte diese Reform deshalb nicht grundsätzlich ab, weil sie die Argumente der Studienseminare, LiV, Ausbilderinnen und Ausbilder für die Modulvielfalt akzeptierte. Erstmals sollten neben den bewerteten Modulen auch nicht bewertete Module in einem Umfang von einem Drittel der Veranstaltungen an den Studienseminaren angeboten werden. Die LiV können diese Module, die neu sind und spezifische individuelle Interessen berücksichtigen, weitestgehend frei wählen.

Für diese inhaltliche Reform, die Geld kostet, wurden jedoch keine weiteren Finanzmittel bereitgestellt. Um die HLbG-Verordnung zu erfüllen, müssten demnach mehr als 25 % Ausbilderinnen und Ausbilder zusätzlich zum 1.8. eingestellt werden. Hierfür fehlt bislang das Geld. Andernfalls müssen die Ausbilderinnen und Ausbilder weitere Überstunden dauerhaft leisten, was an rechtliche Grenzen stößt. Auch könnte der Umfang der bewerteten Modulveranstaltungen an den Studienseminaren reduziert werden. Diese im Hessischen Kultusministerium und im Amt für Lehrerbildung (AfL) diskutierten Lösungsvorschläge lösen allerdings nur vorübergehend, aber nicht strukturell das Problem. Daher wird in Erwägung gezogen, die nicht bewerteten seminarspezifischen Module teilweise oder sogar ganz zum 1.8. aus der Pädagogischen Ausbildung zu streichen.

Ansprechpartner

GEW Hessen

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