Neuer Kultusminister: Vertrauen zurückgewinnen

Die Bildungsgewerkschaft GEW gratuliert Helmut Rau zur Ernennung zum neuen Kultusminister in Baden-Württemberg. "Wir haben Helmut Rau als verlässlichen Partner kennen gelernt, der zum offenen Gespräch mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern bereit ist. Wir laden ihn ein, mit uns einen Dialog über die Zukunft der Schulen in Baden-Württemberg zu initiieren", sagte am Dienstag (27.09.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

27.09.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Auf den neuen Kultusminister sieht die GEW große Herausforderungen zukommen. "Es ist das Verdienst von Raus Vorgängerin Annette Schavan, dass in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren neue Stellen geschaffen wurden. In Zukunft wird es darum gehen, dass bei zurückgehenden Schülerzahlen der größte Teil der freiwerdenden Stellen für die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen, den Ausbau der Ganztagsschulen und eine intensivere individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen verwendet wird", so Dahlem.

Die GEW lobt Rau als "fairen Verhandlungspartner". In seiner Funktion als schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion hat er 1997 die Verhandlungen zu dem von der GEW initiierten Beschäftigungsvertrag geführt. Das daraus entstandene Vorgriffsstundenmodell gilt bundesweit als vorbildhaft. Die Bildungsgewerkschaft, die im Südwesten 40.000 Mitglieder hat und die meisten Lehrkräfte vertritt, hat mit diesem Modell rund 1.100 Arbeitsplätze für junge Lehrer/innen gesichert und Arbeitszeiterhöhungen verhindert.

"Mit Schavan ist zwar Bewegung in die Bildungslandschaft gekommen. Ihre Reformen hat sie allerdings auf dem Rücken der Lehrerinnen und Lehrer eingeführt, deren Arbeitsbedingungen sich seit 1995 verschlechtert haben. Rau hat die Chance, das verloren gegangene Vertrauen der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern zurück zu gewinnen und wieder eine offene Dialog-Kultur einzuführen", sagte Dahlem.

36.000 Lehrer/innen im Vorgriffsstundenmodell

Mit mehr als 36.000 Lehrer/innen an Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen war ein Vertrag über 15 Jahre geschlossen worden. Von 1998 bis 2003 arbeiteten diese eine Unterrichtsstunde zusätzlich, bis 2008 arbeiten sie genauso lange wie bei Vertragsabschluss und von 2009 bis 2013 bekommen sie ihre Mehrleistung zurückerstattet.
Durch diese Vereinbarung standen den Schulen ohne finanziellen Mehraufwand der Landesregierung zwischen 1998 und 2003 1.100 Deputate zusätzlich zur Verfügung. 2003 konnten durch dieses Modell eine Arbeitszeiterhöhung wie in den Gymnasien und Beruflichen Schulen verhindert und so die Arbeitsplätze für 1.100 junge Lehrer/innen gesichert werden. Ein Vorgriffsstundenmodell für Gymnasien und Berufliche Schulen war 1998 am Widerstand der Lehrerverbände des Beamtenbundes gescheitert.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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