Neues aus der Biomaterialforschung: Textilien unterstützen Knochenaufbau

Dresdner Forscher und sächsische Unternehmer entwickeln derzeit gemeinsam ein Verfahren zur Heilung von Knochenverletzungen über die Kultivierung und Implantierung körpereigener Zellen und Gewebe (Tissue Engineering von Röhrenknochen). Im ersten Teil des Projektes geht es um die Entwicklung und Erprobung von textilen Strukturen, so genannten Scaffolds. Diese sollen zunächst als Zellkulturträger außerhalb des Organismus die Vermehrung und das Wachstum körpereigener Zellen und Gewebe erlauben.

29.07.2004 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Im zweiten Schritt der Therapie sollen die mit Zellen besiedelten Träger in den verletzten Knochen einbracht werden können, dort bis zum Aufbau von ausreichend körpereigenem Gewebe als Stützstrukturen verbleiben und schließlich im Körper rückstandslos abgebaut werden.

Wissenschaftsminister Dr. Matthias Rößler "Viele Menschen, die durch Unfälle oder Tumore Knochenverletzungen haben, können in Zukunft auf bessere Heilungschancen hoffen. Innerhalb der Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Biotechnologie im Freistaat Sachsen nimmt die Biomaterialforschung einen großen Stellenwert ein. Dieser Bereich kann sich neben der Mikroelektronik zu einem weiteren wirtschaftlichen Wachstumsmotor entwickeln."

Kooperationspartner im vom BMBF geförderten Projekt "Tissue Engineering von Röhrenknochen" sind das Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e.V. (IPF), die Technische Universität Dresden (TUD) mit dem Institut für Werkstoffwissenschaft und dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, sowie zwei mittelständische sächsische Unternehmen, die Fa. Rolf Möckel und die Fa. Catgut GmbH aus dem Vogtland.

IPF und TUD konnten im Jahre 2002 ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Biomaterialforschung unter dem Dach des Max-Bergmann-Zentrums für Biomaterialien (MBZ) zusammenführen, das als gemeinsame Initiative beider Einrichtungen mit Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie der EU errichtet wurde.

Am Max-Bergmann-Zentrum werden durch Forscher aus dem IPF Fäden aus Polyhydroxybuttersäure hergestellt. Mittels einer modifizierten Sticktechnik werden die PHB-Fäden danach zu dreidimensionalen porösen Textilstrukturen (Scaffolds) verarbeitet, die für ihre Aufgaben als Zellkulturträger und Stützstruktur optimal zu gestalten sind.

Die Besiedlung der Scaffolds mit Zellen und die Testung ihrer Eignung dafür (Bio-Surface Engineering) ist Aufgabe der Wissenschaftler aus dem Institut für Werkstoffwissenschaften der TUD, die zellbiologische und tierexperimentelle Bewertung erfolgt am Universitätsklinikum. Durch die enge Zusammenarbeit der Forscher verschiedener Einrichtungen im Max-Bergmann-Zentrum können die Erkenntnisse und Ergebnisse dieser Erprobungen sehr schnell und direkt in die weitere Optimierung der Scaffolds eingebracht werden.

Die technologische Umsetzung der Scaffold-Herstellung in die Produktion ist Aufgabe der Fa. Rolf Möckel, die ihr textiltechnisches Know-how damit in das hoch innovative und zukunftsträchtige Feld der Herstellung medizinischer Produkte einbringt. Die Fa. Catgut übernimmt die technologische Umsetzung im Bereich des Bio-Surface Engineering.

Das Forschungsprojekt hat zunächst eine Laufzeit bis Anfang 2006.


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