"Rente mit 67" spielt Generationen gegeneinander aus

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und seine Junglehrerorganisation ADJ lehnen die "Rente mit 67" ab. "Es ist eine irrige Vorstellung, auf diesem Wege die sozialen Sicherungssysteme konsolidieren zu wollen", kritisiert VBE-Bundesvorsitzender Ludwig Eckinger. Er warnt zugleich: "Die derzeitige Diskussion über Ausnahmeregelungen für einzelne Berufsgruppen lenkt lediglich vom Hauptproblem ab". Im öffentlichen Dienst müssten noch immer viel zu viele Beschäftigte vor Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden.

13.02.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

"Statt eines pauschalen Hinausschiebens der Altersgrenze brauchen wir Bedingungen, damit überhaupt bis 65 gearbeitet werden kann, stellt VBE-Bundesvorsitzender Ludwig Eckinger fest. Andernfalls sei die "Rente mit 67" nur eine Maßnahme, um die Versorgung zu kürzen. ADJ-Bundesvorsitzender Oliver Arlt bewertet die Rentenpläne als "eine Beschneidung der Zukunftschancen junger Menschen". "Es ist ein Widerspruch", so Arlt, "einerseits die langen Schul- und Studienzeiten in Deutschland zu beklagen und gleichzeitig Pläne zu schmieden, die die Einstellungs- und Aufstiegschancen junger Menschen im öffentlichen Dienst nachhaltig einschränken." Arlt sieht darin eine "Beschädigung des Generationenverhältnisses".

"In Deutschland gelingt es weder in der Wirtschaft noch im öffentlichen Dienst", so Eckinger, "mit Anstand und Würde aus dem Berufsleben auszuscheiden. Für Lehrerinnen und Lehrer liegt derzeit das durchschnittliche Alter bei der Versetzung in den Ruhestand deutlich unter 60. Hauptgrund ist die Verweigerung des Staates, unserer Berufsgruppe die notwendige Prävention und Gesundheitsfürsorge zur Erhaltung ihrer Arbeitskraft zu gewährleisten."

Ludwig Eckinger verweist auf Ergebnisse der Potsdamer Lehrerstudie, die der VBE zusammen mit den anderen dbb-Lehrerorganisationen in Auftrag gegeben hatte. Demnach seien die Arbeitsbedingungen an Schulen, die Lehrerinnen und Lehrer am meisten belasteten, große Klassen und das Verhalten schwieriger Schüler. Nahezu jeder zweite Lehrer fühle sich durch besonderen Stress im Übermaß belastet. Fast jeder dritte zeige Anzeichen von Selbstüberforderung und Resignation. "Die Ergebnisse der Studie werden nach wie vor in den Kultusministerien ignoriert", betont Eckinger. "Noch immer werden angehende Lehrer in ihrem Studium nicht speziell auf die hohen Anforderungen des Berufes vorbereitet. Und an den Schulen wird aus Kostengründen die Arbeit stetig verdichtet – durch die Erhöhung der Pflichtstundenzahl, das Streichen von Personalreserven gegen Unterrichtsausfall und durch ein Übermaß an Verwaltungsvorschriften."


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