Schavan wirbt für mehr gesellschaftliche Akzeptanz der Hochbegabtenförderung

"Wir brauchen junge Menschen, die bereit sind, ihre besonderen Fähigkeiten und Begabungen in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen." Dies sagte Kultusministerin Dr. Annette Schavan bei der offiziellen Eröffnung des privaten Hochbegabten-Gymnasiums "Leonardo da Vinci" am Freitag in Neckargemünd. Das Ziel von Begabtenförderung dürfe nicht sein, "weltfremde Intellektuelle heranzubilden."

22.10.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Schavan würdigte das pädagogische Konzept der Schule, in dessen Mittelpunkt die ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit stehe. Dabei spiele die Erziehung zu Team- und Kritikfähigkeit, zu Toleranz, Weltoffenheit und sozialem Engagement eine herausragende Rolle. Dies entspreche auch dem Hochbegabtenkonzept des Landes. Der Name des privaten Hochbegabten-Gymnasiums sei ohnehin Programm. Die Biografie da Vincis könne der Begabtenförderung als Vorbild dienen. "Die überdurchschnittlichen Fähigkeiten da Vincis, seine vielseitigen Interessen und Begabungen sowie seine außergewöhnliche Leistungsbereitschaft wurden frühzeitig entdeckt und von seinen Lehrern gezielt gefördert", sagte Schavan. Die Kultusministerin warb in ihrer Ansprache für mehr gesellschaftliche Akzeptanz von Hochbegabung. Deutschland brauche Begabungs- und Verantwortungseliten.

"Besonders begabte Kinder und Jugendliche gehören in die Mitte unserer Gesellschaft. Ihre Fähigkeiten und Talente sollten als Bereicherung für uns alle anerkannt und gewürdigt werden." Ein leistungsfähiges und gerechtes Bildungssystem zeichne sich dadurch aus, dass es individuell auf die unterschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen der Kinder und Jugendlichen eingehe. "Wir wollen alle Schüler entsprechend ihrer Begabungen fördern und allen die Chance auf ein erfolgreiches Berufsleben eröffnen", erklärte Schavan. Neben der notwendigen Förderung von benachteiligten und lernschwachen Schülerinnen und Schülern liege es deshalb in der Verantwortung von Schule, auch begabten und hoch begabten Kindern und Jugendlichen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Dies seien zwei Seiten einer Medaille. Ohne gezielte Förderung würden die Fähigkeiten und Talente besonders begabter junger Menschen verkümmern.

Die Förderung begabter Kinder und Jugendlicher ist fester Bestandteil der Bildungspolitik in Baden-Württemberg. Das Land hat in der Begabtenförderung langjährige Erfahrung. Bereits seit 1985 werden besonders befähigte Schülerinnen und Schüler in speziellen Arbeitsgemeinschaften gefördert. Es sei wichtig, so Schavan, die breite Palette von Fördermöglichkeiten besonders begabter Schülerinnen und Schüler im ganzen Land zu erhalten und auszubauen. "Begabtenförderung muss es an jeder Schule geben. Dennoch gibt es Bedarf für Schulen wie das Leonardo da Vinci Gymnasium und das Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd", erklärte die Kultusministerin. Die Einrichtung des Landesgymnasiums für Hochbegabte unterstreiche den hohen Stellenwert der Hochbegabtenförderung in Baden-Württemberg.

Nach zweijähriger Vorbereitungszeit hat das Leonardo da Vinci Gymnasium bereits am 13. September den Schulbetrieb mit der fünften Jahrgangsstufe aufgenommen. Die Schüler, zwei Mädchen und 13 Jungen, sind zwischen acht und zehn Jahre alt und kommen zum überwiegenden Teil aus dem Rhein-Neckar-Kreis. Der neue Bildungsplan des Kultusministeriums für das Gymnasium bildet die Grundlage des Unterrichts. Die Schule bietet sowohl das naturwissenschaftliche als auch das sprachliche Profil an. Die zusätzlichen Angebote des Gymnasiums sind das Herzstück der spezifischen Förderung für die hoch begabten Schülerinnen und Schüler. Das Schuljahr wird in Trimester eingeteilt. Im ersten stehen persönlichkeitsbildende, im zweiten fachliche und im dritten Trimester offene Zusatzangebote im Vordergrund.

Träger des privaten Hochbegabten-Gymnasiums ist die Stephen-Hawking-Schule Neckargemünd, ein Unternehmen der SRH-Holding (Stiftung Rehabilitation Heidelberg) Das Leonardo da Vinci Gymnasium ist Teil der Stephen-Hawking-Schule Neckargemünd GmbH. Für die pädagogische Leitung konnte die SRH-Holding den ehemaligen Präsidenten des Oberschulamtes Karlsruhe, Dr. Friedrich Hirsch, gewinnen, der sich seit Jahren für die Hochbegabtenförderung in Baden-Württemberg einsetzt.


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