"Tag der Lehre" in Stuttgart

Die Qualität der akademischen Lehre an den Universitäten darzustellen und durch vielfältige Impulse weiter zu entwickeln, darum ging es beim "Tag der Lehre", den das Wissenschaftsministerium am 28. Oktober gemeinsam mit der Universität Stuttgart ausgerichtet hat.

28.10.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

"Die Förderung der Lehre, die gegenüber der Forschung oftmals zu gering geschätzt wird, ist eine Kernaufgabe der Hochschulpolitik", betonte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg. Der "Tag der Lehre" fand zum fünften Mal statt und stand in diesem Jahr unter dem Motto "eLearning in der Lehre". Auf dem Programm standen Vorträge, Workshops und Gespräche.

Bei der Veranstaltung zeichnete Frankenberg zwei Hochschullehrerinnen mit dem herausgehobenen Landeslehrpreis aus, und zwar Prof. Dr. Caroline Röhr vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg und Dr. Susanne Lin-Klitzing vom Institut für Erziehungswissenschaft und Psychologie der Universität Stuttgart. Außerdem verlieh der Minister die "Baden-Württemberg-Zertifikate" an 68 Hochschullehrerinnen und -lehrer. Sie hatten erfolgreich an dem Zertifizierungsprogramm des Hochschuldidaktikzentrums Baden-Württemberg und des Kompetenzzentrums für Medizin teilgenommen. Das Zertifikat bescheinigt den Lehrenden national und international, dass sie eine hervorragende Ausbildung im Bereich der Lehre durchlaufen haben. (Eine Liste der Zertifikats-Empfänger ist bei der Pressestelle des Wissenschaftsministerium erhältlich.)

Landeslehrpreis würdigt qualifizierte Lehrleistungen

"Mit dem Landeslehrpreis wollen wir herausragende Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Lehre belohnen", erklärte Minister Frankenberg. Der Preis ist für die neun Landesuniversitäten mit insgesamt 120.000 Euro dotiert. Die Preiskategorie für ganz besonders qualifizierte Lehrleistungen wurde auch in diesem Jahr zentral am Tag der Lehre vergeben. Die beiden herausgehobenen Preisträgerinnen erhielten das erhöhte Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro zur Verwendung in ihren Lehrprojekten. Die Jury setzte sich zusammen aus je drei Studierenden und drei ehemaligen Preisträgern.

Preisträgerin Prof. Dr. Caroline Röhr
Prof. Dr. Caroline Röhr ist Professorin für Anorganische Chemie an der Universität Freiburg. Sie erhielt den herausgehobenen Landeslehrpreis für ihre herausragenden Leistungen bei der Nutzung des Internets und der Neuen Medien für die Hochschullehre. "Der Preis würdigt vor allem die vorbildliche Internet-Vorlesung, die bei nationalen und internationalen Tagungen auf ein breites Interesse gestoßen ist", betonte Frankenberg. Prof. Röhr setzt zum besseren Verständnis komplexer Kristallstrukturen, ergänzend zu Texten, externen Links und Grafiken auch interaktiv bewegbare Abbildungen ein. Diese Modelle sind mit Hilfe der Virtual Reality Modeling Language (VRML) unabhängig von teuren oder plattformabhängigen Spezialprogrammen im Internet zugänglich.

"Die Gutacher haben vor allem die hohe didaktische Qualität der Vorlesungs-Konzepts, den sehr guten Aufbau und die übersichtliche Darstellung positiv bewertet", stellte Frankenberg heraus. Dies ermögliche es auch Fachfremden, die im Web verfügbaren Volltext-Fassungen der Vorlesungen zu nutzen. Positiv habe die Jury auch Prof. Röhrs Aktivitäten zugunsten von Lehrerfortbildungs- und Schülerseminaren. "Ich hebe das vor allem auch deshalb hervor, weil wir bei den Jugendlichen dringend Interesse für die Naturwissenschaften wecken müssen", so Frankenberg. Entscheidend gewesen sei für die Gutachter außerdem der hohe persönlicher Einsatz, die außergewöhnliche didaktische Kompetenz und nicht zuletzt die durchweg positive Bewertung ihrer Lehre durch die Studierenden.

Preisträgerin Dr. Susanne Lin-Klitzing
Dr. Susanne Lin-Klitzing ist Akademische Oberrätin am Institut für Erziehungswissenschaft und Psychologie der Universität Stuttgart. Sie erhielt den Landeslehrpreis für ihre herausragenden Lehrleistungen, die durch eine anregende Vielfalt, klare Strukturen und eine große didaktische Befähigung getragen sind.

"Die Lehrveranstaltungen von Dr. Lin-Klitzing zeichnen sich durch einen besonders stringenten Aufbau und hervorragend aufbereitetes Begleitmaterial aus", sagte Minister Frankenberg. Sie verbinde offene Formen der Lehre und Elemente traditioneller Lehre ziel- und ergebnisorientiert miteinander, auch unter Einsatz der neuen Medien. "In der Lehrveranstaltung 'Didaktische Modelle - online präsentiert' entwickeln Studierende eine online verfügbare Lernsoftware. Dr. Lin-Klitzing berät und leitet sie dabei an. Eine solche Grundlagen-Lernsoftware zum Thema Didaktik ist bundesweit ein Novum", unterstrich der Minister. Das Lehrkonzept sei von den Gutachtern als sehr benutzerfreundlich eingestuft worden. Gewürdigt worden seien auch der interesse- und wissensfördernde Aufbau, die Interdisziplinarität des Lehrkonzepts und seine Übertragbarkeit auf andere Disziplinen sowie die herausragend positive Bewertung der Veranstaltungen durch die Studierenden.

Baden-Württemberg-Zertifikat bescheinigt hochschuldidaktische Kompetenz

"Der Erwerb hochschuldidaktischer Kompetenzen gewinnt angesichts steigender Erwartungen an die Bildungsangebote der Hochschulen immer mehr an Bedeutung", erklärte Frankenberg bei der Übergabe der Baden-Württemberg-Zertifikate. Hochschuldidaktische Fragestellungen seien an den Hochschulen ein verbreitetes Thema, allerdings sei die praktische Lehrkompetenz im Vergleich zur hochschuldidaktischen Forschung lange Zeit vernachlässigt worden. Hier bestehe Handlungsbedarf. "Hochschullehre, die zum Lernen anregt, ist wesentlich, um Studierende zu motivieren. Sie ist unverzichtbar, wenn die Hochschulen mit einem qualitätsbezogenen Profil im Wettbewerb bestehen wollen. Die Studierenden müssen spüren, dass die Hochschulen ihren Bildungsauftrag ernst nehmen", forderte der Minister.

"Baden-Württemberg ist mit der Einrichtung des Hochschuldidaktikzentrums und des Kompetenzzentrums für Hochschuldidaktik in der Medizin einen bundesweit einzigartigen Weg gegangen, um Lehrende und Nachwuchswissenschaftler auf ihre Lehrtätigkeit vorzubereiten", so Frankenberg. Beide Einrichtungen seien national und international sehr beachtet. Auch mit der Verleihung der Zertifikate für hochschuldidaktische Kompetenzen habe das Land bundesweit einen Meilenstein gesetzt. Der Erfolg lasse sich an den gestiegenen Absolventenzahlen ablesen: Während im vergangenen Jahr 47 Lehrende das Zertifikat erhalten hatten, seien es jetzt schon 68.

Das modular aufgebaute Zertifizierungsprogramm setze mit insgesamt 200 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten hohe internationale Maßstäbe. Es umfasse Veranstaltungen zu hochschuldidaktischen Grundlagen sowie zur Vertiefung hochschuldidaktischer Kenntnisse und Fähigkeiten, Lehrhospitationen, Angebote zur Beratung sowie individuelle Formen der didaktischen Reflektion und Dokumentation von Leistungen in der Lehre. Vermittelt werden Fähigkeiten vor allem in den Bereichen Methodik, Vermittlung von Schlüsselkompetenzen, multimediale Lehre und Arbeit mit Studierenden in Lehrveranstaltungen. "Mit dem Zertifikat wollen wir auch bundesweit einen Anreiz geben, hochschuldidaktische Kompetenzen zu vermitteln und zu zertifizieren", sagte Frankenberg. "Ich hoffe, dass sich unser Zertifikat bei Bewerbungen auf Professorenstellen als ein Qualitätsnachweis durchsetzt, der die Einstellungsentscheidung maßgeblich mit beeinflusst. Das Zertifikat mit der ihm zugrunde liegenden Ausbildung wird somit nicht nur den Lernenden zugute kommen, sondern auch den Lehrenden. Dies ist im internationalen Wettbewerb der Hochschulen um die besten Studierenden und Wissenschaftler von großer Bedeutung."


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