VBE für Bildungssystem ohne Sackgassen

"Das Prinzip der Auslese darf nicht länger im deutschen Schulsystem dominieren", forderte heute auf dem Bildungspolitischen Symposium des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Düsseldorf Bundesvorsitzender Ludwig Eckinger.

11.05.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

Der VBE setze sich für ein neues Bildungsprinzip ein, sagte Eckinger vor den rund 100 Teilnehmern – Vertretern aus Politik, Kultus, Wissenschaft, Schule und Kirche. "Wir brauchen eine hochwertige Förderung in der Breite auf allen Schulstufen, damit allen Schülerinnen und Schülern ein höheres Bildungsniveau ermöglicht wird. Notwendig ist ein neues Bewusstsein des Förderns und Forderns in einem Bildungssystem, das keine Sackgassen zulässt und alle Bildungswege nach oben offen hält." Die Botschaft einer modernen Schule müsse demnach lauten: Jeder werde gebraucht, jeder habe seine Chance. Dies entspreche dem Grundanliegen einer Demokratie, so Eckinger. Er widersprach Tendenzen, mehr Leistung durch schärfere Auslese erreichen zu wollen. "Wir müssen endlich in unserem Schulsystem der Erfahrung des Scheiterns den Boden entziehen. Jeder soll erfahren, er kann es noch besser", betonte Eckinger.

Der VBE-Bundesvorsitzende kritisierte: "In unserem gegliederten Schulsystem entscheidet die soziale Herkunft der Kinder und Jugendlichen weitgehend über deren Bildungsweg. An den Hauptschulen ist jeder zweite Schüler arm, an den Gymnasien jeder elfte." Selbst bei gleichen kognitiven Grundfähigkeiten und gleicher Lesekompetenz hätten Oberschichtkinder die 2,6-fache Chance auf ein Gymnasium zu kommen. "In den Hauptschulen, die die einzigen Pflichtschulen im Schulsystem sind, wird tagtäglich ein Kampf gegen Gewalt, Hoffnungslosigkeit, Schulmüdigkeit und fehlende Perspektiven geführt. Die gesellschaftlichen Folgekosten, die entstehen, wenn die soziale Sprengkraft deutscher Bildungspolitik ihre Wirkung entfaltet, werden immer noch nicht beachtet." Der Ruf nach Abschaffung der Hauptschule löse das Problem mangelnder Bildungsgerechtigkeit jedoch nicht, so Eckinger. "Es muss zugleich klar werden, welche Schule dann zur Pflichtschule wird, die der Staat vorhalten muss. Denn: An der staatlichen Schulpflicht darf auf keinen Fall gerüttelt werden."

Eckinger bezeichnete das vom VBE in Nordrhein-Westfalen vorgelegte Modell der "Allgemeinen Sekundarschule" als "einen Versuch, den örtlichen und regionalen Erfordernissen an Schule und Bildung gerecht zu werden". Damit würden Modelle einer zweigliedrigen Schulstruktur aufgegriffen, für die der VBE bereits seit längerem werbe. "Im Prinzip muss eine Schule bis zum Ende der zehnten Klasse für alle Schülerinnen und Schüler verantwortlich bleiben", unterstrich Eckinger.

"Rückläufige Schülerzahlen müssen nicht zwangsläufig zum Verlust eines wohnortnahen Bildungsangebots führen", erklärte auf dem Symposium der Landesvorsitzende des VBE NRW Udo Beckmann. "Allerdings hilft hier keine Augen-zu-und-durch-Mentalität, wie sie die Landesregierung an den Tag legt." Rückläufige Schülerzahlen und rückläufige Anmeldezahlen für die Hauptschulen würden mittelfristig dazu führen, so Beckmann, dass das Schulsystem in seiner jetzt strikt gegliederten Form nicht erhalten bleiben könne. In NRW erhöhte sich die Zahl der im Bestand gefährdeten Hauptschulen im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent, die der gefährdeten Realschulen um 47 Prozent. Beckmann forderte die Landesregierung NRW auf, sich dieser Entwicklung zu stellen und als Chance zum Umdenken in Schulstrukturfragen anzusehen.


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