Bildung findet nicht nur in der Schule statt

(hib/SKE) Eine bessere Verzahnung von Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen soll im Fokus der Bildungspolitik des Bundes stehen. Ein entsprechender Antrag von CDU/CSU und SPD (16/2754) wurde am Mittwoch mit den Stimmen der Koalition in der 20. Sitzung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend angenommen. Darin verlangen die Politiker von der Bundesregierung unter anderem, den "Nationalen Aktionsplan für ein kindgerechtes Deutschland 2005 bis 2010" weiter zügig umzusetzen.

18.10.2006 Pressemeldung Deutscher Bundestag

Zu den insgesamt 19 Punkten zählen die Forderungen nach einem Ausbau von Ganztagsbetreuung von unter Dreijährigen und Kindergartenkindern sowie Hilfe beim Aufbau eines Netzwerkes zur fachlichen Begleitung von Kooperationen von Kinder- und Jugendhilfe mit Schulen.

Der Antrag bezog sich auf den 12. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung (15/6014), der unter dem Titel "Bildung, Betreuung und Erziehung vor und neben der Schule" davon abgeraten hatte, Schule nur als Ort des Lernens und Familie als Ort der Erziehung zu sehen.

"Wir müssen Menschen befähigen, ihr Leben individuell in die Hand zu nehmen", sagte Professor Thomas Rauschenbach, Vorsitzender der Sachverständigenkommission, in seiner Zusammenfassung der Forschungsergebnisse.

Alle Parteien begrüßten den Bericht. Insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen Debatte um den Bericht der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Entstehung einer so genannten Unterschicht sowie um den Tod des zweijährigen Kevin in Bremen sei eine intensive Auseinandersetzung über die richtige Form der Bildung als Ausweg aus Armut notwendig.

CDU/CSU und SPD hatten in ihrem Antrag betont, dass der Verbesserung der Situation von benachteiligten jungen Menschen besondere Bedeutung zukomme. Die CDU wünschte sich Ideen, mit welchen Mitteln speziell Familien aus der so genannten Unterschicht zur Bildung ihrer Kinder motiviert werden könnten.

Die Diskussion um die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Orten, in denen Kinder lernten, sei nicht neu. Dass Kinder nicht nur in der Schule lernen, sei schon vor langer Zeit erkannt, aber scheinbar wieder vergessen worden.

Die SPD sah bei der Vernetzung der verschiedenen Beteiligten in den Kommunen Handlungsbedarf. Die FDP hob hervor, wie wichtig männliche Fachkräfte in Kindergärten und Grundschulen für die Entwicklung der Kinder seien. Die Grünen forderten, bei Reformen den materiellen Aspekt, dass Bildung für wohlhabendere Kinder leichter zugänglich sei, nicht zu vergessen. Die Linke sagte, ein hoher Standard bei frühkindlicher Betreuung sei notwendig.

Abgelehnt wurden die Anträge der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. Bündnis 90/Die Grünen hatten unter anderem gefordert, einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung ab dem ersten Lebensjahr im Gesetz festzuschreiben (16/817). Die Linke hatte zum einen eine finanzielle Grundsicherung für Kinder aus sozial schwachen Familien verlangt, die über das Kindergeld hinausgehen sollte (16/2077). Des Weiteren plädierte sie dafür, bundesweite Standards für Bildung zu schaffen und die Bundesprogramme zur Förderung der Zivilgesellschaft dauerhaft abzusichern (16/827).

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