Das Saarland und das DRK setzen mit "Signal" Zeichen - Sprachförderung für Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund

Kultusminister Jürgen Schreier eröffnete heute im Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft (04.05.06) die Konferenz der Bund-Länder-Kommission (BLK) zur "Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund" (FörMig). Durch intensive Sprachförderung soll diesen Kindern und Jugendlichen der Übergang vom Kindergarten in die Schule und später in den Beruf erleichtert werden. Zehn Bundesländer beteiligen sich zwischenzeitlich mit unterschiedlichen Projekten an dem Modellprogramm. Im Rahmen der bis einschließlich Samstag dauernden Konferenz werden sie ihre bisherigen Erfahrungen vorstellen.

04.05.2006 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

Das Saarland arbeitet im Rahmen seines bundesweit einmaligen Projektes SIGNAL mit Sprachpaten und ehrenamtlichen Integrationsbegleitern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Landesverband Saarland zusammen. Das DRK als Kooperationspartner übernimmt dabei die Aufgaben der Koordination, Fortbildung und Vernetzung der Teilnehmer. An 15 Pilotgrundschulen und acht Pilotkindergärten in sozialen Brennpunkten mit hohem Migrantenanteil werden 350 Migrantenkinder und 100 Eltern im ersten Jahr (2005/2006) gefördert. So wird Migrantenkindern aber auch deren Eltern lebensnah und frühzeitig geholfen, über die enge Verbindung von Sprachförderung und sozialer Integration ihren Bildungsweg bzw. ihr Leben zu meistern. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere ein lebensweltnahes Sprachlernkonzept. SIGNAL ist als saarländisches Innovationsprogramm Teil des BLK-Bundesprogramms FÖRMIG zur Förderung von Kindern mit Migrationhintergrund. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf 1,4 Millionen Euro. Die Laufzeit beträgt vier Jahre.

Kultusminister Jürgen Schreier: "Sprache Lernen braucht Zuwendung und Partnerschaft. Gerade viele zugewanderte Kinder brauchen Partner, die sich Zeit nehmen und ihnen beim Erlernen der deutschen Sprache ehrenamtlich außerhalb des Unterrichts helfen. Ehrenamtliche Sprachpaten schenken ihnen diese Zeit. Die Sprachförderung über ehrenamtliche Sprachpaten ist bundesweit ein völlig neuer Ansatz und ein einzigartiges Modell."

Die Sprachförderung im Rahmen von "SIGNAL" umfasst mehrere Stadien. Die ehrenamtliche Integrationsbegleitung ist gekoppelt mit Förderstunden am Nachmittag in der Freiwilligen Ganztagsschule. In einer ersten Phase lernen und erleben die Kinder in Kleingruppen (3 bis 5 Kinder) gemeinsam mit ehrenamtlichen Sprachpaten die deutsche Alltagssprache spielerisch über eine Vielzahl von lebensweltnahen Methoden und bringen das neue Wissen mit Begeisterung in ihre Familien ein. In Phase II wird in zusätzlichem Sprachförderunterricht im Rahmen der Freiwilligen Ganztagsschule das Gelernte vertieft und ausgebaut (max. 20 Kinder pro Schule). Die Förderstunden werden von Lehrkräften der Schule oder des Paritätischen Bildungswerks übernommen und verbinden den Vormittagsunterricht mit dem Angebot der Ehrenamtlichen in Form von Projektarbeit, Leseförderung, Hausaufgabenhilfe und Sprachanlässen. Im Rahmen der Phase III erleben die Migrantenkinder bzw. ihre Eltern während gemeinsamer Exkursionen mit deutschen Familien soziale Gemeinschaft und Kommunikation.

Derzeit stehen 60 Sprachpaten zur Verfügung. Bewerben können sich qualifizierte Ehrenamtliche, die mit Sprachförderung, der Arbeit mit Kindern und interkulturellen Ansätzen vertraut sind. Die Auswahl der Ehrenamtlichen durch das DRK erfolgt nach Befähigung, sozialem Umfeld, Dauerhaftigkeit des Engagements und Kreativität in Abstimmung mit der Schule. Alle ehrenamtlichen Sprachpaten werden durch spezielle Trainings und Fortbildungen in ihrer Arbeit unterstützt. Bei den Sprachpaten handelt es sich in erster Linie um Studierende (Germanistik/Deutsch als Fremdsprache), pensionierte Lehrkräfte und Erzieherinnen, Freiberufler, Fachkräfte aller Berufsgruppen. Die Ehrenamtlichen erhalten eine Aufwandentschädigung von 400 Euro/Jahr.

Zusätzlich zur Förderung über Sprachpaten stehen den Schulen im Bereich des nachunterrichtlichen Bildungs- und Betreuungsangebotes in der Freiwilligen Ganztagsschule noch folgende Fördermodule zur Verfügung:

Elternklassen:

Ziel ist es, einen Förderkursus für Eltern mit Migrationshintergrund anzubieten, der zusätzlich zum Unterricht *Deutsch als Zweitsprache" den Schulstoff der Kinder und ihre Art zu lernen besonders berücksichtigt. Die Eltern verfügen nicht nur über bessere Deutschkenntnisse, sondern werden auch in die Lage versetzt, die Kinder in Ihrer Schullaufbahn zu unterstützen.

Eltern-Kind-Klassen:

Hier lernen Eltern und Kinder gemeinsam Deutsch und trainieren den Umgang mit Unterrichtsstoff und Hausaufgaben. Schwerpunkte sind auch hier Projektarbeit und Leseförderung.

Eltern-Kind-Lerngruppen in der Kindertagesstätte:

Dieses Angebot ist für Schulen interessant, die bereits intensiv mit den umliegenden Kindertagesstätten kooperieren oder neue Kooperationen suchen. Das Angebot ist ähnlich strukturiert wie die Eltern-Kind-Lernklassen, allerdings spielt die Verknüpfung von Muttersprache und Zweitsprache eine größere Rolle.

Netzwerke:

Jede Schule bildet mit örtlichen Organisationen, Vereinen, der Kommune, den Wohlfahrtsverbänden, Kindertagesstätten und sonstigen Partnern ein Netzwerk. Ziel ist es, die Arbeit zu bündeln, Neues zu entwickeln und sinnvolle Synergieeffekte bei der Sprachförderung und der sozialen Integration zu schaffen.

Exkursionen und Sprachanlässe:

Für alle teilnehmenden Schulen werden Exkursionen und Sprachanlässe angeboten. Dies können Ausflüge in die nähere Umgebung sein, zu Sehenswürdigkeiten, interkulturellen Festen, Theaterbesuche, Wanderungen und vieles mehr. Die Kinder lernen so ihr Umfeld, die deutsche Kultur, aber auch viele verschiedene andere Kulturen kennen. Und sie lernen, dieses Handlungswissen in die deutsche und ihre Muttersprache umzusetzen.

Freiwillige Ganztagsschule:

SIGNAL gibt dem Förderprogramm der FGTS einen neuen inhaltlichen Schwerpunkt und ermöglicht Migrantenkindern, die bisher nicht teilnehmen konnten, auch das weitere Angebot der FGTS wahrzunehmen.


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