Baden-Württemberg

Erzieher/innen-Streik beginnt in Karlsruhe

An den Warnstreiks der Beschäftigten des Bundes sowie der Städte und Gemeinden beteiligten sich heute (18.3.) landesweit etwa 2.000 Beschäftigte. An einer Kundgebung in Karlsruhe nahmen etwa 800 Streikende teil.

18.03.2014 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Auch zahlreiche bei der Bildungsgewerkschaft GEW organisierte Erzieher/innen und Sozialpädagog/innen streikten heute und folgten dem Aufruf der Bildungsgewerkschaft GEW und ver.di. Nachdem in der Bodensee-Region bereits gestern (17.03.) mehrere hundert Beschäftigte ihre Arbeit niederlegten, blieben am zweiten Streiktag auch in Karlsruhe und anderen Regionen Baden-Württembergs Kindertagesstätten geschlossen. Die Beschäftigten streiken für eine Gehaltserhöhung um 100 Euro plus 3,5 Prozent. Die Warnstreiks sind eine Reaktion auf die erste bundesweite Verhandlungsrunde in der vergangenen Woche.

In der ersten Verhandlungsrunde am 13. März haben die Arbeitgeber in Potsdam kein Angebot vorgelegt. Die Gewerkschaften fordern einen Sockelbetrag von 100 Euro und 3,5 Prozent für die Beschäftigten im der Kommunen und des Bundes. In dieser Woche werden die Gewerkschaften mit Warnstreiks gegen die Blockade-haltung mobil machen.

"Unsere Gehaltsforderung ist aus Sicht der Beschäftigten, aber auch aus übergeordnetem Interesse mehr als berechtigt. Wer dem weiterhin bestehenden Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen dauerhaft etwas entgegensetzen möchte, muss die Gehälter der Erzieher/innen endlich anheben. Die sture Haltung der Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde lassen wir uns nicht bieten. Das werden unsere Mitglieder gemeinsam mit den Mitgliedern der anderen Gewerkschaften im öffentlichen Dienst den Arbeitgebern auch in Baden-Württemberg zeigen", sagte am in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Hintergrundinformationen:
Die zweite Verhandlungsrunde zwischen den Gewerkschaften und dem Bundes-innenministerium und der Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) findet am 20./21. März in Potsdam statt.
In Baden-Württemberg arbeiten 79.000 Beschäftigte im Sozial- und Erziehungs-dienst, davon sind etwa 67.000 mit pädagogischen Aufgaben betreut. Die anderen Beschäftigten arbeiten als freigestellte Leitung, im Verwaltungsdienst und in der Hauswirtschaft. Die Tarifrunde geht in der Bedeutung weit über den öffentlichen Dienst hinaus. Sie ist entscheidend für die Gehaltsentwicklung in den Kindertages-stätten und Jugendhilfeeinrichtungen der Kirchen und anderer freier Träger, die eine Gehaltssteigerung häufig übernehmen oder sich zumindest daran orientieren.
Von den Beschäftigten in den Kindertageseinrichtungen arbeiten etwa 42 Prozent bei den Kommunen und etwa 58 Prozent bei den freien Trägern. (Quellen: Statistisches Landesamt)

Tarifflucht:
In Baden-Württemberg sind etwa ein Drittel der Kommunen nicht beim kommunalen Arbeitgeberverband organisiert und damit nicht an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) gebunden. Stichproben aus der GEW-Beratungspraxis legen nahe, dass Erzieher/innen häufig bis zu 300 Euro weniger verdienen als Erzieherinnen bei den tarifgebundenen Kommunen.

Tarifrunde 2012:
In der letzten Tarifrunde 2012 wurde – nach wochenlangen Warnstreiks der Beschäftigten – eine Gehaltserhöhung in drei Schritten vereinbart: 3,5 Prozent zum 1. März 2012, 1,4 Prozent zum 1. Januar 2013 und weitere 1,4 Prozent zum 1. August 2013. Seit Januar 2014 liegen die Gehälter der kommunalen und Bundes-beschäftigten um durchschnittlich rund 1,8 Prozent unter denen der gleich eingruppierten Kolleginnen und Kollegen in den Ländern.

Steigende Einnahmen:
Die Kommunen haben in den ersten drei Quartalen 2013 6,3 Milliarden Euro mehr Steuern eingenommen als im Vorjahr. Die Prognosen der Wirtschaftsforschungs-institute erwarten für 2014 im Durchschnitt eine Zunahme des Wirtschaftswachstums um 1,8 Prozent bei weiterhin niedriger Inflation von 1,5 Prozent. Für den Staatshaushalt als Ganzes prognostizieren sie auch in diesem Jahr Überschüsse.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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