Flickenteppich Sprachförderung

"Die bisherigen Konzepte zur Sprachförderung sind ein Flickenteppich ohne Erfolgsgarantie. Wir brauchen ein ganzheitliches Konzept, denn an und mit Kindern sollte nicht experimentiert werden", sagte Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Freitag (11.04.) in Stuttgart. Zu dem Thema Sprachförderung findet heute im Landtag eine Anhörung der Grünen statt.

11.04.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg werden bereits vierjährige Kinder bei Sprachstandserhebungen getestet. Experten sehen solche Tests kritisch, wenn sie nicht von einer ständigen Sprachförderung für alle Kinder ab dem Beginn der Kindergartenzeit begleitet werden. Sprachdiagnose und Sprachförderung sollten sowohl inhaltlich als auch vor allem personell verbunden werden, was eine neue Arbeitsorganisation in den Einrichtungen und eine andere Gestaltung der Arbeitszeit erforderlich macht. Die GEW setzt sich außerdem für ein einheitliches Sprachförderungskonzept an Kindertageseinrichtungen und Schulen ein.

"Es sollte bedeutend mehr Zeit für Beobachtung und Dokumentation, für Elterngespräche und Fortbildung zur Verfügung stehen. Deshalb steht für uns an erster Stelle, Erzieherinnen besser fortzubilden und ihnen mehr Zeit zu geben, damit sie in Alltagsituationen die Kinder besser beobachten und dann gezielter fördern können", sagte Dahlem.

Drei Millionen für Sprachförderung

Die Landesstiftung stellt für das Sprachförderprogramm "Sag´ mal was" seit 2003 jährlich fünf bis sechs Millionen Euro bereit. In spätestens zwei Jahren soll damit aber Schluss sein, wer dann zahlen soll, ist ungeklärt, sowohl Kommunen als auch das Land sehen den jeweils anderen in der Pflicht.

"Während andere Bundesländer wie Hessen oder Rheinland-Pfalz Mittel für die Sprachförderung aus dem Landesetat bereitstellen, sieht Minister¬präsident Oettinger zuerst die Kommunen in der Pflicht. Es darf nicht vom Zufall abhängig sein, ob ein Kind in einer Gemeinde lebt, die in Sprachförderung investiert, oder ob es sprach- und damit bildungslos bleibt", sagte Dahlem.

In das Sprachförderprogramm "Sag´ mal was" der Landesstiftung sind seit 2003 rund 30 Millionen Euro geflossen, um Erzieherinnen fortzubilden, Bücher zu kaufen oder zusätzliches Personal einzustellen. Jährlich 120 Stunden intensiven Sprachunterricht erhalten Kinder mit Förderbedarf in den letzten beiden Kindergartenjahren. Gefördert werden zu zwei Drittel Migranten und ein Drittel Deutsche.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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